Uta Leisentritt sucht nach Speeddating-Flop weiter Fachkräfte: „Man nimmt, was man kriegen kann“

mlzALF Fahrzeugbau

Seit rund einem Jahr sucht Uta Leisentritt mehrere Fahrzeugbauer. Vom Jobcenter und den Bewerbern beim Job-Speeddating wurde sie bitter enttäuscht. Nun geht die Suche auf anderem Wege weiter.

Werne

, 16.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kleinanzeigen, Facebook, Job-Speeddating: Uta Leisentritt setzt alle Hebel in Bewegung, um Arbeitskräfte für ihre Firma „ALF Fahrzeugbau“ zu rekrutieren. Im Durchschnitt arbeiten ihre Mitarbeiter schon seit 27 Jahren in der Firma. Einige gehen bald in Rente. Neue Arbeitskräfte sind schwer zu finden - dabei hat Leisentritt ihre Ansprüche bereits ganz weit heruntergeschraubt.

„Man nimmt, was man kriegen kann“, sagt sie. Einem Bewerber über fünfzig würde sie nicht absagen. „Alle wünschen sich junge Arbeitskräfte. Ich freue mich schon, wenn ich überhaupt welche bekomme.“ Einen Grund für ihre Personalprobleme sieht die Firmeninhaberin im Standort, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen sei.

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Das größte Problem sei jedoch ein anderes: „Der Arbeitsmarkt ist abgegrast“, sagt sie. Unter fünf Prozent der Werner arbeiten nicht. Und nur ein Bruchteil von denen sei fachlich qualifiziert. „Ob Fahrzeugbauer, Schlosser oder Industriemechaniker - mir reicht eine abgeschlossene Berufsausbildung im technischen Bereich“, so Leisentritt.

Job-Speeddating war für Leisentritt ein Reinfall

Seit einem Jahr sucht Leisentritt schon Vollzeit-Kräfte im Fahrzeugbau. Mit einem Facharbeiter sei ihr nicht geholfen: „Ich brauche fünf. Zehn wären noch besser.“

Im vergangenen Jahr suchte die Firma Außendienstmitarbeiter und wurde relativ schnell fündig. „Das war wohl Glück oder Zufall“, kommentiert Leisentritt.

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Das Jobcenter veranstaltete kürzlich ein Job-Speeddating, bei dem sich Arbeitssuchende innerhalb von zehn Minuten bei ihren potentiellen Arbeitgebern vorstellen konnten. Von 23 angemeldeten Teilnehmern erschienen 10 nicht. Zwei der Anwesenden erzählten Leisentritt, dass sie gar nicht in der Branche arbeiten wollen. Die anderen brachten nicht die nötige Qualifikation mit.

Zwei Ausbildungsplätze sind ausgeschrieben

Aktuell seien zwei Auszubildende im Betrieb beschäftigt. Für das kommende Jahr seien zwei weitere Ausbildungsplätze ausgeschrieben - aber noch keine Bewerbungen eingegangen. In puncto Azubis ist Leisentritt jedoch noch entspannt: „Es hat sich gezeigt, dass die Jugendlichen nicht mehr so weit vorausplanen und sich kurzfristiger bewerben.“

E-Mail-Bewerbungen seien bei ALF eher selten. Etwa 70 Prozent der Bewerbungen gingen dort noch in Papierform ein. „Die meisten Bewerber für feste Stellen bringen jedoch nicht die geforderte Ausbildung mit“, so Leisentritt. Und deshalb ginge ihre Suche nach Fachkräften weiter. Eins sei jedoch sicher: „Beim Job-Speeddating vom Jobcenter mache ich bestimmt nicht mehr mit. Davon habe ich die Nase voll.“

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