AB Elektronik: Noch-Beschäftigte machen ihrem Ärger Luft

WERNE Rund 100 Noch-Beschäftigte des Automobilzulieferers AB Elektronik folgten am Montag dem Aufruf der Gewerkschaft IG Metall. Sie trafen sich im Großen Saal des Kolpinghauses, um die Details zum Sozialplan für die insgesamt 225 gekündigten Mitarbeiter zu erfahren.

von Von Daniel Claeßen

, 23.03.2009, 22:26 Uhr / Lesedauer: 1 min

 

"Viele der Betroffenen haben sich im Vorfeld bereits persönlich von uns beraten lassen", erklärte Gewerkschafts-Sekretär Karl-Heinz Neumann vor der nicht öffentlichen Sitzung. "Deshalb sind heute auch nicht alle Stühle besetzt." Diejenigen, die gekommen waren, machten ihrem Ärger Luft. "Viele waren mit der relativ geringen Abfindung nicht einverstanden", berichtete Neumann anschließend. Auch die soziale Auswahl der Betroffenen sei nach deren Meinung nicht korrekt gewesen.

In diesem Punkt erneuerte Neumann auch nochmal die Kritik der Gewerkschaft, die den Sozialplan mit ausgearbeitet hatte. Der Betriebsrat sei quasi genötigt worden, in kürzester Zeit eine Namensliste zu erstellen: "Die Geschäftsführung hat nur gesagt: ,Entweder wir können der Muttergesellschaft in England schnell einen Sozialplan präsentieren, oder die erstellen dort selbst einen.'"Verständnis für Kritik

Viele der Anwesenden im Kolpingsaal echauffierten sich zudem darüber, dass die Namen derer, die entlassen werden, auf der Betriebsversammlung öffentlich vorgelesen wurden. "Das war allerunterste Sohle", äußerte Neumann Verständnis für diese Kritik.

 

Nachdem die ersten Wogen geglättet waren, präsentierten Gewerkschaft und Betriebsrat - vertreten durch den Vorsitzenden Hermann Preußer und seinen Stellvertreter Rainer Kottmeyer - die Eckdaten des Sozialplans: Wer in die Transfergesellschaft wechselt, erhält für ein Jahr ein Kurzarbeitergeld von 60 bzw. 67 Prozent des bisherigen Lohnes, das aus dem Sozialtopf von AB nochmal um 20 Prozent aufgestockt wird. "Je später man in die Arbeitslosigkeit geht, desto besser", bewertete Neumann die Regelung. "Zudem kann die Transfergesellschaft die Arbeiter besser betreuen als die Arbeitsagentur."

Um den Wechsel weiter schmackhaft zu machen, wird ein Antrittsgeld zwischen 5000 und 15 000 Euro gezahlt - je nachdem, auf welche Kündigungsfrist die Mitarbeiter in einem solchen Fall verzichten. "Je länger die Frist, desto mehr Geld", rechnete Neumann vor.

Generell würde ein Wechsel in die Transfergesellschaft mehr bringen als eine bloße Abfindung, so der Sekretär. "Das haben auch die meisten eingesehen und ihre Zustimmung zum Sozialplan signalisiert."

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