Was passiert mit meinen digitalen Daten, Abos, Zugängen und Besitztümern nach meinem Tod?

mlzDigitaler Nachlass

Filme, Musik und Bücher werden immer öfter digital gekauft. Sie liegen also auf irgendeinem Server, passwortgeschützt. Sie wurden bezahlt. Aber was passiert damit nach dem Tod?

Vreden

, 02.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Klick und das neue Album der Lieblingsband ist gekauft. Noch ein Klick und der 300-seitige Roman landet in der Bibliothek. Geld wird immer häufiger digital ausgegeben. Die bezahlten Filme, Lieder, Spiele und Bücher liegen also nicht mehr zu Hause im Regal, sondern irgendwo auf einem Server, geschützt mit einem Passwort.

So ist es auch bei mir. Ich habe Geld für diese digitalen Daten ausgegeben. Was aber passiert damit, wenn ich mal tot bin? Kann ich diese Besitztümer vererben? Und was ist mit den abgeschlossenen Abos, den Rechnungen, die nur per Mail kommen, oder den Nachrichten und Bildern in sozialen Netzwerken? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir zum Thema digitaler Nachlass ein. Zeit, sich zu kümmern.

Facbook ist quasi ein digitales Tagebuch

Ich fange bei dem Offensichtlichen an: Facebook. Inzwischen nutze ich das soziale Netzwerk fast nur noch beruflich. Vor ein paar Jahren aber war Facebook der Ort, wo Diskussionen stattfanden, Freundschaften gepflegt und Unternehmungen geplant wurden. Deswegen sind hier viele Erinnerungen gespeichert. Quasi meine ganze Jugend und meine Schulzeit in Form von Bildern, Nachrichten, Kommentaren, Veranstaltungen. Ein digitales Tagebuch.

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Ich frage mich: Will ich wirklich, dass das jemand sieht und liest? Genau mit dieser Frage musste sich vor Kurzem der Bundesgerichtshof beschäftigen. Die Eltern einer 15-Jährigen wollten die Nachrichten ihrer Tochter lesen, um herauszufinden, ob sie wirklich Suizid begangen hat.

Das Gericht hat entschieden, dass der digitale Nachlass genauso zu behandeln ist wie der analoge. Heißt: Digitale Daten sind vererbbar, auch Nachrichten. Schließlich sind sie eigentlich nichts anderes als Briefe.

Konten sollen einfach gelöscht werden

Mir wäre es trotzdem am liebsten, wenn mein Facebook-Account einfach gelöscht wird, wenn ich sterbe. Doch so einfach ist das nicht. In den Einstellungen kann ich entweder einen Nachlasskontakt wählen, der mein Konto im Todesfall verwalten soll, oder festlegen, dass das Konto gelöscht werden soll. Das passiert allerdings nur, wenn jemand Facebook meinen Tod meldet. Wie das geht, wird – tief in der Facebook-Hilfe verborgen – erklärt.

Das ist mir irgendwie zu kompliziert. Ich stelle diese Option zwar ein, entschließe mich aber dazu, einfach die Zugangsdaten für meine Angehörigen aufzuschreiben und festzuhalten, dass das Konto gelöscht werden soll.

Verbraucherzentrale empfiehlt Liste zum digitalen Nachlass

So empfiehlt es auch die Verbraucherzentrale. „Sinnvoll ist es, eine Person mit allen Aufgaben rund ums digitale Erbe zu betrauen. Dabei bewährt sich insbesondere eine Liste mit allen Benutzerkonten und Passwörtern, die an einem sicheren Ort hinterlegt werden sollte“, heißt es auf der Internetseite.

Also mache ich mich daran, alle meine Konten zusammen zu tragen. Da kommt einiges zusammen: E-Mail, Versandhändler, Musik- und Film-Streaming-Dienste, soziale Netzwerke und Cloud-Dienste. Zu allem schreibe ich die Internetadresse, Benutzername und Passwort auf. Außerdem lege ich fest, dass alle Konten gelöscht und Abos gekündigt werden sollen.

Die Liste speichere ich auf einem USB-Stick und schütze ihn mit einem Passwort. Dann erstelle ich eine Vollmacht und benenne eine Person, die meinen digitalen Nachlass verwalten soll und das Passwort zum USB-Stick kennt. Erledigt.

Bezahlte Filme und Lieder gehen oft verloren

Ein Problem aber bleibt: Die Filme und die Musik, die ich online gekauft habe, werden beim Löschen des Kontos ebenfalls gelöscht. Sie sind also weg. Obwohl ich sie bezahlt habe. Kann ich dagegen irgendetwas tun?

Ein Blick in die AGB von Amazon Music zeigt: Wohl eher nicht. Ich dachte immer, dass ich die Musik kaufe, dass sie also mir gehört. Laut AGB aber habe ich nur ein Nutzungsrecht und das ist „beschränkt, einfach und nicht übertragbar“. Heißt: Ich kann die Inhalte nicht vererben. Ob das Grundsatzurteil des BGH, dass digitale Inhalte vererbbar sind, daran etwas ändert, ist juristisch derzeit nicht geklärt, ergibt eine Internetrecherche.

Das alles hat übrigens mehrere Stunden gedauert. Viel Arbeit also, die sich durchaus lohnt. Denn so habe ich mir auch selber mal wieder einen Überblick über meine Konten verschafft, ausgemistet und veraltete Passwörter aktualisiert. Und jetzt ist wenigstens alles geregelt, was den digitalen Nachlass angeht. Zumindest bis ich das nächste Konto erstelle oder ein Passwort ändere. Dann muss ich die Liste aktualisieren...

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