Vredener wollte Auto fahren – mit einem Gabelstapler-Führerschein

mlzAmtsgericht Ahaus

Einen Führerschein hat der 29-Jährige noch nie gemacht. Auto gefahren ist er trotzdem. Beim letzten Mal wollte er die Polizisten mit einem Gabelstapler-Führerschein überzeugen.

Vreden

, 02.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vredener ist 29 Jahre alt. Einen Führerschein hat er nicht. Doch gleich zweimal wurde er 2019 erwischt, wie er in einem Fahrzeug unterwegs war. Für die zweite Fahrt hatte er eine Begründung, die den Richter aufbrachte: „Das ist schlicht gelogen.“

Der erste Fall führt nach Ahaus. In der Stadtmitte kontrollierte die Polizei das Auto mit dem Angeklagten am Steuer. Das Pikante: Das Fahrzeug ist auf ihn zugelassen, er selbst aber hat keine Fahrerlaubnis. Seine Verlobte führe normalerweise mit dem Auto, hatte er der Polizei damals erklärt, diese aber sei körperlich eingeschränkt. „Sie hatte Schmerzen im Bein und konnte nicht fahren“, erklärte er jetzt vor Gericht.

„Das war eine dumme Idee, ich hätte nicht fahren dürfen. Ich dachte, ich fahre mal 100 Meter, da passiert schon nichts“, räumte der Angeklagte gleich zu Beginn ein. Laut Polizeiaussagen war die Strecke dann aber doch ein ordentliches Stück länger.

Gabelstapler-Schein für die Fahrt auf dem Leichtkraftrad

Anders Fall 2. Hier war der 29-Jährige mit seinem Leichtkraftrad auf der Bahnhofstraße unterwegs. Er wollte tanken und dann zur Arbeit nach Holland fahren. Doch da wurde er kontrolliert. Den Polizeibeamten zeigte er einen Gabelstapler-Schein und erklärte, er habe sich beim Kreis Borken erkundigt. Die hätten ihm bestätigt, dass er mit diesem Führerschein L das Leichtkraftrad fahren dürfe.

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Der Richter wurde deutlich. „Das ist keine Fahrerlaubnis,. die sie da haben. Das wissen Sie auch.“ Zwar gebe es den Führerschein L, gebraucht hätte er den Führerschein AM. Der Befähigungsnachweis für einen Gablerstapler aber reiche bei weitem nicht aus. Den Kreis Borken ins Spiel zu bringen, nannte der Richter „dummdreist“.

Der Blick ins Strafregister – „fast so lang wie mein Arm“, so der Richter – zeigt, dass der 29-Jährige seit elf Jahren unter anderem immer wieder wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis auffiel. Das sprach auch zu seinen Ungunsten.

Verteidiger bittet um ein mildes Urteil: „Er bemüht sich nach Kräften“

Für den Angeklagten zählte das Geständnis im ersten Fall, bedingt auch das zweite Geständnis immerhin auf Nachfrage. Der Verteidiger bat um ein mildes Urteil. Der Angeklagte sei auf einem guten Weg, wolle eine Familie gründen. „Er bemüht sich nach Kräften.“

„Sie haben seit vielen Jahren keinen Führerschein. Trotzdem sind sie ein Autofreak“, so der Richter abschließend. Wenn er ein Auto sogar auf sich zulasse, „legen Sie die Wurzel für die Straftat.“ Am Ende wurde der Vredener zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 20 Euro verurteilt.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sperre für eine Fahrerlaubnis von einem Jahr gab es nicht. Das sei kontraproduktiv, so der Richter. „Mein Bestreben ist es, dass Sie die Fahrerlaubnis erwerben“, so der Richter. Eine Anmeldung zur Fahrschule hatte der Angeklagte zum Termin im Amtsgericht mitgebracht.

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