Unternehmer des Jahres mit Video

Wessels-Brüder aus Vreden bekommen Preis als Unternehmer des Jahres

Peter und Georg Wessels aus Vreden wurden als Unternehmer des Jahres 2020 ausgezeichnet. Wegen der Corona-Pandemie konnte die Preisverleihung erst jetzt stattfinden.
Die Vredener Urgesteine Peter (l.) und Georg Wessels sind als Unternehmer des Jahres 2020 ausgezeichnet worden. © Stephan Rape

Familienunternehmen sind ein Aushängeschild des Westmünsterlandes. Dieses Motto zog sich durch die Preisverleihung zum „Unternehmer des Jahres“.

Die Münsterland Zeitung und die Sparkasse Westmünsterland haben diesen Preis am Freitag in einer Doppelveranstaltung auf dem Tobit-Campus in Ahaus verliehen.

Ausgezeichnet für das Jahr 2019 wurden die Ahauser Geschwister Dr. Michael Pietsch und Dr. Stefanie Schmickler. Wegen der Corona-Pandemie konnte der Preis erst jetzt übergeben werden. Die Auszeichnung für das Jahr 2020 erhielten die Vredener Brüder Georg und Peter Wessels.

In der Doppelveranstaltung haben sowohl Michael Pietsch und Stefanie Schmickler als auch Georg und Peter Wessels die Auszeichnung
In der Doppelveranstaltung haben sowohl Michael Pietsch und Stefanie Schmickler als auch Georg und Peter Wessels die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres“ erhalten. © Stephan Rape © Stephan Rape

Alle vier Preisträger stehen für Zusammenhalt, Familien-Traditionen und Vertrauen. „Familienunternehmen lassen sich von einer Pandemie nicht aus der Bahn werfen. Familienunternehmen stehen immer wieder auf“, leitete Christoph Winck, Verlagsleiter der Münsterland Zeitung, die Preisverleihung ein.

Stefanie Schmickler hat sich gerne was eigenes aufgebaut

Jürgen Büngeler, Vorstand der Sparkasse Westmünsterland, und Dr. Marcel Megerle vom Family Office der Frankfurter Bankgesellschaft, schauten im Anschluss zurück auf die großen Revolutionen im Bereich der Familienunternehmen.

Ein Beispiel: der Umgang mit den Töchtern. Früher sei es Usus gewesen, dass die Mädchen zwar im eigenen Unternehmen die Ausbildung machen, dann aber spätestens mit Erreichen des 25. oder 27. Lebensjahres planmäßig ausscheiden. „Durch die Auszahlung eines Buchwertes konnte man sich dann noch die Aussteuer sparen“, sagte Jürgen Büngeler.

Heute sei das zum Glück anders. Durch Einbindung der Töchter gewinnen die Unternehmen mehr Spielraum. Bei Stefanie Schmickler war das aber noch nicht der Fall, wie sie in ihrer Dankesrede nach Übergabe des Preises erzählte. Sie habe noch den Buchwert ausgezahlt bekommen.

Die Preisverleihung fand im Atrium auf dem Tobit-Campus statt.
Die Preisverleihung fand im Atrium auf dem Tobit-Campus statt. © Stephan Rape © Stephan Rape

„150.000 Mark waren das damals. Das war ein super Startkapital, um sich selber etwas aufzubauen. Es macht doch viel mehr Spaß, selber das Geld zu verdienen“, sagte sie. Sie ist die Geschäftsführerin des Augen-Zentrums-Nordwest und freute sich vor allem, dass mit der Auszeichnung als „Unternehmerin des Jahres“ neben ihrer medizinischen Arbeit auch ihre Verdienste als Unternehmerin anerkannt wurden.

Es folgte ein Plädoyer dafür, Frauen in der Wirtschaft ernst zu nehmen und ihnen mehr Raum zu geben. „Ich bin mehr als die kleine Schwester von Michael Pietsch. Über den habe ich ja immer gesagt: Born to be boss“, witzelte sie. Ihr Bruder Michael Pietsch hat das Familienunternehmen in dritter Generation übernommen.

