24-jährige Wernerin ist genervt und zeigt Polizei beide Stinkefinger

mlzAmtsgericht Lünen

Eine Party mit jähem Ende; ein Streit mit dem Freund; eine angeblich unfreundliche Reaktion der Polizei - da brach sich der Frust einer 24-Jährigen aus Werne Bahn. Das hat Folgen.

von Sylvia Mönnig

Werne

, 25.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war kein guter Tag für die 24-Jährige aus Werne. Sie hatte Streit mit dem Freund und fühlte sich von der Polizei blöd behandelt. Deshalb präsentierte sie vor der Polizeiwache Werne am Bahnhof beide Mittelfinger. Das hat Folgen.

An sich sollte die Nacht auf den 3. November 2019 jede Menge Spaß bringen. Die junge Wernerin schmiss eine Fete, es wurde gesungen, getanzt und getrunken. Dann, als sich der Freund der 24-Jährigen alkoholisiert hinter das Steuer setzte, einen Unfall verursachte und von der Polizei mitgenommen wurde, kippte die Stimmung schlagartig.

Frau und ihr Freund stritten sich heftig

Sie machte sich daraufhin auf den Weg, ihren Freund zu suchen und wurde zunächst erfolglos auf der Wache vorstellig. Dort hatte sie das Gefühl, belächelt zu werden. Danach suchte sie den Partner im nahen Krankenhaus, wurde fündig. Das Paar trat den Heimweg an und stritt sich dabei heftig, weil sie wütend wegen der Ereignisse war.

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Die beiden kamen an der Wache vorbei. Die Frau erinnerte sich an das Gefühl, belächelt worden zu sein und reagierte spontan. Über die Schulter reckte sie beide Mittelfinger demonstrativ in die Höhe. Der Polizist, mit dem sie eben noch zu tun gehabt hatte, sah das Ganze auf der Überwachungskamera. Kurz darauf erhielt die 24-Jährige Post der unangenehmen Sorte: Per Strafbefehl wurde sie wegen Beleidigung zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt. Sie legte Einspruch ein.

24-Jährige war verlegen vor dem Amtsgericht

Nun befasste sich das Lüner Amtsgericht mit dem Fall und auf der Anklagebank saß die junge Wernerin, der die Verlegenheit deutlich anzusehen war. Das Zeigen der Mittelfinger stellte sie nicht in Abrede. Allerdings versicherte sie, derweil gewiss nicht in die Richtung der Polizei geguckt zu haben. Ihr Verteidiger betonte zudem, dass seine Mandantin zum ersten Mal vor Gericht und entsprechend „ziemlich nervös“ sei.

Er sah die 1000 Euro Geldstrafe für die Angeklagte, die gerade arbeitslos sei, als nicht angezeigt an und regte eine Verfahrenseinstellung gegen Auflage an. Auch wies er darauf hin, dass sie lediglich einmal beide Stinkefinger erhoben habe – und nicht, wie angeklagt, gleich zwei Mal.

Polizist: Frau zeigte Stinkefinger über längere Zeit

Der Polizeibeamte, der Zeuge ihres Zornausbruchs wurde, erinnerte sich daran, dass die 24-Jährige die verbotene Geste über längere Zeit gemacht habe und betonte auch, dass er sich nach der vorangegangenen Begegnung persönlich angesprochen gefühlt habe.

Nach dieser Aussage ging der Richter nicht mehr von zwei Gesten aus, sondern von einer durchgängigen. Für die Wernerin endete der Prozess mit einer Chance. Ihr Verfahren wurde vorläufig eingestellt – gegen 30 Sozialstunden. Sobald sie die erledigt hat, kann ihr Fall endgültig ad acta gelegt werden.

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