Marcus Thuram hat am Wochenende die Rote Karte nach einer Spuck-Attacke gesehen. © dpa
Fußball

Spuck-Attacke ist nicht gleich Spuck-Attacke: Marcus Thuram wird milder bestraft als Serkan Adas

Am Wochenende kam es in der Bundesliga zu einem besonders widerwärtigen Vergehen. Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach spuckte seinem Gegenspieler ins Gesicht - ähnlich wie vor einigen Monaten Serkan Adas.

Gladbachs Christoph Kramer sagte nach dem Spiel gegen Hoffenheim, die Aktion wäre „schon ein bisschen asozial“ gewesen. Nicht nur, dass die Borussia mit 1:2 verloren hatte. Eine grobe Unsportlichkeit, auf die auch Kramer anspricht, überschattet die Partie.

Aus nächster Nähe spuckte Thuram seinem Gegenspieler direkt ins Gesicht. Gerade unter Coronabedingungen eine völlig unnötige Aktion, die mit der Roten Karte geahndet wurde. Ein paar Tage später ist nun auch die Strafe bekannt: Thuram muss 150.000 Euro zahlen und bekommt fünf Spiele Sperre plus eins auf Bewährung.

Bei Anhängern des Werner Amateursports werden bei diesen Ereignissen sofort Erinnerungen wach. Erst im August war Serkan Adas, Spieler von Eintracht Werne, wegen einer Spuck-Attacke im Kreispokal-Halbfinale gegen IG Bönen des Feldes verwiesen worden. Er hatte allerdings sechs Monate Sperre kassiert.

Für einen Laien mutet der Unterschied zwischen den Urteilen komisch an. Dietmar de Sacco, Beisitzer beim Kreissportgericht Unna/Hamm, erklärt allerdings: „Die Sportler sind ja Arbeitnehmer. Da darf man ja auch rechtlich gar nicht so eine lange Sperre verhängen.“

Besonders vor dem Hintergrund hält er die fünf Spiele für in Ordnung. „Wenn man sich die Sperren für andere Vergehen anschaut, sind die ja immer bei zwei, drei oder maximal vier Spielen. Da ist fünf Spiele schon eine der hohen Strafen – wobei ich natürlich auch nicht weiß, wonach entschieden wurde“, so de Sacco.

Mit Serkan Adas könne man die Strafe für Thuram also folglich nicht vergleichen. „Profi- und Amateurfußball sind zwei verschiedene paar Schuhe“ erklärt er. „Wir bestrafen ja zum Beispiel ein großes Foulspiel vielleicht auch mal mit sechs bis acht Wochen. Das passiert in der Bundesliga nicht.“

„Die beiden Fälle kann man ja überhaupt nicht vergleichen“, sagt auch Mario Martinovic, Trainer von Eintracht Werne. „Aber unabhängig davon: Was Thuram gemacht hat, war einfach ekelig. Spucken ist gerade im Moment ja das Schlimmste, was man so machen kann.“

Zwar habe sich Thuram für sein Vergehen entschuldigt. „Das war auch alles gut und richtig so“, so Martinovic. „Aber was ich unglaubwürdig fand, war, dass er es unabsichtlich gemacht haben will. Man kann vieles unabsichtlich machen, aber sicherlich nicht Spucken.“

Auch die Sperre hält Martinovic im Großen und Ganzen für in Ordnung. „Die 150.000 Euro für eine gemeinnützige Organisation sind natürlich super“, so der Eintracht-Coach. „Aber die fünf Spiele könnten zu wenig sein. Es muss ihm ja auch weh tun, damit er es nicht wieder macht. Ich fürchte, das wird es bei fünf Spielen nicht. Aber so lange das dem Jungen nur einmal passiert in seiner Karriere, ist es ja in Ordnung.“

Über die Autorin
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Geboren im Münsterland, aber schnell verliebt in den Ruhrpott. Mit dem Herzen vor allem beim Fußball, aber auch begeistert von vielen anderen Sportarten. Seit 2018 bei Lensingmedia, seit 2020 Sportredakteurin.
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Johanna Wiening

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