Zeugin kann Angeklagten nicht belasten

Baseballschläger-Attacke

Mit einer beherzten Rede gegen die Traditionen seiner Roma-Familie hat sich der wegen Totschlags angeklagte Familienvater aus Vreden gestern vor dem Schwurgericht Münster zu Wort gemeldet.

VREDEN/MÜNSTER

von Von Martin von Braunschweig

, 16.10.2013, 16:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Ich will von diesen ganzen Geschichten überhaupt nichts wissen", sagte der 30-Jährige den Richtern. Als seine Eltern ihm vor Jahren eine Frau zum Heiraten ausgesucht hätten, habe er geantwortet: "Die könnt Ihr für Euch alleine haben. Ich will einmal die Frau heiraten, in die ich mich wirklich verliebe." Genau das habe er schließlich auch getan - und sich damit nicht nur den Stress seiner, sondern auch den Ärger der Familie der Frau zugezogen. "Doch das", sagte der Angeklagte, "ist mir egal. Ich bin mit neun Jahren nach Deutschland gekommen und habe mich jetzt hier nach deutschem Recht eingelebt. Alles andere ist für mich nichts als Schwachsinn."Die Staatsanwaltschaft hat den Vredener angeklagt, weil er bei einer blutigen Auseinandersetzung zwischen den beiden untereinander verfeindeten Roma-Sippen vor seinem Haus einen Angreifer lebensgefährlich verletzt haben soll. Laut Anklage schlug der 30-Jährige an jenem 16. Mai mit einem Baseballschläger zu und brach dem Kontrahenten damit den Schädel. Das Opfer erlitt schwere Hirnblutungen und lag sogar einige Zeit in einer Spezialklinik im Koma.Bruder belastet Der Angeklagte bringt als Täter dagegen einen seiner Brüder ins Spiel - eine Aussage, an der bisher auch noch keiner der vielen Augenzeugen rütteln konnte. Auch gestern befragte das Schwurgericht wieder eine Nachbarin des Vredeners. Die 18-Jährige hatte die Auseinandersetzung vor dem Haus zwar relativ genau beobachtet. Auf die Frage, ob der Mann mit dem Schlagstock in der Hand zweifelsfrei der Angeklagte gewesen sei, antwortete sie jedoch: "Nein, das kann ich nicht sagen." Die Zeugin lieferte stattdessen einen weiteren Anhaltspunkt für die gelungene Integration des Roma-Familienvaters. "Als der Spuk vorbei war, lagen vor der Haustür viele Splitter. Die ganzen Gartenzwerge, die vor dem Haus gestanden hatten, waren kaputt geschlagen worden", sagte sie.  

  • Der Prozess wird fortgesetzt

 

 

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