Warum Metzgerei Krandick auf Fleischtheke verzichtet und wie Sie trotzdem Fleisch bekommen

mlzFachkräftemangel

Eine große Fleischtheke gibt es bei der Landmetzgerei Krandick nicht mehr. Grund ist unter anderem der Fachkräftemangel. Die Unternehmer wollen vorbeugen und neue Wege gehen.

Vreden

, 15.05.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Kilo dicke Rippe, zwei Beinscheiben, ein Pfund grobe Bratwurst und vier verschiedene Sorten Aufschnitt – bei der Landmetzgerei Krandick (KDC) haben vor allem Landwirte oft Großeinkäufe für die ganze Woche und die ganze Familie erledigt. Das ist jetzt nicht mehr so einfach. Denn Markus Krandick (39) und Ulf Dingslaken (33) haben sich dazu entschlossen, ab sofort auf eine große Fleischtheke im Laden am Venndiek in Gaxel zu verzichten. Und das ist nur ein Schritt im Umgang mit dem Fachkräftemangel.

„Wir haben die Filiale in Ellewick Anfang April geschlossen“, erzählt Markus Krandick. An Kunden habe es jedoch auch im Dorf nicht gemangelt. Das Problem: „Mein Vater ist der einzige Metzgermeister bei uns und man braucht einen Meister, um Fleisch wie Gulasch oder Gehacktes verkaufen zu dürfen“, erklärt Markus Krandick. Bernhard Krandick sei jetzt 66 Jahre alt und man müsse sich darauf vorbereiten, dass er sich irgendwann zur Ruhe setzt.

Zusammenarbeit mit einem Bäcker

Markus Krandick und Ulf Dingslaken, die das Unternehmen vor zweieinhalb Jahren unter dem Namen KDC übernommen haben, haben beide keinen Meistertitel. Eine notwendige Fortbildung hätte mehrere Jahre gedauert. „Einen Meister für die Filiale im Dorf einzustellen, hätte sich aber finanziell nicht gelohnt. Dafür sind es dann doch zu wenig Kunden“, erklärt Ulf Dingslaken. Zusätzlich sei es schwierig, Fleischereifachverkäufer zu finden. Und dann ist da ja noch die Konkurrenz von Supermärkten. So blieb den beiden Männer nichts anderes übrig, als die einzige Metzgerei in Ellewick zu schließen.

Doch sie wollen die Dorf-Bewohner trotzdem weiter mit ihren Produkten versorgen. „Wir haben uns mit dem Bäcker vor Ort zusammengetan. Da werden zwei handwerkliche Berufe zusammengebracht und es rechnet sich für beide Seiten. Das könnte auch ein Vorbild für andere Dörfer sein“, schildert Markus Krandick. In der Filiale der Bäckerei Ibing mitten im Dorf stehen jetzt Kühlschränke, die mit Fleisch und Fertigprodukten der Landmetzgereich gefüllt sind. „Die Bäckerei wird prozentual am Gewinn beteiligt“, erklärt Ulf Dingslaken das Geschäftsmodell.

Frisches Fleisch nur auf Bestellung

Es gibt zum Beispiel Aufschnitt, Grillfleisch, Nudel- oder Kartoffelsalate und hausgemachte Produkte wie Suppen, Gulasch, Rouladen oder Stäbchenfleisch abgefüllt in Gläsern. Frisches Fleisch wie Bratwurst oder Gehacktes können die Ellewicker in der Bäckerei bestellen. Die KDC-Mitarbeiter bringen das Fleisch dann mit, wenn sie die Kühlschränke befüllen. Genauso funktioniert es auch in einer Tankstelle, einem Kiosk und an einer Milchtankstelle in Vreden.

„Die Alternative wäre gewesen, ganz zuzumachen.“
Markus Krandick

Und auch im Hauptgeschäft in Gaxel wurde das Angebot eingeschränkt. „Jeden Tag die große Fleischtheke mit viel Auswahl zu befüllen, das lohnt sich einfach nicht mehr. Außerdem ist es schwer, geschultes Personal für die Fleischtheke zu finden“, erklärt Markus Krandick. Stattdessen stehen in dem Laden jetzt drei Kühlschränke. Ohne Vorbestellung wird nur noch eine Fleischsorte pro Tag angeboten. Montags zum Beispiel Gehacktes, mittwochs sind es Schnitzel. „Auf Bestellung können wir natürlich weiterhin alles möglich machen“, sagt Ulf Dingslaken deutlich.

Nächste Generation kommt aus der Gastronomie

Vor zweieinhalb Jahren hat Markus Krandick das Unternehmen seines Vaters Stück für Stück übernommen. Dazu zählt nicht nur die Landmetzgerei, sondern auch der Catering-Service und das Haus Terrahe. In dem Restaurant hat Ulf Dingslaken als Küchenchef gearbeitet. Gemeinsam gründeten die beiden Männer das Unternehmen Krandick und Dingslaken Catering (KDC). Krandick ist gelernter Restaurantfachmann, Dingslaken ist Koch.

Sie kommen also beide aus dem gastronomischen Bereich. Für die Zukunft wollen sie sich deswegen noch mehr auf den Catering-Service und Hausmannskost als Fertigprodukt konzentrieren. „Ich denke, das ist ein gutes Angebot, das die nächsten 20 Jahre funktionieren kann. Nur die Umstellung ist immer schwer“, meint Ulf Dingslaken. Markus Krandick ergänzt: „Die Alternative wäre gewesen, ganz zuzumachen.“

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