Traditionsunternehmen Spermann verlässt Werne nach Aufs und Abs kurz vorm 100. Geburtstag

mlzSpermann-Aufgabe

97 Jahre stand das Werner Unternehmen Spermann für moderne Technik. Jetzt ist Schluss. Der Abschied hinterlässt Fragezeichen – dabei war das Ende schon vor Jahren fast besiegelt.

Werne

, 20.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo 2018 noch von außen sichtbar viel los war, finden sich aktuell nur noch ein paar Lkw, die abgestellt worden sind. Spermann hat den Standort in Werne an der B54 verlassen. Doch warum eigentlich?

„Wir geben keinen offiziellen Kommentar zu der Situation ab“, heißt es auf Anfrage mehrfach von der Firma Maxlogistik, zu der das Unternehmen Spermann gehört. Die Gründe für das Ende des Werner Familienunternehmens bleiben also weiter schleierhaft – dabei war das Ende des Unternehmens vor gut 15 Jahren schon fast besiegelt.

Jetzt lesen

Im August 2004 geriet das traditionsreiche Unternehmen finanziell ins Schlingern und das Karosseriewerk Spermann musste beim Dortmunder Amtsgericht Insolvenz anmelden. 50 Mitarbeiter mussten um ihren Arbeitsplatz zittern.

„Unsere Auftragslage ist nicht schlecht, die Gründe für unsere Schwierigkeiten müssen woanders liegen“, sagte Petra Spermann, Ehefrau des damaligen Geschäftsführers Heinrich Spermann. Wo genau, das war für den eingeschalteten Insolvenzverwalter sehr schnell klar: Ein Berater brachte das Unternehmen ins Schwanken.

Spermann mit Problemen nach Neuausrichtung

Als Spermann 2002 eine Molkerei als größten Abnehmer für Kühlfahrzeuge verlor, empfahl der Berater eine Umstellung: von Kühlfahrzeugen auf ein Baukastensystem für konventionelle Anhänger.

Doch das Verhältnis von Einsatz und Ertrag passte plötzlich nicht mehr. Zwar habe man Produkte an den Mann gebracht, doch die kalkulierten Preise passten nicht und die Konkurrenz war groß. Der Markt war schon besetzt von großen Firmen wie Schmitz, Cargo Bulls oder Krone.

Spermann war 2004 nicht mehr zu retten

„Ich sehe noch nicht, dass alle Lichter ausgehen, die Rettung ist aber sehr schwierig“, prognostizierte Insolvenzverwalter Stephan Heinrichsmeyer 2004 und sollte Recht behalten.

In den kommenden Monaten spitzte sich die Lage weiter zu: Kunden verloren das Vertrauen und sprangen ab. Das Unternehmen war in der bisherigen Form nicht mehr zu retten.

Nur ein paar Monate später, im Februar 2005, gründeten Heinz Spermann und Ralf Eichler zwei neue kooperierende Firmen: Spermann Fahrzeuge und Bosch Truck Service Eichler.

Neuanfang glückt: Besinnung auf die Ursprünge

Spermann besann sich dabei auf die Wurzeln des Unternehmens und spezialisierte sich auf den individuellen Bau von Spezialfahrzeugen, Eichler kümmerte sich um Wartung und Instandsetzung von Lastwagen.

In beiden Unternehmen fanden 17 ehemalige Spermann-Mitarbeiter einen neuen Job. Der Neuanfang glückte.

Drei Jahre nach Neuausrichtung fast so groß wie vor der Insolvenz

2008 hatte Spermann Fahrzeugbau schon wieder fast so viele Mitarbeiter wie vor der Insolvenz. 47 Mitarbeiter beschäftigte das Unternehmen zu dieser Zeit und war auch wirtschaftlich wieder gesund.

Mit ruhigem Fahrwasser wurde es auch wieder stiller um das Unternehmen – bis Spermann nun das Gelände an der B54 aufgab und damit wohl das endgültige Ende des Unternehmens in Werne einleitete.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt