125 Jahre Wefapress: Vom Leder-Verarbeiter zum Kunststoff-Experten

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Das Vredener Unternehmen Wefapress wird 125 Jahre alt. Angefangen hat es mit viel Handarbeit und Leder. Heute dreht sich alles um Kunststoff, und viele Maschinen arbeiten vollautomatisch.

Vreden

, 04.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was kann man mit der Hautschicht unter dem Leder, aus dem Taschen und Schuhe hergestellt werden, anfangen, damit sie nicht im Müll landet? Diese Frage bedeutete den Anfang der heutigen Firma Wefapress. Mit Leder hat das Unternehmen 125 Jahre später aber nichts mehr zu tun.

Die Antwort damals war übrigens: Picker herstellen. Das ist ein Teil einer Webmaschine, das das Webschiffchen hin und her schießt. 1895 wurde die Pickerfabrik Westfalia gegründet. Aus den unteren Lederschichten wurden die Picker hergestellt – in mühsamer Handarbeit.

Wefapress arbeitet heute mit Kunststoff statt Leder

Von diesen Anfängen ist heute bei Wefapress nichts mehr übrig. Inzwischen wird in den Hallen an der Straße Up de Hacke Kunststoff verarbeitet. „Mit der Lederverarbeitung hatte keiner, der hier heute arbeitet, je was zu tun“, sagt Geschäftsführer Gerrit Beck.

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Stattdessen wissen sie, welche Zutaten sie zusammenmischen müssen, um verschiedene Kunststoffe herzustellen. Sie wissen, wie diese Kunststoffe zu Platten gepresst und später verarbeitet werden.

135 Mitarbeiter arbeiten beim Unternehmen Wefapress in Vreden.

135 Mitarbeiter arbeiten beim Unternehmen Wefapress in Vreden. © Markus Gehring

„Wir können praktisch jeden Kundenwunsch umsetzen“, sagt Sales Director Markus Voß. Statt in der Anfangsphase zehn Kunden sind es inzwischen um die 5000 aus der ganzen Welt. Die Teile finden zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie, im Maschinenbau, in der Landwirtschaft oder im Hafenbau Anwendung.

Hochkomplexe Maschinenbauteile aus Kunststoff

„Kunststoff hat leider kein gutes Image. Aber das, was wir hier tun, hat mit einer Plastiktüte nichts zu tun. Wir sind kein Müllproduzent, wir bauen hochkomplexe Maschinenbauteile“, erklärt Markus Voß. Das zeigt auch ein Blick in die Produktionshallen.

Aus dem feinen Pulver, das hier ein Mitarbeiter verteilt, wird durch Hitze und Druck eine Kunststoffplatte gepresst.

Aus dem feinen Pulver, das hier ein Mitarbeiter verteilt, wird durch Hitze und Druck eine Kunststoffplatte gepresst. © Markus Gehring

Weißes, blaues und grünes Pulver lagert in Säcken in den Regalen. „Je nach Anwendung können wir daraus und mit verschiedenen Zugaben Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften herstellen“, erklärt Gerrit Beck. Zum Beispiel einen sehr glatten, der bei der Vredener Eiszeit aber auch weltweit Schlittschuhbahnen aus Eis ersetzt. Eine andere Eigenentwicklung des Vredener Unternehmens ist ein magnetischer, detektierbarer Kunststoff oder einer mit keramischen Bestandteilen.

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Der wird in Maschinen in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Wenn ein Teil in der Maschine abbricht, kann der Metalldetektor, der die Endprodukte überprüft, so auch die Kunststoffteilchen entdecken.

Wefapress stellt unter anderem Kunststoff für Schlittschuhbahnen her.

Wefapress stellt unter anderem Kunststoff für Schlittschuhbahnen her. © Markus Gehring

Die Pulvermischung presst eine Maschine mit viel Hitze und Druck zu Platten oder Blöcken. Die wiederum werden dann zu den Endprodukten verarbeitet. Vieles davon geht inzwischen automatisch.

Ein schwarzes Kunststoffrohr dreht sich in einer Maschine. Das Programm wählt automatisch die richtigen Werkzeuge aus, wechselt zwischen Fräsen und Bohrern in unterschiedlichen Größen. Am Ende kommt das richtige Produkt heraus, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss.

Wefapress setzt immer mehr auf Automatisierung

Automatisierung ist ein großes Stichwort bei Wefapress. Trotzdem soll deswegen kein einziger der 135 Mitarbeiter entlassen werden. „Wir brauchen das Wissen der Mitarbeiter. Aber ihr Wissen ist zu schade, um fünf Tage lang immer dasselbe zu tun. Wenn ein Kunde 20.000 gleiche Teile bestellt, dann kann das auch eine Maschine übernehmen“, meint Gerrit Beck.

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Ganz automatisch soll bald auch die Logistik funktionieren. Von der Overbergstraße war es in den vergangenen Wochen gut zu sehen: Auf dem Firmengelände entsteht eine riesige Halle um die alte Halle herum. „Wir brauchten den Platz im alten Gebäude auch weiterhin, deswegen dieses Vorgehen“, erklärt Markus Voß.

Die neue Halle wird derzeit um die alte Halle herum gebaut.

Die neue Halle wird derzeit um die alte Halle herum gebaut. Wefapress investiert hier 1,8 Millionen Euro. © Markus Gehring

1,8 Millionen Euro investiert das Unternehmen hier. Ende des Jahres soll die neue Halle fertig sein. Dann stehen dort elf Meter hohe Automatik-Regale. Wenn die Mitarbeiter einen Barcode scannen, weiß das Regal, welche Teile es ausgeben soll und packt die Palette automatisch.

Jubiläumsfeier muss ausfallen

  • Die geplante Feier zum 125-jährigen Bestehen von Wefapress muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Sie soll im nächsten Jahr nachgeholt werden.
  • Stattdessen hat das Unternehmen Grillpakete und Bierfässer an alle Mitarbeiter verteilt. „Damit sie uns mit ihren Familien trotzdem feiern können“, so Geschäftsführer Gerrit Beck.
  • Auf seinen Kanälen in den sozialen Medien will das Unternehmen in den nächsten Wochen zudem auf spannende Stationen und Geschichten aus den letzten 125 Jahren aufmerksam machen.
  • Erstes Beispiel: Die Disney-Figuren Susi und Strolch haben in den 60er-Jahren Werbung gemacht für Hundeknochen aus Leder, die das Unternehmen hergestellt hat.
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