Zwei Vredener Jugendliche bearbeiten 18-Jährigen mit Schlägen und Tritten

mlzAmtsgericht Ahaus

Auf dem Rückweg von einer Geburtstagsparty in der Vredener Bauerschaft Großemast kam es zu einem Zwischenfall, bei dem ein 18-Jähriger mehrere Schläge und Tritte erlitt.

Vreden

, 12.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Vredener Bauerschaft Großemast kam es im Oktober 2019 im Anschluss an eine Geburtstagsparty zu einem Zwischenfall, bei dem ein heute 18-Jähriger ohne ersichtlichen Grund Verletzungen an Gesicht, Hüfte und Rücken erlitt. Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung mussten sich daher am Montag ein 15-jähriger und 18-jähriger Vredener verantworten.

Vorgeworfen wurde ihnen konkret, den 18-Jährigen auf dem Rückweg der Party gegen 4 Uhr nachts von seinem Fahrrad geholt und anschließend mit Schlägen und Tritten bearbeitet zu haben. Das Opfer warf den Beiden bei seiner Vernehmung außerdem vor, seine Jacke angezündet zu haben. Über die Gründe für die Tat gab auch die Verhandlung keinen Aufschluss.

Angeklagten gestehen die Tat

Die beiden Angeklagten ließen vor Gericht jeweils ihre Verteidiger für sich sprechen. „Mein Mandant gibt die Tat zu. Sie waren alle gemeinsam auf der Party, es wurde sehr viel getrunken. Deshalb weiß mein Mandant nur, dass etwas vorgefallen ist, aber er erinnert sich nicht an Details. Er hat aber jemanden geschlagen“, so die Verteidigung des 18-Jährigen.

Auch die Anwältin des 15-Jährigen erklärte: „Er hat keine Erinnerungen mehr. Es gab aber wohl eine Rangelei. Am nächsten Tag hatte mein Mandant Schmerzen an Hüfte und Ellenbogen. Was genau passierte, entzieht sich seiner Kenntnis.“ Es seien zahlreiche Trinkspiele wie zum Beispiel Beer-Pong gespielt worden. Die Verteidigung betonte allerdings mehrfach, dass sich die beiden Jugendlichen im Anschluss an den Vorfall sehr reumütig gezeigt hätten.

Jetzt lesen

„Sie haben sich direkt danach persönlich entschuldigt und später sogar noch einmal Schokolade vorbei gebracht. Es tut ihnen wirklich sehr leid“, erklärte der Verteidiger des 18-Jährigen für beide Angeklagte. Seine Kollegin erklärte für ihren Mandanten: „Er leidet seitdem sehr, hat seine Ausbildung abgebrochen und will das Haus nicht verlassen.“

18-Jähriger belastet die beiden Angeklagten schwer

Dass es sich bei dem Vorfall um keine Lappalie handelte, zeigte sich bei der Vernehmung des Opfers. Denn der 18-Jährige konnte sich – anders als die beiden Angeklagten – sehr gut an die Oktober-Nacht erinnern: „Ich war auf der Party und plötzlich war meine Jacke weg. Als ich nach Hause fuhr, habe ich einen komischen Geruch wahrgenommen und gesehen, dass ein paar Jungs an der Hauptstraße meine Jacke ankokelten. Dann trat einer von ihnen gegen mein Hinterrad und ich fiel vom Fahrrad.“

Anschließend sei es zu einem Handgemenge gekommen, bei dem er viel einstecken musste. „Ich habe überall was abbekommen. Bei der Rangelei habe ich auch meinen Schuh und mein Handy verloren“, so der 18-Jährige. Noch in derselben Nacht sei er ins Krankenhaus gefahren. Außerdem habe er zwei Wochen starke Schmerzen gehabt. Einen Auslöser für den Streit gab es offenbar nicht. „Ich habe sie vorher auf der Party gar nicht gesehen.“

Richter und Staatsanwaltschaft zeigen sich gnädig

Richter und Staatsanwaltschaft zeigten sich am Montag allerdings mit Blick auf den parallel laufenden Zivilprozess gnädig. „Wenn die beiden jeweils 40 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten, ist für mich das Thema erledigt“, erklärte der Staatsanwalt. „Es sollte den beiden auf jeden Fall eine Lehre sein.“

Der Richter stimmte zu und nutzte die Gelegenheit noch für einen Appell an den 15-Jährigen: „Ich will die Tat nicht verharmlosen, aber so etwas kann vorkommen. Es gibt keinen Grund, nun den Kopf in den Sand zu stecken und seine Ausbildung abzubrechen.“ Und auch der Staatsanwalt versuchte es über den pädagogischen Ansatz: „Fehler passieren, gerade bei Jugendlichen.“

Lesen Sie jetzt