Wie Weihnachten früher gefeiert wurde

Fritz Volmer erzählt

Fritz Volmer kann gut erzählen. Jedes Jahr hören ihm die Besucher der "Moosäten"-Abende des Heimatvereins aufmerksam und erfreut zu, wenn er - auf Plattdeutsch - Lustiges und Besinnliches zum Besten gibt. Die Bitte unserer Redaktion, darüber zu berichten, wie er früher Weihnachten erlebt hat, erfüllte der 79-jährige Vredener gern.

VREDEN

, 24.12.2016, 10:51 Uhr / Lesedauer: 3 min
Fritz Volmer hat noch alte Bücher aus Kindertagen entdeckt, diebis heute erhalten geblieben sind.

Fritz Volmer hat noch alte Bücher aus Kindertagen entdeckt, diebis heute erhalten geblieben sind.

Fritz Volmer schaut zurück: "Früher, im Krieg, war Weihnachten ein bescheidenes Fest. Bis zum Jahr 1945 waren wir vier Jungen mit unserer Mutter allein. Vater war im Krieg, in Holland, Belgien, Frankreich, Afrika, Italien und in Gefangenschaft. Wir hatten einen Weihnachtsbaum. Wenn ich mich richtig erinnere, besorgte den Onkel Clemens vom Hof, dem Elternhaus unseres Vaters. Der Baum war mit bunten Silberkugeln geschmückt. Auf der Spitze saß ein kleines Vögelchen aus Glas. Zum Schmuck gehörten auch Lametta und Engelhaar, glitzernde Fäden. Aus Streichholzschachteln haben wir kleine Körbchen gebastelt und - mit Kleinigkeiten gefüllt - aufgehängt.

Nützliche Sachen wurden geschenkt

Wir Kinder durften Wunschzettel schreiben und dem Christkind abends auf die Fensterbank legen. Am Heiligen Abend mussten wir lange auf das Christkind warten. Mutter half ihm. Wenn ein Glöckchen drei mal geklingelt hatte, war es soweit. Wir stürmten ins Zimmer, zum Weihnachtsteller. Viele Wünsche gingen nicht in Erfüllung. Es gab nützliche Sachen. Schafswollene Socken und Pullover und lange Strümpfe. Wir trugen Leibchen mit Strumpfbändern, die die Strümpfe hielten. Die Sachen trugen wir nicht gern, denn die Schafswolle kratzte sehr. Aber sie wärmte.

Viele Lebensmittel gehamstert

Plätzchen backte Mutter auch und wir durften helfen. Die Zutaten bekam sie nach Feierabend vom Nachbarn, der hatte ein Lebensmittelgeschäft. Einmal hätte es fast nichts gegeben. Wir hatten eine Tante von Mutter bei uns aufgenommen, die hamsterte viel und backte Brot und Kuchen in unserem Gasherd. Gas wurde damals zugeteilt. So war zu viel verbraucht worden und der Gasmann hatte für eine Woche das Gas gesperrt. Haselnüsse, die wir selbst gesucht hatten und Walnüsse gab es auch. Einmal habe ich mit meinem älteren Bruder gestritten. Er hatte mehr Nüsse. Mutter hatte nicht genau gezählt.

Auch an bleibende Geschenke kann ich mich erinnern. ,Ein Bilderbuch vom lieben Gott’, das war in Sütterlin geschrieben und schön bebildert. Ein anderes Buch hieß ,Eine Rehmutter und ihr Kind’. Wir hatten auch einen Adventskalender mit vielen Bastelanleitungen. Die NSDAP hatte ihn herausgegeben. Gott sei Dank gestaltete unsere Mutter mit uns eine christliche Vorweihnachtszeit. Aber am schönsten fanden wir im Adventskalender die Geschichte ,Weihnachten im Wald’. In einem Jahr haben wir Jungen uns eine Puppe gewünscht. Und wir bekamen ,unsere Maria’ mit Puppenbettchen. Das war das Puppenbettchen unserer Mutter und ist heute über hundert Jahre alt.

Lebensmittel wie einen Schatz gehütet

Weihnachten 1945: Vater war zum ersten Mal dabei. Wir lebten auf dem Bauernhof unserer Oma. Die hatten nur einen grünen Weihnachtsbaum. Damals gab es die selbst gestrickten Sachen. War nicht genügend Schafswolle da, dann wurden auch alte Pullover und Röcke aufgeriffelt und zu neuen Sachen verarbeitet. Einmal habe ich einen Mantel aus Vaters verschlissenem Soldatenmantel bekommen.

Beim Weihnachtsfest auf dem Bauernhof bekamen wir mehr Plätzchen, Nüsse und Äpfel. Doch jeder musste seinen ,Schatz’ hüten. 14 Personen lebten in der großen Bauernküche. Wir hatten ein kleines Schlafzimmer, mit einem Ehebett. In dem schliefen unsere Mutter und wir vier Kinder. In alten Kochtöpfen haben wir unsere Esssachen vor den anderen und den Mäusen versteckt. Nach dem Krieg habe ich mir einmal einen Wellensittich gewünscht und bekommen. Er saß in einem alten Käfig, der mit Goldbronze gestrichen war. Das war schlimm, denn nach drei Tagen war der Wellensittich tot.

25 Nordmanntannen im Garten

Da fällt mir noch ein: Nach dem Krieg haben wir eine Holzeisenbahn ohne Schienen und einen Stabilbaukasten bekommen. Solche Geschenke waren für alle vier Jungen gemeinsam. Im vorigen Jahr fragte unsere Enkelin Hermine: ,Opa, wenn du mal nicht mehr da bist, wo kriegen wir dann einen Weihnachtsbaum her?’ Wir haben eine Lösung gefunden. 25 Nordmanntannen haben wir im Garten gepflanzt."

  • Fritz Volmer wuchs in Ahaus auf. Heute freut er sich mit seiner Frau, seinen drei Kindern, Schwiegerkindern und vier Enkeln auf Weihnachten. An Heiligabend gehen sie in den eigenen Wald und holen einen Weihnachtsbaum, eine Nordmanntanne. 

 

 

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