Die Flamingos machen sich nun auf den Weg in ihr Winterquartier in den Niederlanden. © Hubert Stroetmann
Zwillbrocker Venn

Wer jetzt noch Flamingos beobachten möchte, muss sich beeilen

Die Flamingos verlassen das Zwillbrocker Venn. Noch sind allerdings ein paar Jungtiere vor Ort. Auch wenn es dieses Jahr einen guten Bruterfolg gab: Das Wasser-Problem bleibt.

Die Blätter färben sich bunt, die Temperaturen sinken und die Flamingos sind immer seltener im Zwillbrocker Venn zu sehen. Das sind die typischen Anzeichen, dass es Herbst wird in Vreden. „Ein paar vereinzelte Flamingos sind noch da, aber die klassische Zeit für die Flamingo-Beobachtung ist vorbei“, sagt Dr. Dietmar Ikemeyer, Leiter der Biologischen Station Zwillbrock.

Denn zurzeit sind meist nur die grauen Jungvögel im Venn zu sehen. Das sind die Tiere, die in diesem Jahr im Venn geschlüpft sind. Erst im kommenden Jahr bekommen sie das klassische rosafarbene Gefieder. „Gelegentlich kommt noch ein Altvogel vorbei zum Füttern, aber das ist sehr unregelmäßig“, sagt Dietmar Ikemeyer.

Wer also noch einen pinken Flamingo sehen möchte, muss zu dieser Jahreszeit sehr viel Glück haben. Auch die Jungvögel werden nun nach und nach das Venn verlassen. „Das kann in ein paar Wochen oder auch schon morgen sein“, meint der Experte.

13 von 16 jungen Flamingos haben überlebt

16 junge Flamingos wurden in diesem Jahr im Zwillbrocker Venn beringt. Das heißt, sie haben zwei Ringe an den Beinen, sodass sie bei Sichtungen in allen Teilen der Welt dem Venn zugeordnet werden können. „Die Hälfte von den in diesem Jahr geschlüpften Vögeln wurde bereits in Holland gesichtet“, erzählt Dietmar Ikemeyer.

Die Flamingo-Küken haben im Juli zwei Ringe bekommen, sodass man nun weiß, dass sich ein Teil des Nachwuchses bereits in den Niederlanden aufhält.
Die Flamingo-Küken haben im Juli zwei Ringe bekommen, sodass man nun weiß, dass sich ein Teil des Nachwuchses bereits in den Niederlanden aufhält. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Denn die kühleren Monate verbringt die Kolonie in den Niederlanden. Im Spätsommer und Herbst sind sie häufig an den IJsselufern, im Veluwemeer und an der „Steilen Bank“, einer Sandbank an der Küste des IJsselmeeres, zu sehen. Im Winter ziehen sie dann weiter in südwestliche Richtung. In den vergangenen Jahren haben die Tiere meist in der Nähe des Wassersporthafens „Battenoord“ am Grevelingenmeer überwintert.

Die Flamingos, die im Juli noch sehr klein waren, haben leider nicht überlebt.
Die Flamingos, die im Juli noch sehr klein waren, haben leider nicht überlebt. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Von den 16 Flamingoküken sind allerdings nur 13 erwachsen geworden. „Die ganz Kleinen haben nicht überlebt, das kommt leider immer mal wieder vor“, sagt Dietmar Ikemeyer. Doch ein großes Fuchs-Problem wie in den vergangenen zwei Jahren konnten die Mitarbeiter der Biologischen Station in diesem Jahr nicht beobachten.

Neuer Zaun und Wasser schützen die Baby-Flamingos

Das liegt vermutlich zum einen an dem neuen Zaun, der seit diesem Jahr die Insel schützt. Zum anderen war der See in diesem Sommer nicht ausgetrocknet, wie das 2019 und 2020 über mehrere Wochen der Fall war. Das Wasser hat verhindert, dass Bruträuber auf die Insel gelangen konnten, auf der die Nester gebaut wurden.

Doch nur weil es in diesem Jahr mal wieder ausreichend geregnet hat, hat sich das Problem nicht von selbst gelöst. Dietmar Ikemeyer geht davon aus, dass es natürlich weiterhin zu trockenen Jahren kommen wird.

Deswegen läuft der Prozess, der im vergangenen Jahr angestoßen wurde, auch wie geplant weiter. Zurzeit wird ein hydrogeologisches Gutachten erstellt. Die Experten untersuchen, wo der See im Untergrund Wasser verliert. Mit diesen Erkenntnissen wollen die Beteiligten dann über konkrete Maßnahmen diskutieren.

Lösung für das Wasser-Problem wird sehr kompliziert

„Das ist wahnsinnig kompliziert alles und wird auch kompliziert bleiben. Schließlich wurde so etwas, was wir dann planen, noch nie irgendwo gemacht“, sagt Dietmar Ikemeyer.

Die Gänse tummeln sich im Zwillbrocker Venn – und auch ein Reh steht dort mittendrin im See, der nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Auswege aus der Trockenheit soll jetzt ein Gutachten aufzeigen, das die Biologische Station in Auftrag geben wird.
Die Gänse tummeln sich im Zwillbrocker Venn – und auch ein Reh steht dort mittendrin im See, der nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Auswege aus der Trockenheit soll jetzt ein Gutachten aufzeigen, das die Biologische Station in Auftrag geben wird. © Hubert Stroetmann © Hubert Stroetmann

Die ursprüngliche Idee, einfach den See tiefer zu buddeln und so auf Grundwasser zu stoßen, hatte sich 2020 als falsch herausgestellt. Damals war ein Graben um die Insel angelegt worden, der dauerhaft Wasser führen sollte, weil er tiefer liegt. Doch auch dieser Graben war komplett ausgetrocknet.

Die Lösung wird also wohl deutlich komplexer ausfallen. Noch weiß niemand, wie genau das aussehen wird. Dietmar Ikemeyer rechnet damit, dass das Gutachten im kommenden Jahr vorliegt und dann die Überlegungen beginnen können.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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