Immer wieder verschwinden die Einwegkisten in der Fair-Teiler-Station von Foodsharing. Dabei weist Karina Psoch, eine der Foodsaver in Werne, immer daraufhin, dass die Kisten ihr Eigentum sind. © Karina Psoch
Foodsharing in Werne

Ärgerlich: Beim Foodsharing in Werne werden nicht nur Lebensmittel mitgenommen

Lebensmittel retten und verteilen: Hinter der Idee von Foodsharing steckt viel ehrenamtliche Arbeit. Umso ärgerlicher ist es, dass die erste Foodsaverin in Werne nun wegen eines Vorfalls ans Aufhören denkt.

Sie retten Lebensmittel, die eigentlich in der Mülltonne landen würden, und verteilen sie kostenlos an ihre Mitmenschen: Sogenannte Foodsaver (Essen-Retter) holen noch genießbare Artikel, die nicht mehr verkauft werden können, ab, um sie mit anderen zu teilen. Hinter der Idee von Foodsharing steckt ein Stück weit Gemeinwohl. Und vor allem eins: viel ehrenamtliche Mitarbeit.

Das weiß auch Karina Psoch (40). Sie ist Foodsharing-Botschafterin und war die erste Foodsaverin in Werne. Sie holte im Sommer 2018 die erste Fairteiler-Station in die Lippestadt. In der Box mit dem Namen Pavarotti teilt Psoch die geretteten Lebensmittel. Jeder Bürger darf sich bedienen und Paprika, Brotwaren, Kartoffeln – oder was auch immer im Pavarotti liegt – mitnehmen. Allerdings gilt das nur für die Lebensmittel.

Doch einige Unverbesserliche haben nun immer wieder die Kisten, in denen die Waren liegen, mitgenommen. Sehr zum Ärger von Karina Psoch. Denn wenn sie neue Lebensmittel von den drei teilnehmenden Supermärkten in Werne abholt, muss sie immer wieder aufs Neue überlegen, wie sie diese transportieren kann.

„Ich opfere meine Zeit und biete alles kostenlos an. Trotzdem sind ständig wieder Kisten verschwunden. Das ist nicht Sinn der Sache. Es ist einfach nur noch nervig“, erklärt Karina Psoch. Es handelt sich um Einwegkisten, die sich übereinander stapeln lassen. „Das ist praktisch, um gewisse Lebensmittel voneinander zu trennen. Wenn die Kisten verschwunden sind, macht es mir das Leben unnötig schwer“, so die 40-Jährige.

Dabei will sie doch nur Gutes tun. Sie möchte dafür sorgen, dass die Waren, die noch verzehrbar sind, aber aufgrund ihres Zustands (etwa braune Stellen an Bananen) nicht mehr verkauft werden können, nicht in der Mülltonne landen. Stattdessen legt sie die Lebensmittel in ihre Fairteiler-Station. „Das hat alles sehr gut funktioniert. Umso trauriger ist es, dass ich jetzt überlege, ob ich das Ganze weitermachen soll – nur durch diese Geschichten“, sagt Karina Psoch.

Vor einigen Tagen hatte sie auf der Facebook-Seite von Foodsharing Werne angekündigt, dass sie ihre Fairteiler-Station Pavarotti schließen wird, „wenn die Kiste nicht wieder auftaucht“. Zwar wurden die Einwegkisten gespendet. Dennoch ärgert sich die Foodsaverin darüber, dass sie nicht mehr aufzufinden sind. Wenn es so weitergeht und irgendwann keine Kisten mehr vor Ort sind, dann werde sie aufhören, sagt die Wernerin.

Karina Psoch bei der Vorstellung ihrer Fair-Teiler-Station Pavarotti im Sommer 2018. Das Angebot wird gut angenommen. Allerdings ärgert sich Psoch über die Bürger, die nicht nur Lebensmittel, sondern auch die Transportkisten mitnehmen.
Karina Psoch bei der Vorstellung ihrer Fair-Teiler-Station Pavarotti im Sommer 2018. Das Angebot wird gut angenommen. Allerdings ärgert sich Psoch über die Bürger, die nicht nur Lebensmittel, sondern auch die Transportkisten mitnehmen. © Andrea Wellerdiek (A) © Andrea Wellerdiek (A)

„Ich habe schon darüber nachgedacht, die Kisten anzuschrauben. Aber das ist auch unpraktisch, weil ich die Kisten ja immer wieder brauche“, erklärt Psoch. Sie appelliert noch einmal daran, die Kisten zurück zu bringen. Ansonsten wird sie ihren Pavarotti schließen. „Und das wollen diejenigen, die die Kisten mitgenommen haben, ja auch nicht. Sie haben schließlich auch die Lebensmittel, die in den Kisten sind, mitgenommen.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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