Warum verunglücken immer wieder Autos auf diesem kleinen Abschnitt der A1?

mlzAutobahn 1

Drei Verletzte, davon einer in Lebensgefahr bei einem Unfall am Donnerstag, 15. August 2019, auf der A1 in Höhe Werne: Dieser Autobahnabschnitt ist besonders unfallträchtig. Warum eigentlich?

Werne

, 19.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der jüngste, schwere Unfall geschah wieder in dem mittlerweile berühmt-berüchtigten A1-Abschnitt zwischen Hamm-Bockum/Werne (Werne-Nord) und Hamm-Bergkamen (Werne-Süd), Fahrtrichtung Dortmund. Als wir Feuerwehr-Chef Thomas Temmann am Donnerstag nach der genauen Stelle auf der A1 fragten, meinte er nur: „Da, wo‘s immer knallt.“

Bereits vor eineinhalb Jahren, als sich die Unfallzahlen massiv häuften, sagte Temmann auf Anfrage: „Dann fahren wir wieder zur selben Stelle auf der A1 und rätseln: Warum stehen wir jetzt eigentlich hier?“

Jetzt lesen

Meine Mutmaßung war damals, neben anderen Faktoren, die rasche Abfolge von zwei Brücken (Lippe und Datteln-Hamm-Kanal) sowie der dann in Fahrtrichtung Dortmund folgenden Abfahrt Hamm-Bergkamen hintereinander. Brücken erregen bei manchen Autofahrern besonderes Aufmerksamkeit; plus dann direkt die Autobahn-Abfahrt. Vielleicht, so meine Vermutung, bremst man unterbewusst und sorgt so für Auffahrunfälle.

Polizei vermutet Ablenkung und zu hohes Tempo

„Glaube ich nicht“, sagte damals Polizist Kim Ben Freigang vom zuständigen Polizeipräsidium Dortmund, „eher sind die Autofahrer durch ihre Smartphones, eine Baukolonne oder einen Unfall auf der Gegenseite abgelenkt“, mutmaßte der Polizist. Er führte noch einen weiteren Faktor an: nicht angepasste Geschwindigkeit.

Gefahren durch mangelnde Aufmerksamkeit der Autofahrer seien ein bei der Polizei immer stärker in den Fokus rückendes Problem. „Denken Sie nur an die ganze Technik in modernen Autos“, sagte Freigang, „das sind doch rollende Entertainment-Zentralen. Die können für reichlich Ablenkung sorgen.“

Warum verunglücken immer wieder Autos auf diesem kleinen Abschnitt der A1?

Einer der typischen Unfälle aus dem Herbst 2017 auf dem A1-Abschnitt zwischen den beiden Abfahrten Werne-Nord und -Süd. © Feuerwehr Werne

Eine Maßnahme, die die Unfallkommission der Bezirksregierung Arnsberg gegen die zahlreichen Unfälle unternommen hat: Seit zwei Jahren sollen Tempo-130-Schilder die Autofahrer einbremsen. Die Schilder drosseln den Verkehr auf dem A1-Stück zwischen Werne-Nord und dem Kamener-Kreuz.

Offensichtlich mit mäßigem Erfolg. Immer wieder mussten die Retter in den folgenden Monaten zum besagten Autobahn-Abschnitt ausrücken. An einem Wochenende im November 2017 passierten genau dort gleich drei Unfälle. Traurige Bilanz: zehn Verletzte.

Wir hatten damals eine Aufstellung gemacht. 16 Unfälle mit Personenschaden zwischen Oktober 2016 und Januar 2017 meldete die Autobahnpolizei für den Bereich zwischen Werne-Nord und Kamener Kreuz – zwölf davon ereigneten sich in Fahrtrichtung Dortmund. Bagatellunfälle waren da noch nicht mitgerechnet.

Leider ist dieses Stück der A1 noch nicht entschärft. Auch wenn es manche Monate mit wenigen Unfällen gibt: der folgenschwere Zusammenstoß am vergangenen Donnerstag beweist die andauernde Gefährlichkeit dieser Stelle.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Digitalisierung an Schulen

Volle Kontrolle am AFG? Eltern haben bald Einsicht in Stundenpläne, Hausaufgaben, Krankmeldungen