Zeitzeugen aus Papier

100 Jahre altes Notgeld

Im Arbeitszimmer des Vredener Numismatikers Gerd Garwer lagern, säuberlich abgeheftet, Banknoten aus aller Welt und verschiedenen Epochen. Unter anderem bewahrt er in seinem umfassenden Archiv auch den schmucken Schein auf, der heute einen runden Geburtstag feiert. In einem anderen Ordner hat er heimische Notgeldscheine katalogisiert. Denn auch die Stadt Vreden gab 1917 eigenes „Geld“ heraus.

VREDEN

, 01.08.2017, 05:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einen Schein im Wert 50 Pfennigen mit dem Stadtwappen und dem aufgedruckten Versprechen, dass "die Sparkasse dem Einlieferer dieses Geldscheins" den genannten Betrag auszahle, zeigt Numismatiker Gerd Garwer hier.

Einen Schein im Wert 50 Pfennigen mit dem Stadtwappen und dem aufgedruckten Versprechen, dass "die Sparkasse dem Einlieferer dieses Geldscheins" den genannten Betrag auszahle, zeigt Numismatiker Gerd Garwer hier.

Das Mädchen mit den Blumen und Kornähren im Haar lächelt unerschütterlich, gegen den Krieg und die drohende Inflation. Am 1. August 1917 erblickte die unbekannte Schöne offiziell das Licht der Welt – um sogleich in vielen Brieftaschen zu verschwinden. Auf den Tag genau 100 Jahre ist es her, dass die Reichsschuldenverwaltung in Berlin den Fünf-Mark-Darlehenskassenschein herausgebracht hat.

Zu den alten Zahlungsmitteln aus Vreden zählen Scheine im Wert von 25 und 50 Pfennigen mit dem Stadtwappen und dem aufgedruckten Versprechen, dass „die Sparkasse dem Einlieferer dieses Geldscheins“ den genannten Betrag auszahle. Garantiert durch die Unterschrift des damaligen Bürgermeisters Franz Gorissen.

Münzen alle einkassiert

Doch warum wurden selbst so kleine Beträge damals auf Papier gedruckt? Der Experte erklärt: „Die Münzen wurden damals alle einkassiert, weil das Metall für den Krieg gebraucht wurde“. Münzen wurden eingeschmolzen und zu Kriegsgerät weiterverarbeitet. In Garwers Besitz sind verschiedene Auflagen des Vredener Notgeldes in gelb, braun und grün. „Damit konnte man einkaufen gehen“, sagt der 70-Jährige und holt einen der kleinen Scheine aus seinem Etui. Die meisten haben als Verkehrsausgaben eine rote Seriennummer. Wie viele genau damals gedruckt wurden, kann der Münzsammler nur schätzen. „Das müssen aber ein paar Tausend gewesen sein, sonst hätte sich das nicht gelohnt“, ist sich Gerd Garwer sicher.

Prototyp in der Sammlung

In seiner Kollektion findet sich auch eine kleine Besonderheit: Der Prototyp eines 25-Pfennig-Scheins ohne laufende Nummer, dafür aber mit einem ausgestochenen Sternchen. „Als diese Scheine rausgekommen sind, hatte man alles noch ein bisschen im Griff“, erklärt er. Je schneller sich jedoch die Inflationsspirale drehte, desto weniger wurde das Geld wert. Am 17. März 1924 wurden alle deutschen Darlehenskassen aufgelöst. „Die Darlehenskassenscheine waren da durch die Inflation schon nichts mehr wert“, zuckt Gerd Garwer die Schultern. Dem lächelnden Mädchen mit dem Erntekranz im Haar sieht man ihre 100 Jahre nicht an. Auch wenn die Note heute nichts mehr wert ist, als papierner Zeitzeuge ist sie unschätzbar.

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