Für das leerstehende Ladenlokal an der Burgstraße 5 sieht die Verwaltung keine Perspektive als Einzelhandelsfläche. © Markus Gehring
Förderprogramm

Wohnungen statt leerer Ladenlokale: So will die Stadt Vreden es anpacken

Trotz großer Anstrengungen gibt es immer noch Leerstände in der Innenstadt von Vreden. Die Kommune will Immobilienbesitzer jetzt dabei unterstützen, einzelne Ladenlokale in Wohnungen umzuwandeln.

Vreden kann auf eine richtige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Das „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in NRW 2020“ hat sich für die Stadt ausgezahlt. Seit Jahresbeginn wurden mit Hilfe dieses Landesprogramms 22 in der Innenstadt bestehende Leerstände in aktive gewerbliche Nutzungen umgewandelt. Hierfür hat die Stadt Vreden Fördermittelzusagen in Höhe von mehr als 300.000 Euro erhalten.

Aber damit ist das Problem der Leerstände in Vreden noch lange nicht gelöst – dessen ist sich die Verwaltung bewusst. Am Mittwochabend präsentierte sie deswegen ein anderes Projekt, mit dem sie die Problematik aktiv angehen möchte: „Es soll jetzt darum gehen, Ladenlokale, die wohl auf Dauer keine Zukunft haben, umzunutzen in Wohnungen oder Ähnliches“, erklärte Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, dem Ausschuss für Wirtschaft und Digitales.

Zu viel Einzelhandelsfläche mit zu wenig Perspektive

Dabei haben die Verantwortlichen vor allem Ladenlokale in 1b-Lage im Auge, bei denen sie keine langfristige Perspektive sehen – etwa an der Twickler- oder an der Burgstraße. „Wir haben in Vreden die Situation, dass wir zu viel Einzelhandelsfläche haben, die nicht dauerhaft bespielt werden kann“, sagte Citymanager Jörg Lenhard.

Was läge da also näher, als das, von dem man zu viel hat, in das umzuwandeln, von dem man zu wenig hat? „Wir haben einen Flächenüberschuss in dieser Stadt“, warf Grünen-Ratsherr Daniel Leuders ein. Marlies Schönnebeck, sachkundige Bürgerin der CDU, ergänzte: „Es fehlen uns bezahlbare Wohnungen.“

Ein Förderprogramm des Landes NRW setzt genau an dieser Stelle an. Hierüber wird die Umwandlung von Immobilien gefördert, die als Einzelhandelsstandorte keine dauerhafte Perspektive haben. „Wir haben sechs Immobilien lokalisiert, von denen wir glauben, dass sie aufgrund der Größe und der Lage keine dauerhafte Perspektive haben“, so Jörg Lenhard weiter. Das Programm sei dafür da, diese Immobilien umzuwandeln oder vielmehr deren Besitzer zu motivieren und zu beraten, genau dies zu tun.

An der Wallstraße 7 beispielsweise gibt es Jörg Lenhard zufolge den konkreten Wunsch, die dortige Werkstatt in eine Wohnung umzunutzen. An der Twicklerstraße 3 denkt der Besitzer darüber nach, eine Arztpraxis oder Ähnliches unterzubringen. Nur an der Neustraße 3 steht, so die brandaktuelle Information im Ausschuss, eine Verlängerung des bestehenden Mietverhältnisses im Raum.

Nach einer vom Quartiersarchitekten für die sechs Objekte durchgeführten Kostenschätzung für den Umbau kann eine Förderung in Höhe von 25 Prozent gewährt werden, heißt es in der entsprechenden Beschlussvorlage. Das wären rund 142.000 Euro für den Zeitraum 2022 bis 2026. Hiervon würden 40 Prozent über die Städtebauförderung des Landes laufen, den Rest müsste die Stadt Vreden aufbringen.

„Gut angelegtes Geld“

Das sorgte dann auch für Kritik von Kasper Neuendorf (FDP), der die Initiative zwar grundsätzlich begrüßte: „Ob dafür kommunales Geld nötig ist, ist fraglich. Die Förderung von 25 Prozent sehen wir skeptisch.“ Bürgermeister Tom Tenostendarp (CDU) versuchte die Bedenken zu zerstreuen: „Klar, man kann es kritisch sehen, öffentliches Geld an Private zu geben.“ Aber mit dem ersten Programm sei die Stadt „sehr erfolgreich“ gewesen. „Auch das andere Programm sollten wir in Erwägung ziehen.“

Das sahen auch die übrigen Ausschussmitglieder so. „Es ist genau richtig, das jetzt so zu machen“, meinte Ratsfrau Brigitte Niehuis (CDU). „Wenn wir jetzt durch die 1b-Lagen gehen und da leere Schaufenster sehen, ist das sinnvoll angelegtes Geld.“ Am Ende beschloss der Ausschuss mit überwältigender Mehrheit. Nur Kasper Neuendorf (FDP) stimmte dagegen.

Der Rat wird sich in seiner Sitzung am kommenden Dienstag mit dem Thema beschäftigen.

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