Tränen seien genug geflossen, meint Familie Beck. Jetzt wollen (v.l.) Jeanne, Lutz, Gerrit und Clara Beck nach vorne schauen und ihr Unternehmen Wefapress nach dem Großbrand wieder aufbauen. © Victoria Garwer
Großbrand Wefapress

Wefapress-Geschäftsführer nach dem Brand: „Tränen sind genug geflossen“

Der Großbrand hat an einem Tag das zerstört, was sich Familie Beck in mehreren Jahrzehnten aufgebaut hat. Der erste Schock ist vorüber, jetzt planen die Wefapress-Geschäftsführer den Neuanfang.

Schmerz. Mit diesem einen Wort beschreibt Gerrit Beck das Gefühl, als er am Samstagmorgen von seinem Bruder Lutz Beck am Telefon erfahren hat, dass das Lebenswerk in Vollbrand steht. Der Geschäftsführer von Wefapress war gerade mit der Familie im Urlaub in Frankreich und hat sich direkt auf den Weg zurück nach Vreden gemacht. „Ich habe einfach funktioniert.“

Während er im Auto saß, musste Lutz Beck mit ansehen, wie die Flammen alles zerstörten. „Ich stand fassungslos daneben. Hilflos und fassungslos“, sagt er. Innerhalb weniger Minuten schlugen die Flammen so hoch aus dem Gebäude und entwickelten so eine Hitze, dass selbst die Feuerwehr nicht mehr viel tun konnte.

Das Feuer war am frühen Samstagmorgen ausgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt waren keine Mitarbeiter in der Halle, die Maschinen seien nicht in Betrieb gewesen. Um 4.20 Uhr lösten gleich drei Brandmeldeanlagen aus. Diese sind direkt mit der Leitstelle verbunden, sodass die Feuerwehr alarmiert wurde.

48 Stunden später sind zwei Drittel des Betriebes zerstört. Mehrere Hallenteile liegen in Schutt und Asche, insgesamt sind es knapp 14.000 Quadratmeter. Es riecht verbrannt. „Das war eine Bohrmaschine, das ein Stapler, das eine CNC-Fräse“, sagt Gerrit Beck und zeigt auf verbrannte und verformte Teile in dem riesigen Haufen. „Jedes Teil hatte seine Geschichte. Da wurde an einem Tag alles zerstört, was wir uns in 25 Jahren als Geschäftsführer aufgebaut haben.“

Wefapress-Geschäftsführer planen den Neustart

Doch neben der Trauer können Gerrit und Lutz Beck am Montag auch schon wieder lachen. „Tränen sind genug geflossen, jetzt geht es weiter. Aufgeben ist keine Option“, gibt sich Gerrit Beck positiv. Schließlich konnten auch rund 8000 Quadratmeter gerettet werden – dank Brandschutztüren und -wänden. „Die waren Vorschrift beim Bau. Ich habe immer gedacht, dass wir sie nie brauchen werden, aber jetzt bin ich heilfroh, dass wir sie hatten“, sagt Gerrit Beck.

Das Bürogebäude, die alte Presserei, die neue Halle für Logistik und Versand, der Mischraum und die Dreherei sind vollständig intakt. Die Geschäftsführer hoffen, dass sie noch in dieser Woche zumindest in der Dreherei wieder die Arbeit aufnehmen können. Dort stehen nämlich auch viele Produktionsmaschinen, die zwar etwas rußig und verdreckt sind, aber noch funktionieren. „Die müssen ordentlich gereinigt werden, dann kann es weitergehen“, sagt Gerrit Beck.

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Wefapress-Hallen liegen in Trümmern

Am Montagmorgen war die Kriminalpolizei vor Ort, um die Brandursache zu ermitteln. Ergebnisse gibt es noch nicht. Die Geschäftsführer haben Krisenteams gegründet, die sich um verschiedene Baustellen kümmern. „Das Team Produktion schaut, was wir tun müssen, um möglichst schnell wieder loslegen zu können. Das Team Versorgung kümmert sich darum, dass wir wieder Strom und Wasser bekommen“, sagt Lutz Beck.

Keiner der 135 Mitarbeiter verliert seinen Job

Die Kollegen aus dem Vertrieb machen erst einmal Homeoffice und führen Gespräche mit den Kunden. „Die haben sich am Wochenende massenhaft gemeldet und ihr Bedauern ausgedrückt“, sagt Gerrit Beck. Um die Kunden weiterhin bedienen zu können, sei nun Einfallsreichtum gefragt.

Für die 135 Mitarbeiter haben die Geschäftsführer gute Nachrichten: „Es wird niemand gekündigt.“ Sie werden vielleicht in den nächsten Wochen und Monaten nicht so viel Arbeit wie sonst haben und vielleicht auch mal andere Aufgaben übernehmen müssen, aber für zwei Jahre sei ihr Lohn gesichert. Die Versicherung zahle für alle Mitarbeiter zwei Jahre lang den vollen Lohn, so Gerrit Beck.

Wenn der Schutt erst einmal weggeräumt ist, soll möglichst schnell mit dem Neubau begonnen werden. „Unser Ziel ist es, dass wir im Dezember 2023 sagen können: Wir sind wieder da und wir sind moderner als je zuvor“, sagt Gerrit Beck.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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