Wittek gibt Einblick in seine Werk-Praxis

19.09.2007, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vreden Künstlerisch Interessierte folgten jetzt dem Vredener Künstler Walter Wittek bei dem Rundgang durch seine Ausstellung "Vredener Werk" im Berkelkraftwerk. Spannende Gespräche ergaben sich dabei zwischen dem Künstler und seinem Publikum.

Doch erst einmal plauderte der Künstler selbst aus dem "Nähkästchen" seiner Anfänge und seiner praktischen Erfahrung mit dem Werkstoff Stahl. Noch heute ist sein biografischer Rückblick von gewissem Staunen geprägt, da er auf Anhieb als gelernter Stahlgraveur 1962 an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg angenommen wurde.

"Virus Kunst"

Infiziert vom "Virus Kunst", beschloss er schon im zweiten Semester, nicht mehr ins Handwerk zurückzukehren. Vorlesungen beim Kunsthistoriker Franz Winzinger brachten ihn mit dem Phänomen des Omphalos im antiken Delphi zusammen.

1968 nach dem Ende des Studiums entstand in Düsseldorf sein erster "Omphalos". "Dieser Anschub reicht bis heute. Ich finde das Thema immer noch nicht langweilig", gestand er dem Publikum. Durch die Firma Niessing kam er 1979 nach Vreden.

Höchst interessiert zeigte sich das Publikum an den Erläuterungen zur Entstehung. Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung einer Skulptur vergehen oft fünf Jahre. Pro Jahr habe er 30 bis 40 neue Ideen, deren "Porträt" er auf Zeichnungen fixiert. Mit seiner Frau Gerlinde entscheidet er sich "in heftigen Debatten" für die Realisierung weniger Skulpturen.

In der Firma Saueressig werden die Skulpturen aus Rohlingen an der CNC-Maschine gedreht, bevor er mit der Feile pure Handarbeit leistet. Ohne die Hilfe der Mitarbeiter ginge dies nicht, lobte Wittek die anwesenden Helfer. Jeder Omphalos ist leicht bauchig. Die Brandbilder sehen leichter aus, als sie sind, denn dafür entwickelte er spezielle Binder, sonst würde die Farbe auf den präparierten Holzplatten wegbrennen durch die Abdrücke glühender Metallteile.

Der nächtliche Besuch in der ehemaligen Stiftskirche St.Felicitas zeigte Wittek als einen Bildhauer, der seine Kunst bewusst in den Kontext der Architektur stellt.

Blickachsen

"Gaia" steht in der Achse des Hochaltars, spiegelt die Spitzbögen der gotischen Fenster wieder und verlängert den Kreuzesbalken in der Kreuzigung im Hungertuch, je nach Blickachse auf die Skulptur. Nur der Schlussstein passte nicht in das Achsendenken, verriet Wittek, da der Schaukasten um das Hungertuch nicht in der Mittelachse des Joches stand. emk

Ausstellung im Berkelkraftwerk noch bis 28. Oktober. Öffnungszeiten So 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. (0 25 64) 46 83 oder 46 00.

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