Es ist ein Rätsel: Dutzende Unfälle mit vielen Verletzten passierten in den vergangenen drei Jahren auf einem kleinen Abschnitt der A1. Neulich wäre es unserem Autor beinahe auch so gegangen.

Werne

, 22.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Autobahn-Abschnitt auf der A1 ist zu trauriger Berühmtheit gelangt. Immer wieder knallt es dort, kurz vor der Abfahrt Hamm-Bergkamen (auch Werne-Süd genannt). Erst am Samstag, 19. Oktober 2019, ereignete sich der jüngste Vorfall in einer erschreckenden Unfall-Reihe. Fünf beteiligte Autos, fünf Verletzte. Hinzu kommt ein Gaffer-Unfall auf der Gegenseite: zwei Verletzte.

Wieso immer wieder an dieser Stelle? Welche Gefahren lauern in diesem kurzen Abschnitt von wenigen Hundert Metern vor der Abfahrt? Ablenkung, Unaufmerksamkeit, besondere örtliche Situation? Was lässt die Verkehrsteilnehmer, die hier mit hohem Tempo unterwegs sind, so oft und so fatal ineinanderrauschen?

Unfall-Rätsel A1 bei Werne - Warum knallt es dort immer wieder so heftig?

Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr arbeiten am Samstag eng zusammen, um die Lage nach zwei Unfällen mit insgesamt sieben Verletzten zu entspannen und den Normalzustand wieder herzustellen. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Es gibt keine eindeutige Erklärung. Auch für mich nicht, nachdem ich vor einigen Wochen selbst beinahe genau dort in einen Unfall verwickelt wurde und nur mit Mühe mein Fahrzeug abbremsen konnte.

Folgende Situation: Ein Werktag, früher Abend. Es war hell, kein Regen die Sicht gut. Ich fuhr in Werne-Nord (Hamm-Bockum, Werne) Richtung Köln auf die A1. Ab dieser Anschlussstelle gilt bis Werne-Süd Tempo 130. Der Verkehr war dicht, floss aber zügig und es war kein Risiko, 130 zu fahren.

Unfall-Rätsel A1 bei Werne - Warum knallt es dort immer wieder so heftig?

Bei einem Unfall an der besagten Stelle auf der A1 Richtung Köln am Donnerstagmorgen, 15. August 2019, erlitten drei Personen Verletzungen. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Ich fuhr auf die kleine Kuppe mit den Rastplätzen in Höhe Stockum zu. Und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein Feuerwerk an Bremslichtern vor mir. In ungeahnter Schnelligkeit drosselten die Fahrzeuge vor mir von 130 auf etwa 60 km/h. Meine Bremsscheiben glühten. Zum Glück hatte ich geistesgegenwärtig die Warnblinkanlage aktiviert, sodass mir ein Auffahrunfall erspart blieb.

Nach Spontanbremsung ziehen die A1-Autofahrer Tempo wieder an

Kaum war der Schock überwunden, zog das Tempo wieder an und kurz hinter Werne-Süd ging‘s wieder ohne Probleme zügig voran. Ich hatte genau hingeschaut, um einen Hinweis auf die Brems-Ursache zu finden. Gab‘s aber nicht: Kein Schlagloch, keine Baustelle, keine Fahrbahnverengung - nichts.

Die Situation zeigte sich wie üblich. Erst die Kuppe, dann etwas abwärts auf die Lippe- und die Kanal-Brücke zu, dann im Anschluss direkt die Abfahrt Werne-Süd. Als ich von diesem Erlebnis in der Redaktion erzählte, berichtete Kollegin Andrea Wellerdiek von einer identischen Erfahrung. Abruptes Bremsen wie aus dem Nichts. Auch sie konnte nur mit Mühe einen Crash vermeiden.

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Aber immerhin gibt‘s auch eine gute Nachricht: „Seit der Tempobegrenzung und einer durchgezogenen Linie sind die Unfallzahlen deutlich zurückgegangen“, sagt Feuerwehrsprecher Bodo Bernsdorf auf Anfrage der Redaktion.

Die durchgezogene Linie direkt an der Auffahrt Werne-Süd sorge dafür, dass auffahrende Pkw nicht direkt auf die linke Spur wechseln könnten. Denn das verursache bisweilen Bremsmanöver von schnellfahrenden Autofahrern auf der Überholspur, so Bernsdorf.

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Eine eindeutige Ursache für die Unfallhäufung kann auch er nicht geben. „Auf diesem Streckenabschnitt ist es einfach oft voll.“ Die Autofahrer seien schnell unterwegs, oft im Pulk. Wenn dann Bremslichter auftauchten, könne es bei so einer Konstellation schnell zum Auffahrunfall kommen. Bernsdorf. „Das ist öfter ein Problem auf zweispurigen Strecken.“

Damit bliebe dann nur noch das Warten auf den dreispurigen Ausbau der A1 in Höhe von Werne. Die Planungen dazu laufen bekanntlich.

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