Clemens August Kardinal von Galen erwarb sich den Ruf des "Löwen von Münster". © Gustav Albers/Bistumsarchiv Münster
Kirche in NS-Zeiten

Als der „Löwe von Münster“ gegen Hitlers Rassenwahn predigte

Clemens August Kardinal von Galen starb vor genau 75 Jahren. Zuvor hatte sich der einstige Bischof den Ruf des „Löwen von Münster“ erarbeitet. Seine Predigten beeindruckten auch viele Werner.

Vor genau 75 Jahren, am 22. März 1946, starb Clemens August Kardinal von Galen, Bischof von Münster in den Jahren 1933 bis 1946, an einer zu spät erkannten Blinddarmentzündung. Seine letzte Ruhestätte fand er im Dom zu Münster, der damals noch gänzlich in Trümmern lag.

Clemens August wurde als elftes von dreizehn Kindern am 16. März 1878 auf der Burg Dinklage im oldenburgischen Teil des Bistums Münster geboren. Nach seiner Schulzeit im Jesuiteninternat in Feldkirch, dem Abitur in Vechta begann er sein Philosophiestudium in Freiburg in der Schweiz. Danach studierte er Theologie in Innsbruck und Münster und wurde 1904 im Dom zu Münster zum Priester geweiht.

Zwei Jahre diente er dann als Domvikar in Münster bei seinem Onkel, dem Weihbischof Maximilian Gereon von Galen. 1906 ging er als Kaplan in die Diaspora nach Berlin und wurde 1919 Pfarrer von St. Matthias in Berlin.

Gegen die kirchenfeindliche Nazi-Ideologie

Dort kam er auch oft bei seinen Besuchen mit den Problemen der Arbeitslosigkeit, der Entwurzelung und der politischen Radikalisierung in Kontakt. Als Präses der Kolpingfamilie in Berlin setzte er sich sehr für die jungen Arbeiter und Handwerker ein, die oft vom Lande in die Großstadt zogen mit all der Problematik, die ein solcher Umzug in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit sich brachte.

Im Jahre 1929, nach 23 Jahren in Berlin, wurde er als Pfarrer von Sankt Lamberti nach Münster zurückgerufen. Am 12. September 1933 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Bischof von Münster – die Bischofsweihe empfing er am 28. Oktober. Schon im Frühjahr 1934 nahm er erstmals kritisch Stellung gegen die Aussagen der nationalsozialistischen Ideologie und der Kirchenfeindlichkeit der Machthaber.

Noch heute ist Kardinal von Galen vor allem wegen seines mutigen Eintretens gegen die Euthanasiemaßnahmen während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft unter Hitler geschätzt. Er hatte im Sommer 1941 in drei Predigten mit großer Eindeutigkeit Anklage gegen die Ermordung von Kranken und gegen die Vertreibung von Ordensleuten erhoben. In einer dieser Predigten sagte er:

Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben ‚unproduktives‘ Leben zu töten (…), dann ist grundsätzlich an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben. Dann braucht nur irgendein Geheimerlass anzuordnen, dass das bei Geisteskranken erprobte Verfahren auf andere Unproduktive auszudehnen ist, dass es auch bei den unheilbar Lungenkranken, bei den Altersschwachen, bei den schwerkriegsverletzten Soldaten anzuwenden ist. Dann ist keiner von uns seines Lebens mehr sicher.

Die Predigten von Galens wurden von der Bevölkerung zum Teil mit der Hand abgeschrieben und unter Lebensgefahr millionenfach verbreitet. Durch sein mutiges Eintreten gegen die Euthanasie wurde er „Löwe von Münster“ genannt und für die ganze Welt, vor allem für die Katholiken, zur Symbolfigur des anderen Deutschlands.

Er erlebte im Zweiten Weltkrieg die schlimmsten Bombenangriffe auf seine Stadt Münster, den Dom und auf sein Haus. Nach Kriegsende wurde Clemens August wegen seines mutigen Eintretens gegen die nationalsozialistische Schreckensherrschaft zum Kardinal ernannt und er bedankte sich am 16. März 1946 auf dem Domplatz bei den mehr als 50.000 Menschen, die auf den die Straßen säumenden Ruinen standen. Sie hatten ihm nach seiner Kardinalserhebung in Rom einen triumphalen Einzug in Münster bereitet und ihn wie einen Retter begrüßt.

Ein Werner Bürger schildert seine Erinnerungen

Helmut Langenberg, der 1995 bei der ersten Geschichtswerkstatt im Werner Museum anlässlich „50 Jahre Kriegsende“ dabei war, schilderte seine Erlebnisse vom März 1946 wie folgt:

Ein großes Ereignis war 1946 für uns im Bistum Münster die Verleihung der Kardinalswürde an unseren Bischof Clemens August. Während des Krieges waren seine Hirtenbriefe und Predigten über die Grenzen des Bistums bekannt geworden. Sie wurden in mehrfachen Abschriften bis in die Schützengräben an den Fronten zwischen dem Atlantik und den Weiten Russlands versandt (…) Als am 16. März 1946 Clemens August aus Rom zurückkehrte, wollten wir unbedingt dabei sein. Wir waren Stunden vorher mit unserer katholischen Jugendgruppe auf einen der wenigen Züge, die von Werne nach Münster fuhren, gesprungen und warteten auf dem Domplatz auf ‚unseren Kardinal‘.

Er fuhr in einer offenen Kutsche, bespannt mit vier westfälischen Pferden unter unserem Jubel an uns vorbei. Ein paar Tage später erkrankte Clemens August und verstarb am 22. März 1946. Wir fuhren also wieder nach Münster, diesmal um zu trauern. Zehntausende zogen an seiner Bahre in der Sankt Mauritz-Kirche vorbei und säumten den Weg, den der Sarg auf offener Lafette nahm.

Wer noch ein Exemplar der Broschüre „Kriegsende in Werne 1945“ erwerben möchte, kann sich per E-Mail an die Vorsitzende des Fördervereins Stadtmuseum Werne wenden unter fertig-moeller@web.de.

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