Die Triathleten der TV Werne Wasserfreunde um Kapitän Sebastian Nieberg können momentan an keinen „echten“ Wettkämpfen teilnehmen. Also steigen sie virtuell aufs Rennrad. © Sebastian Nieberg (A)
Triathlon

Triathleten der TV Werne Wasserfreunde haben die echten Wettkämpfe gegen virtuelle eingetauscht

Man muss momentan als Leistungssportler kreativ sein, um die Motivation während der Zwangspause hochzuhalten. Die Triathleten der TV Werne Wasserfreunde setzen da auf besondere Radrennen.

Das Training eines jeden Leistungssportlers ist zielgerichtet. Sei es ein Wettkampf, Turnier, Spiel – man trainiert nicht ins Blaue hinein. Durch die Corona-Pandemie stehen viele Sportler aber gerade vor diesem Problem: der großen Unbekannten. So geht es auch den Triathleten der TV Werne Wasserfreunde. Wobei diese sogar noch teilweise privilegiert sind.

Denn als Individualsportler können die Triathleten laufen und Radfahren. Nur am Schwimmen hapert es aufgrund der geschlossenen Bäder. Ein Kernproblem für die Leichtathleten. „Wir können schon seit Anfang November nicht mehr schwimmen, dazu noch die drei Monate, die wir im Frühjahr schon nicht in die Bäder konnten“, erklärt Teamkapitän Sebastian Nieberg.

Seit 14 Jahren betreibe er Triathlon, noch nie sei er in der Zeit drei Monate am Stück nicht geschwommen. „Damit ist eine Disziplin komplett hinüber“, sagt er, fügt aber direkt im nächsten Satz an: „Wir dürfen uns nicht beschweren, weil andere Sportarten gar nichts machen können.“

Üblicherweise beginnt für die Triathleten am 1. November die Vorbereitung auf die neue Saison, die Liga beginnt dann jeweils am ersten Wochenende im Mai. Ob und wie die Saison stattfindet, steht aber auch für den 2. Bundesligisten in den Sternen.

Eine Entscheidung wurde erst im April getroffen

Ähnlich sieht es für die Damen- sowie 2. Herren-Mannschaft der TV Werne Wasserfreunde aus. Der Verband hat sich bislang noch nicht dazu geäußert, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Auch dieses Jahr wurde die Entscheidung erst spät im April getroffen, die Saison ausfallen zu lassen.

Doch nicht nur der Liga-Betrieb findet nicht statt. Denn bereits vorher treten die Triathleten normalerweise bei Wettkämpfen an: „Die Laufwettkämpfe wären jetzt stark frequentiert, üblicherweise starten wir mit dem Silvesterlauf, dann mit der Laufserie in Hamm“, erklärt Nieberg. Dies würde man auch dieses Jahr machen, aber in Eigenregie.

Nieberg geht sowieso davon aus, dass aufgrund der Auflagen alles erst wieder losgeht, wenn durchgängig geimpft wurde. Er selber habe die Auflagen für einen Wettkampf gesehen: „Das ist ein Riesenaufwand, so ein Event auf die Beine zu stellen.“ Außerdem würde der Sport darunter leiden, dass keine Zuschauer an der Strecke sind und man nicht gemeinsam leiden kann.

Um die Motivation hoch zu halten, mussten die Triathleten kreativ werden. Daher haben sich die TV Werne Wasserfreunde einer virtuellen Rennserie angeschlossen. Alle zwei Wochen samstags treten sie mit Triathleten aus ganz Deutschland zu Radrennen von Zuhause aus an. 300 bis 400 Athleten aus der 1. und 2. Bundesliga sowie den unteren Ligen würden hierbei teilnehmen.

„Andere haben momentan gar kein Bock mehr“

„Da geben wir schon richtig Gas und hauen in die Pedale“, sagt Nieberg. Es gebe auch ein Wertungssystem, auch wenn es am Ende um den Spaß ginge. Die Idee dafür kam aus dem ersten Lockdown von einem Team aus Hamburg. Außerdem fahren Sebastian Nieberg und seine Teamkollegen immer montagabends Intervalle über eben diese Software.

Dennoch sei es schwer, alle motiviert zu halten. „Manche trainieren strukturiert weiter, andere haben momentan gar kein Bock mehr“, so Nieberg. Er bewundert daher seinen Teamkollegen Kamil Jablonski: „Ich bewundere es, dass Kamil sich so motivieren kann und immer weiter und strukturiert trainiert, obwohl jedes seiner Highlights diese Saison abgesagt wurde“, erklärt der Teamkapitän mit Blick auf die Ironman-Wettkämpfe, die Jablonski in diesem Jahr alle nach und nach absagen musste.

Schade sei es aber vor allem für Luca Kottenhans. Der 16-Jährige sollte eigentlich dieses Jahr seine erste Saison bei den TV Werne Wasserfreunden haben. „Luca braucht Wettkampferfahrung“, erklärt der Teamkapitän. Zwar mache er auch ohne die Wettkämpfe Riesensprünge, aber eben diese Erfahrung fehle. Bis es soweit ist, trainieren die Triathleten weiter – ob virtuell oder in echt.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick

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