Yassine Najih kann gute Neuigkeiten verkünden. © David Döring
Meinung

Es ist höchste Zeit, dass sich die Stockumer Vereinsspitze hinterfragt

Dass der SV Stockum schon nach vier Spielen ohne Trainer dasteht, ist das Ergebnis einer Reihe von Fehlern. Die hat auch Jürgen Welp gemacht, der Großteil geht aber auf das Konto der Vereinsspitze.

Läuft es sportlich nicht rund, wird im Fußball meist der Trainer entlassen. Das ist so bei den Profis und auch im Amateur-Bereich trifft die Rolle des Sündenbocks regelmäßig den Mann an der Seitenlinie. Auch der A-Kreisligist SV Stockum handelte nach dem üblichen Muster und setzte Jürgen Welp nach nur vier Saisonspielen vor die Tür.

Nun ist es nicht unbedingt der ausbleibende sportliche Erfolg gewesen, der den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben hat. Vielmehr fehlte den Stockumer Verantwortlichen rund um Geschäftsführer Yassine Najih die Überzeugung, in Welp den richtigen Steuermann für das sinkende Schiff an der Boymerstraße zu haben. Dass allerdings nicht der Trainer, sondern eben Najih und Co. den SV hauptverantwortlich in diese desaströse Lage gebracht haben, scheint die Vereinsspitze zu übersehen.

Denn das Hauptproblem, mit dem sich Stockum seit Monaten herumschleppt, ist die knappe Personallage. Und die fällt nun mal in erster Linie nicht in den Verantwortungsbereich des Trainers. Um die Kaderplanung kümmerten sich Najih sowie sein Sportlicher Leiter Monim Bhihi.

Das Duo schien im Frühjahr und in der Vorbereitung der Saison gute Arbeit geleistet zu haben: Gerade die Verpflichtung der Kokollari-Brüder vom Lüner SV ließ die Stockumer Herzen höher schlagen. Außer zur Vertragsunterschrift Ende Mai ließen sich die beiden aber nie wieder an der Boymerstraße blicken – der Königstransfer war geplatzt.

Disziplinlosigkeit zieht sich durch den Stockumer Kader

Abgesehen davon hat Stockum in Dan Reisner, Onur Sancar, Pierre Bernholz, Polat Demiroglu und Mohammed Salhi fünf weitere Neuzugänge präsentiert. Charakterlich einwandfrei scheinen sie sich nicht alle gezeigt zu haben – Torhüter Andreas Betke bezeichnet das Verhalten und Auftreten einiger Spieler als „Frechheit“ und meint damit Neue und Etablierte gleichermaßen.

Yassine Najih hat recht, wenn er sagt, dass man den Menschen nur vor, aber nicht in den Kopf schauen könne. Dennoch ist auffällig, wie sehr sich die Disziplinlosigkeit durch den SV-Kader zieht.

Denn auf Training hat kaum ein Stockumer Spieler Lust. In der Woche vor dem Spiel gegen Eintracht Werne standen laut Jürgen Welp sage und schreibe drei Fußballer vor ihm. Klar, der Kader ist klein und auch das Verletzungspech zieht sich durch die letzten Wochen und Monate. Aber wie soll Welp die Motivation aufbringen, Zeit in die Spiel- und Trainingsvorbereitung zu investieren, wenn der Großteil seiner Mannschaft lieber was anderes macht?

Für die Ausfälle durch Verletzungen kann niemand etwas. Für die Zusammenstellung des Kaders, der ganz offensichtlich durchzogen ist von Kickern ohne Bindung zum Verein, aber schon. Und deshalb ist es allerhöchste Zeit, dass sich die Stockumer Spitze in ihrer Arbeit gründlich hinterfragt. Bleibt Selbstkritik weiterhin aus, müssen sich Najih und Co. nicht nur Gedanken über die sportliche Zukunft des SV Stockum machen, sondern auch über die eigene Glaubwürdigkeit.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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