Mario Martinovic hat einen besonderen Spieler in seinen Reihen. © Helga Felgenträger
Fußball

Mario Martinovic: „Bei den Trainingsübungen kannst du ihn nicht nach vorne stellen“

Seit zwei Jahren spielt ein Fußballer bereits bei Eintracht Werne. Warum er die Übungen im Training nie als erster absolviert und wieso das Kennenlernen so kurios war, erzählt Eintracht-Coach Mario Martinovic.

Eintracht Wernes Trainer Mario Martinovic hat einen Spieler in seinen Reihen, der zwar bereits seit zwei Jahren die Fußballschuhe im Dahl schnürt, im Training den Mitspielern aber stets den Vortritt lässt. Martinovic erinnert sich zudem genau, wie das erste Kennenlernen mit dem Kicker verlief – damals ließ er eine dritte Person für sich sprechen.

„Abou ist ein super sympathischer Junge“, stellt Mario Martinovic als erstes heraus, als er nach seinem Spieler Aboubacar Sidiki Sylla gefragt wird. Der 24-Jährige spielt seit zwei Jahren im Dahl, kickte zuvor kurze Zeit für die Zweite des Werner SC – davor kam er als Flüchtling aus Guinea nach Deutschland.

An das erste Zusammentreffen mit Sylla erinnert sich Martinovic noch genau: „Das war lustig: Wir hatten Training und Abou stand da mit ein, zwei Kollegen am Spielfeldrand und hat zugesehen.“ Irgendwann sei dann einer der Begleiter Syllas auf den Eintracht-Coach zugekommen.

Im Kreispokal-Spiel gegen IG Bönen saß Aboubacar Sylla (r.) zunächst auf der Bank. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

„Abou konnte da noch so gut wie kein Wort Deutsch, deshalb hat sein Kumpel für ihn gefragt, ob er mal mittrainieren dürfe“, berichtet Martinovic. Bei der nächsten Einheit im Dahl stand Sylla bereits auf dem Platz, seitdem ist er fester Bestandteil der Eintracht.

„Generell ist er ein ruhiger Typ, das liegt nicht nur an den sprachlichen Hindernissen“, sagt Martinovic über Sylla, „aber er kommt im Training immer mehr aus sich raus, bindet sich mehr ein. Das ist ja schon ein Zeichen dafür, dass er sich wohl bei uns fühlt“.

Sportlich hilft er der Eintracht auf jeden Fall weiter. Der laufstarke Sylla wird vor allem im linken Mittelfeld eingesetzt und lieferte in der Vergangenheit regelmäßig ab. „Er ist ein ganz einfacher Spieler, der keine komplizierten Sachen versucht. Er ist immer in Bewegung und führt den Ball meist nicht lange, sondern spielt ihn schnell weiter“, beschreibt Martinovic die Spielweise Syllas.

In der Vorwärtsbewegung müsse er ihn hingegen ab und an bremsen: „Er möchte so offensiv spielen wie möglich. Da muss ich ihm manchmal zeigen, dass er immer noch einen Gegenspieler hat, auf den er defensiv zu achten hat.“

Martinovic: „Der Wille muss erkennbar sein“

Sprachlich und fußballerisch hat sich Sylla in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt, bei den Übungen im Training stellt er sich aber lieber hinten an. „Da kannst du ihn nicht nach vorne stellen“, lacht Martinovic, „er guckt sich das dann bei den anderen ab, statt die Anweisungen auf Anhieb zu verstehen“.

Dass die Kommunikation nicht immer ganz leicht sei, stellt indes kein Problem dar. „Sprache hin oder her. Mir ist auch egal, wo einer herkommt – der Wille muss erkennbar sein und das ist bei ihm absolut der Fall“, betont Martinovic: „Abou ist einfach ein richtig lieber Kerl. Das spürt man auch ohne die Sprache zu sprechen.“

Ohne große Worte bejubelte Aboubacar Sylla auch seinen ersten Treffer für Eintracht Werne. „Ich erinnere mich noch gut“, erzählt Martinovic, „da hat er sich so gefreut, dass man glaubte, er will einfach jeden auf dem Platz umarmen“. Emotionen im Fußball funktionieren eben auch ohne Sprache.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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