Andreas Betke will den Abstiegskampf annehmen. © Jari Sprenger
Fußball

Nach Welp-Rauswurf: Torwart Andreas Betke würde nur neun Spieler aus dem Stockum-Kader behalten

Von Ruhe im Verein ist der SV Stockum weit entfernt. Nach der Entlassung von Jürgen Welp als Trainer spricht Andreas Betke Klartext: Der Torwart nennt den Großteil seiner Mitspieler „charakterlos“.

Es muss sich gehörig was ändern beim SV Stockum, darüber herrscht Einigkeit bei allen Beteiligten. Auf der Trainer-Position ist dies bereits geschehen: Jürgen Welp steht nicht länger an der Seitenlinie des A-Kreisligisten. Die Probleme des Fußballklubs löse dies aber nicht, sagt Andreas Betke. Der Torwart, Leistungsträger und Lautsprecher nimmt die Mannschaft in die Pflicht – und kann auf die Hälfte seiner Mitspieler getrost verzichten.

„Jürgen und Marlon können am wenigsten dazu“, stellt Betke gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Neben Welp musste auch sein Co-Trainer Marlon van de Sander seinen Hut nehmen. „Es ist vor allem eine Einstellungssache der Spieler, dass wir da stehen, wo wir stehen“, so Betke, der im Anschluss zum Rundumschlag gegen seine Mitspieler ausholt.

Denn das, was er aktuell in Stockum sehe, habe er so noch nie erlebt: „Kein Respekt, keine Bereitschaft, kein Willen. Die denken alle, dass sie mit 20 Jahren Vollprofis sind. Jürgen macht sich Gedanken über die Trainingsgestaltung, aber wenn er dann vor vier, fünf Leuten steht, lässt die Motivation natürlich mal nach.“

Es müsse sich dringend was ändern, Betke fordert eine Wendung um 180 Grad: „Ob ein neuer Trainer was bei den charakterlosen Spielern bringt, das weiß ich nicht.“ Aus diesem Grund habe er Geschäftsführer Yassine Najih eine Liste gegeben mit den Spielern, die seiner Ansicht nach geeignet sind für den Stockumer Turnaround.

„Da stehen 21 Spieler drauf, die theoretisch im Kader sind. Neun davon würde ich behalten, zwei weitere unter Vorbehalt“, schildert Betke. Der Rest könne gehen. „Was Yassine dann daraus macht, ist seine Sache, aber so kann es nicht weitergehen.“

Betke bleibt bis zum Winter – und dann?

Auch seine eigene Zukunft lässt Betke offen und macht viel vom neuen Trainer abhängig. Mit zwei Kandidaten sei Stockum bereits im Gespräch, einen davon kennt Betke aus der Vergangenheit: „Wenn er kommt, wäre das vielleicht ein Signal an die Mannschaft.“ Die Entscheidung darüber soll noch im Laufe dieser Woche fallen.

Kommt er nicht, ist Betke vielleicht auch nicht mehr lange Torwart des SV: „Ich bin niemand, der den Schwanz einzieht und aufgibt. Ich habe der Mannschaft am Samstag gesagt, dass ich auf jeden Fall bis zum Winter durchziehen werde, und dabei bleibt es. Dann aber muss definitiv etwas passieren.“

Was sich Betke erhofft: „Es muss alles hinterfragt werden. Wir brauchen Minimum zehn neue Spieler im Winter, das steht außer Frage.“ Und diese Spieler müssen dann auch zum Verein passen und sich mit den Stockumer Farben identifizieren. „Jetzt haben wir Leute dabei, deren Namen ich nach drei Wochen nicht mehr weiß, weil ich sie nie zu Gesicht bekomme“, schimpft Betke, „das geht einfach nicht. Die Einstellung einiger Neuzugänge ist eine Frechheit.“

Den Spaß am Fußball habe er in den vergangenen Wochen jedenfalls verloren. Und Betke stellt noch einmal heraus, dass das zu keinem Zeitpunkt die Schuld der Trainer war: „Ich kam mit beiden super klar. Wir hatten gegenseitigen Respekt voreinander und mit dem richtigen Personal hätten wir sehr viel mehr erreichen können.“

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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