Die Werner Springreiterin Kathrin Wacker und ihre Familie machen Gebrauch von einer bestimmten Versicherung für ihre Pferde. © Timo Janisch
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Luxusprodukt unter den Tierversicherungen: So sichern sich Reiter für den schlimmsten Fall ab

Für Reiter ist die Gesundheit des eigenes Pferd oder eines Beritttieres wohl das höchste Gut. Falls doch mal etwas Schlimmes passiert, kann es schnell teuer werden. Dafür gibt es jedoch Abhilfe.

Ein schwerer Unfall während des Reitausflugs, ein drastischer Zwischenfall beim Transport oder eine Erkrankung, bei der eine vollständige Genesung unmöglich ist – für die rund 2,9 Millionen Reiter in Deutschland gibt es wohl nichts Schlimmeres, als wenn ihren Tieren etwas passiert. Bevor es überhaupt zu solchen Situationen kommt, kann man sich aber schützen. Im Versicherungsdschungel gibt es dafür einige Möglichkeiten.

Eine Option ist dabei die Lebendtierversicherung, die sich an Pferdehalter richtet, die sich vor den finanziellen Folgen eines vorzeitigen Todes ihres Tieres absichern möchten. Hierbei handelt es sich immer um eine reine Risiko-Versicherung und um keine Sparanlage, da man die ausgezahlte Summe oft für die Anschaffung eines neuen Pferdes nutzt.

Kosten gedeckt durch Versicherung

Auch die Werner Springreiterin Kathrin Wacker und ihre Familie, die mehrere Pferde besitzen, haben sich vor einigen Jahren für diese Option entschieden. Damals hatte man ein Tier gekauft und die Versicherung einfach mit übernommen. Als es dann zu einem Zwischenfall mit dem Pferd gekommen ist und es nicht mehr reitbar war, wurde gezahlt. „Da haben wir doch gemerkt, dass es Sinn macht, eine solche Sache abzuschließen“, erklärt die 22-Jährige.

Seitdem werden auch Fohlen, die auf Wackers Hof geboren werden, mit einer bestimmten Summe in die bestehenden Verträge mit eingeschlossen. Wenn dann etwas passiert seien wenigstens ein bisschen die Kosten gedeckt. Die Summe, die der Besitzer schlussendlich bekommt, kann dem ganzen Wert des Pferdes entsprechen, muss es aber nicht. Denn Tiere zu 100 Prozent zu versichern, sei ziemlich teuer und kann manchmal tausende Euro kosten, erklärt Wacker.

Bestimmte Faktoren bestimmen die Prämie

Einen Durchschnittsbetrag für die Pferde-Lebendversicherung lässt sich nicht so leicht angeben, da die Prämie an bestimmten Faktoren festgemacht wird. Sie richtet sich nach dem Alter des Pferdes, der gewünschten Versicherungssumme sowie der ausgewählten Tarifoption.

Kathrin Wacker © Reith © Reith

Die Uelzener Versicherung bietet ihren Kunden drei Varianten an: den Basis-Tarif, bei dem das Leben des Pferdes während eines Transportes versichert ist, das Premium-Produkt, hier wird noch zusätzlich der Tod oder die Nottötung durch Krankheit oder Unfall eingeschlossen und das Paket „Premium plus“, bei dem noch die dauernde Unbrauchbarkeit des Pferdes zum Reiten, Fahren oder zur Zucht hinzukommt. Somit lasse sich trotz des Verlustes eines Tieres der Grundstein für einen neuen „Stallkameraden“ legen.

Die Zahl der Reiter, die in Deutschland eine Tierlebendversicherung abgeschlossen haben, sei aber verhältnismäßig wenig und bleibe seit Jahren relativ stabil, erklärt Ulrike Seim von der R+V Versicherung. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens IPSOS aus dem Jahr 2019 zeigt ein ähnliches Bild. Unter den Befragten hatten lediglich 20 Prozent das Leben des Pferdes mitversichert. Ein Grund könnten die Kosten sein. Für Seim ist die Tierlebendversicherung nämlich definitiv ein Luxusprodukt.

Mit einem sechs bis zehn Jahre altem Pferd und einem mittleren Wert kommt man bei der Uelzener beispielsweise auf einen Betrag von etwa 330 Euro jährlich. Ob überhaupt eine Lebendtierversicherung abgeschlossen wird, ist auch abhängig vom Wert des Pferdes. Besitzer von teuren Tieren haben meist eine höhere Präferenz. Ulrike Seim beobachtet, dass in den vergangenen Jahren im Schnitt weniger Tiere versichert werden, die aber gleichzeitig hochwertiger sind.

Hoher finanzieller Aufwand für Pferdehalter

Für Wacker spielt auch eine Rolle, wie viele Tiere man im Stall stehen hat und ob sie einem überhaupt gehören. In ihrem Umfeld hätten eher Reiter eine Lebendtierversicherung abgeschlossen, die auch selbst Pferdebesitzer sind. Falls man nur ein Berittpferd habe und kein eigenes Tier, entscheide man sich meist für andere Versicherungen, erklärt die 22-Jährige.

Hinzu komme, dass man sich als Amateur mit zwei oder drei Pferden gut überlegen muss, ob man Geld für die Lebendversicherung ausgibt. Denn die Haltung eines Pferdes ist durch die Stallmiete, den Hufschmied oder Tierarztbesuche bereits mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden.

In der IPSOS-Studie wird auch deutlich, welche Versicherung am meisten gefragt ist: Mit 91 Prozent steht die Pferdehalter-Haftpflichtversicherung mit Abstand an der Spitze. Zu Recht findet die Uelzener, die diese Absicherung vor allem für Amateur- und Hobbyreiter als notwendig einstuft. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Reiterin Kathrin Wacker, die die Haftpflichtversicherung deutlich wichtiger findet als die Lebendtierversicherung.

Manche Versicherungen werden schnell teuer

Die Uelzener empfiehlt noch eine Operationskostenversicherung, bei der die Kosten für chirurgische Eingriffe unter Narkose übernommen werden und Pferdebesitzer im Ernstfall abgesichert sind. Gerade eine solche Police könne aber schnell viel Geld kosten, findet Kathrin Wacker. „Wenn erst nach Jahren etwas passiert, kann man manchmal lieber die OP zahlen. Am Ende kommt der Besitzer vielleicht sogar bei einer Nullsumme raus“, erklärt die Werner Reiterin. Ulrike Seim beobachtet für die R+V Versicherung jedoch, dass die OP-Versicherung, die man erst vor einigen Jahren im Unternehmen „marktfähig“ gemacht hat, unheimlich nachgefragt ist.

Schlussendlich muss jeder Pferdebesitzer aus der große Auswahl an Optionen das Beste für sich und sein Tier individuell aussuchen. Im Grunde lässt sich alles versichern, es kostet dann nur einiges an Geld. „Reiter sollten immer auch realistisch bleiben. Und Kosten sowie Nutzen abwägen“, findet Kathrin Wacker.

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