Warum die Lage entscheidet

Leerstand

Sie hat ganz genau hingeschaut. Und was Aylin Meier in der Vredener Innenstadt gesehen hat, ist zwar kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Aber die Citymanagerin sieht auch keinen Anlass für Alarmstimmung.

VREDEN

, 23.07.2015, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Die Zahl der Leerstände ist nicht besorgniserregend", so lautet ihr Fazit. Aylin Meier erläuterte jetzt im Gespräch mit der Redaktion, welche Ergebnisse eine gezielte Erhebung erbracht hat. Der Blick richtete sich dabei auf die Innenstadt, genauer: auf die Straßenzüge, die auch das Integrierte Handlungskonzept abdeckt.

180 Flächen erhoben

"Wir haben 180 Flächen erhoben", sagt die Citymanagerin. 70 davon dienen dem Einzelhandel, die übrigen anderen Zwecken wie Gastronomie, Praxen oder Dienstleistungen. Die Leerstände in der Innenstadt sind dabei mit erfasst worden. Lageprofile geben zudem Aufschluss, ob ein Standort überhaupt für Einzelhandel geeignet ist. "Randlage, drei Stufen hoch - das funktioniert nicht", bringt Aylin Meier das auf den Punkt.

Sie hat aber eine feste Vorstellung von einer vielversprechenden Zielrichtung. Damit eine positive Entwicklung nachhaltig einsetzen kann, sei eine Konzentration auf die sogenannte Hauptlage wichtig. Letztere lasse sich in Vreden vor allem am Markt, an der Wüllener Straße und der Wassermühlenstraße festmachen - und auch bei diesen beiden Straßen gibt es Abstufungen. Was weiter vom Markt weg liegt, falle schon eher in die Kategorie Nebenlage.

Zwei Leerstände in der Hauptlage

Aylin Meier sagt vor diesem Hintergrund: "Wir haben zwei Leerstände in der direkten Hauptlage, weitere befinden sich in den Ausläufern beziehungsweise Nebenlagen." Das sei ein typisches Bild für eine Mittelstadt, lautet ihr fachlicher Befund. Der Zustand sei nicht besorgniserregend: "Aber wir müssen aufpassen, dass sich an keiner Stelle ein struktureller Leerstand entwickelt."

Die Ergebnisse aus der Erhebung landen jetzt keinesfalls bloß in der Schublade. Sie dienen dazu, eine Wunschliste zu entwickeln, sagt die Citymanagerin: "Wer würde das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen oder erweitern?" Sie spricht solche Unternehmen direkt an. Diese müssen prüfen, ob der Standort Vreden für sie passt. "Viele haben ein festes Raster für solche Entscheidungen", weiß Aylin Meier. Das beginne bei der Einwohnerzahl und hört bei der verfügbaren Fläche keinesfalls auf.

Bekleidung und Spielwaren 

Was könnte für Vreden noch gut zum vorhandenen Branchenmix passen? "Wäsche wäre ein Punkt, aber auch Bekleidung ist eine wichtige Leitbranche", unterstreicht die Citymanagerin. Die Zielgruppen spielen dafür eine entscheidende Rolle - und in der Widukindstadt sind sehr unterschiedliche vorhanden: junge Familien genauso wie Arbeitnehmer oder ältere Menschen. Aylin Meier benennt im Gespräch weitere Angebote, deren Ansiedlung sinnvoll sein könnte: Spielwaren, Reit- oder Jagdbedarf. Großflächiger Einzelhandel dürfte indes kaum Chancen haben, neu nach Vreden zu kommen. Erste Kontakte seien bereits geknüpft. Die Citymanagerin vermittelt deshalb auch die erforderlichen Kontakte zu den Eigentümern von Immobilien.

Sie nimmt aber gleichzeitig die Möglichkeit ins Visier, weitere Flächen in der Innenstadt für den Einzelhandel zu nutzen. Aylin Meier arbeitet in dieser Frage eng mit der Stadtverwaltung zusammen. Beispiel: Die weitere Entwicklung des Bremer Platzes könnte an Gewicht gewinnen.

Fenster füllen

Sogenannte Zwischennutzungen stellen für die Citymanagerin ebenfalls ein Thema ihrer Arbeit dar. Bunte Schaufenster statt schwarzer Löcher: Auf dem Weg dorthin gebe es unterschiedliche Möglichkeiten. Die Nutzung durch andere Einzelhändler sei eine davon - sozusagen als Hinweis auf das Geschäft, das sich in einer anderen Straße befindet.

Aylin Meier lobt nicht zuletzt das große Engagement in Vreden: Das schlage sich an vielen Stellen nieder, beispielsweise auch in der Ideenfabrik. Immer mehr Interessierte brächten sich dort ein. Und sie selbst fühlt sich in Vreden sehr gut aufgenommen. Die Menschen seien ihr offen begegnet, sie werde einbezogen: "Ich fühle mich hier wohl." Ihr Aufgabenzettel ist schon weit bis in das nächste Jahr hinein gefüllt. Denn das Anstoßen großer Veränderungen brauche vor allem eines, betont Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch: ausreichend Zeit.

 

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