Unter den Besuchern bei der Infoveranstaltung zur Krankenhaus-Schließung waren auch viele lokale Politiker. © Victoria Garwer
Krankenhaus-Schließung

Vredener sparen nicht mit Kritik an Klinikum-Geschäftsführern

Die Besucher bei der Infoveranstaltung zur Schließung des Vredener Krankenhauses fanden klare Worte. Sie äußerten ihre Sorgen und bekamen Antworten auf einige Fragen.

Bei der Infoveranstaltung zur Schließung des Vredener Krankenhauses mussten die Geschäftsführer des Klinikums Westmünsterland Ludger Hellmann und Holger Winter viel Kritik einstecken. Nur rund 60 Zuschauer waren gekommen, 300 wären möglich gewesen. Doch diejenigen, die da waren, fanden klare Worte.

Ein Besucher schilderte seine persönliche Situation als Beispiel für eine Sorge, die wohl viele Vredener haben. An einem Samstagnachmittag habe er Schmerzen in der Brust gehabt. „Nicht so viel, dass ich die 112 gewählt hätte“, sagte er. Er habe dann direkt im Vredener Krankenhaus angerufen und sei mit dem eigenen Auto hingefahren.

Dort stellte der Arzt fest, dass die Situation ernst ist. Der Vredener wurde direkt nach Stadtlohn gebracht und von dort aus weiter in eine Spezialklinik. „Nach Ahaus wäre ich an diesem Samstag wohl nicht gefahren. Dem Standort Vreden habe ich mein Leben zu verdanken“, sagte der Mann.

Der Experte und Berater im Gesundheitswesen Prof. Dr. Norbert Roeder, den das Klinikum Westmünsterland eingeladen hatte, sah das etwas anders. „Sie haben verdammt viel Glück gehabt. In so einem Fall geht es immer um Zeit. Noch besser wäre es doch gewesen, wenn Sie direkt ins richtige Krankenhaus gekommen wären“, sagte er.

Tiefe Enttäuschung und Kritik an Kommunikation

Zu der Infoveranstaltung waren auch mehrere Lokalpolitiker gekommen. Sie kritisierten vor allem die Kommunikation des Klinikums Westmünsterland. „Als die Geburtsstation in Vreden geschlossen wurde, haben Sie uns gesagt, dass die Grundversorgung gesichert ist. Und diese nehmen Sie uns jetzt weg“, sagte Ursula Schulte (SPD).

Gertrud Welper (Grüne) zeigte sich tief enttäuscht. „Vor eineinhalb Jahren haben Sie uns gesagt, der Standort sei sicher, und jetzt ist alles anders. Das hier ist nichts anderes als eine Schließung des Krankenhauses.“ Ludger Hellmann hatte zuvor mehrmals gesagt, dass es sich aus der Sicht des Klinikums nicht um eine Schließung, sondern um eine Verlegung handele. Alle Abteilungen bleiben erhalten, nur eben in Ahaus.

Holger Winter (l.) und Ludger Hellmann (M.) beantworteten die Fragen der Besucher. Lennart Thies (r.) moderierte die Veranstaltung.
Holger Winter (l.) und Ludger Hellmann (M.) beantworteten die Fragen der Besucher. Lennart Thies (r.) moderierte die Veranstaltung. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Heike Wissing (CDU) hielt den Plan grundsätzlich für vernünftig. „Aber wir Bürger möchten uns nicht veräppelt fühlen. Bitte seien Sie ehrlich mit uns.“ Jens Steiner (Grüne) fand noch deutlichere Worte: „Sie wollen doch gar nicht mit uns reden. Sie kommen erst zu uns, wenn alles entschieden ist. Das haben Bürger und Politiker nicht verdient.“

Auf all diese Kritik reagierte Ludger Hellmann immer ähnlich: „Ich habe Respekt davor und kann das verstehen.“ Ministerium und Krankenkassen hätten aber eine frühere Veröffentlichung der Pläne nicht zugelassen, auch nicht gegenüber den Kommunen und Politikern.

Einige konkrete Fragen stellten die Vredener bei der Infoveranstaltung dann aber doch.

Wie sollen die Vredener künftig notfallmäßig versorgt werden?

„Daran wird sich nichts ändern“, sagte Ludger Hellmann. Die Besatzung des Rettungswagens entscheide, welches Krankenhaus das richtige ist.

Wie sollen Patienten, Besucher und Mitarbeiter ins Krankenhaus nach Ahaus kommen?

Eine konkrete Antwort darauf gibt es noch nicht. Das Klinikum möchte aber zusammen mit der Stadt und dem Kreis eine Lösung suchen. Holger Winter sicherte aber schon jetzt zu, dass am Ahauser Krankenhaus mehr Parkplätze entstehen sollen.

Wo können Vredener künftig ihre Kinder behandeln lassen?

Auch daran ändere sich nichts. Schon jetzt gibt es in Vreden keine Kinder- und Jugendklinik. Die nächsten Kliniken sind in Coesfeld und Bocholt. „Das ist politisch so festgelegt und es gibt keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert“, sagte Ludger Hellmann.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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