Michael Pietsch dankt Mitarbeitern und Familie

Die Pietsch Gruppe ist einer der führenden Großhändler für die Bereiche Sanitär, Heizung, Umwelt, Klima und Lüftung. 1300 Mitarbeiter an 87 Standorten. „So ein Unternehmen kann man nicht alleine aufbauen und auch nicht führen“, sagte Michael Pietsch in seiner Dankesrede. Das funktioniere nur mit guten Mitarbeitern und einer Familie im Hintergrund.

Jürgen Büngeler und Dr. Marcel Megerle stellten in ihrem Ritt durch die Geschichte der Familienunternehmen genau das in den Mittelpunkt. Eine weitere Revolution, die sie erläuterten, war die Kronprinzen-Regelung. Ganz normal war es früher, dass der älteste Sohn die Firma übernommen hat, ob er wollte oder nicht. „Doch das ist oft gescheitert. Entweder war der Nachfolger gar nicht fähig dazu oder die Geschwister nicht einverstanden“, sagte Jürgen Büngeler.

Wessels-Brüder widmen sich einem Herzensthema

Eine Kronprinzen-Regelung war auch im Familienunternehmen Wessels geplant. Doch Peter Wessels wollte zwar Schuhmacher werden, auf den Verkauf im Schuhladen hatte er aber nicht so wirklich Lust. So kam sein Bruder Georg Wessels ins Boot, der diesen Part übernahm.

Dieser hielt eine emotionale Rede, in der er weniger über sein Unternehmen und mehr über sein Herzensthema redete. „Die Riesen sind Gefangene im eigenen Körper“, sagte er. Das Schuhhaus Wessels stattet kostenlos die größten Menschen der Welt mit Schuhen aus. Daraus seien viele Freundschaften entstanden. „Die meisten nennen mich Papa“, sagte er und seine Augen füllten sich mit Tränen.

Dr. Michael Pietsch und seine Schwester Dr. Stefanie Schmickler wurden als Unternehmer des Jahres 2019 ausgezeichnet.
Dr. Michael Pietsch und seine Schwester Dr. Stefanie Schmickler wurden als Unternehmer des Jahres 2019 ausgezeichnet. © Stephan Rape © Stephan Rape

Im Schuhgeschäft in Vreden verkauft das Unternehmen ebenfalls nur Schuhe in Übergröße. Einer der Kunden ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das offenbarte dieser in seiner Laudatio, die er aus Termingründen als Videobotschaft schickte. Er lobte die Maßanfertigungen von Wessels und ergänzte: „Eine davon trage ich übrigens gerade.“ Für das Westmünsterland sei das Unternehmen ein Aushängeschild.

Laudatio kommt von Gesundheitsminister Jens Spahn

Auch zu den Unternehmen von Michael Pietsch und Stefanie Schmickler hat Jens Spahn eine Verbindung. Sein Vater hat bei Pietsch lange als Prokurist gearbeitet, im Augen-Zentrum Nordwest „saß ich selber schon häufig auf dem Behandlungsstuhl“. Die Preisträger seien richtig ausgewählt, meinte der Bundesminister. „Sie haben das Ganze im Blick.“

Lambert Lensing-Wolff, Herausgeber Lensing Media, lobte die Leistungen der vier geehrten Unternehmer.
Lambert Lensing-Wolff, Herausgeber Lensing Media, lobte die Leistungen der vier geehrten Unternehmer. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auch Lambert Lensing-Wolff, Herausgeber von Lensing Media, lobte die Unternehmer. „Sie alle haben Herausragendes geleistet. Sie haben mutige und mit größtem Risiko behaftete Entscheidungen getroffen“, meinte er.

Er selber steht in vierter Generation an der Spitze eines Familienunternehmens und teilte mit den Zuschauern eine Weisheit, die er vor Langem gehört, aber erst vor Kurzem richtig verstanden habe: Vertrauen ist alles. „Vertrauen ist die zentrale Komponente des Familienunternehmens“, meinte er.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.