Der Vredener Reservist Thomas Jung ist aktuell für die Bundeswehr in Berlin im Einsatz. © Ismael Akbar
Kommando Territoriale Aufgaben

Vredener Soldat hilft in Berlin beim Kampf gegen die Corona-Pandemie

Hauptberuflich ist Thomas Jung CNC-Betriebsassistent. Aktuell ist der Vredener aber für die Bundeswehr im Einsatz. In der Berliner Operationszentrale sorgt er für schnelle Corona-Hilfe.

Seit neun Monaten unterstützt die Deutsche Bundeswehr die Behörden im Kampf gegen die Corona-Pandemie mit Tausenden Soldatinnen und Soldaten wie auch zivilen Kräften. Bislang gingen mehr als 1800 Amtshilfeanträge bei der Bundeswehr ein. Einer der größten Hilfseinsätze der Bundeswehr in ihrer 65-jährigen Geschichte. Mittendrin: Feldwebel Thomas Jung aus Vreden.

Normalerweise arbeitet der 38-Jährige bei dem Unternehmen „Mitsubishi Chemical Advanced Materials“ im Schichtbetrieb als CNC-Betriebsassistent an der Fräsmaschine. Doch als sich im Frühjahr die Lage im Land zuspitzte, folgte er dem bundesweiten Aufruf an die Reservekräfte und ist seitdem im „Kommando Territoriale Aufgaben“ im Einsatz. Sein Arbeitgeber stellte ihn dafür frei.

Über die Entscheidung musste Thomas Jung nicht lange nachdenken: „Ich bin seit März 2018 Verbindungsfeldwebel für Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Kreisverbindungskommando Borken. Somit lag es nahe, in dieser Verwendung und in dieser Lage im Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin Dienst zu leisten und sich einzubringen. Schließlich habe ich meine Ausbildung zum Feldwebel gemacht, um zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird.“

Anträge fliegen täglich herein

In der Berliner Julius-Leber-Kaserne – in einem stattlichen, aber nahezu versteckten Gebäude zwischen alten Eichen und hohen Kiefern – ist die Operationszentrale untergebracht. Von hier aus bearbeiten Thomas Jung und seine Kameraden täglich mehrere Anträge aus ganz Deutschland. Ihr Anspruch: möglichst schnell und unkompliziert Hilfe leisten. In der Zentrale laufen alle Informationen von außen, wie die regionale Virus-Ausbreitung, und von innen, wie die eigene Kräfte- und Ressourcenverteilung, zusammen.

Viele Bundeswehrsoldaten leisten aktuell Amtshilfe, zum Beispiel bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionen.
Viele Bundeswehrsoldaten leisten aktuell Amtshilfe, zum Beispiel bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Der Vredener berichtet: „Ich bin für die Erfassung der Daten verantwortlich. Schon zuvor war ich im Lage-Team NRW im Einsatz und habe dort Anträge auf Amtshilfe für Nordrhein-Westfalen erfasst, bearbeitet und bewertet.“ Für den 38-Jährigen hat sich dadurch die Perspektive geändert. Denn beim Kreisverbindungskommando Borken (KVK) war er unter anderem für die Antragsstellung an die Berliner Zentrale zuständig.

Aufgabe macht Spaß – und fordert

Da das Ende der Pandemie nicht in Sicht ist, wird Thomas Jung wohl noch einige Zeit in der Kaserne verbringen. Eine Aufgabe, die ihm Spaß macht, aber auch fordert, wie er zugibt. Trotzdem zieht er ein positives Zwischenfazit: „Es ist sehr spannend hier im Kommando und ich denke, die persönliche Entwicklung, die man hier erfährt, ist groß.“

Er möchte die gesammelten Erfahrungen, dienstlich wie menschlich, mit ins KVK Borken nehmen. „Dazu kommt, dass man viele neue Kameraden gewinnt und das Netzwerk, das sich aufbaut, erfüllt mich sehr. Besonders von den erfahrenen Berufssoldaten kann man enorm viel lernen. Es ist teilweise beeindruckend, was Vorgesetzte durch Erfahrung im Umfeld wahrnehmen um zeitnah entsprechend handeln“, so Jung.

2005 beim Schneechaos im Einsatz

Ganz neu sind Krisensituationen für den 38-jährigen Vredener nicht. Schon 2005 half er als damals noch aktiver Soldat beim „Schneechaos“ im Münsterland, das sich in diesen Tagen zum 15. Mal jährte. Vergleichen möchte Feldwebel Thomas Jung diese Einsätze aber nicht. „Das Schneechaos war eine regionale Lage, die sich in wenigen Wochen beruhigt hatte. Die Corona-Pandemie fordert uns global und dauert nun schon fast eine Jahr an. Umso wichtiger ist es, sich einzubringen.“

Die Verbindung zu seiner Heimat reißt allerdings auch in dieser Zeit nicht ab. An den meisten Wochenenden pendelt er nach Vreden. „Besonders für meinen Sohn ist das wichtig und schön“, sagt der 38-Jährige. Die 530 Kilometer pro Weg nimmt er gerne in Kauf. „Natürlich ist es teilweise fordernd, aber ich halte eine gute Balance zwischen Familie und Dienst.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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