Als die jüdischen Heimanns aus Werne flüchteten

Erinnerungen an 1940

1940 flüchtet die jüdische Familie Heimann aus Werne vor den Nazis nach New York. Über 40 Jahre später kommt Hannelore Heimann - die mittlerweile Adler heißt - mit Mann Howard auf Einladung der Museumsleiterin zu Besuch nach Werne, seitdem herrscht regelmäßiger Briefverkehr. Doch der aktuelle Brief hat traurigen Inhalt.

WERNE

, 28.08.2017, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit ihrem Besuch in Werne im Juni 1986 schreiben sich Familie Adler aus den USA und Familie Fertig-Möller aus Werne als Freunde regelmäßig Briefe. Auch die Stadtverwaltung, in diesem Fall Bürgermeister Lothar Christ, erhält öfter mal Post aus Übersee.

Der letzte Brief hatte leider einen traurigen Inhalt, wie Heidelore Fertig-Möller, Vorsitzende des Fördervereins Stadtmuseum und ehemalige Museumsleiterin, nun berichtet: Ihr Mann Howard Adler sei im Alter von 99 Jahren gestorben, teilte Hannelore Adler - selbst Jahrgang 1925 - mit. Sie ist eine geborene Heimann und gehört zu den wenigen Juden aus Werne, die den Holocaust überlebt haben. Was wiederum den regen Schriftverkehr mit der Lippestadt erklärt.

Albert Heimann rettete Thora-Rollen aus Werne in die USA

Die Adlers selbst besuchten Werne nur einmal, in jenem Sommer 1986, und trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Ausgangspunkt der transatlantischen Beziehungen war die Recherche der damaligen Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller gewesen, die fünf Jahre zuvor begonnen hatte, für die Sonderausstellung „Juden in Werne“ die Holocaust-Überlebenden aus Werne zu kontaktieren.

Familie Heimann kommt in der Geschichte der Lippestadt eine besondere Rolle zu: Vater Albert rettete in der Reichspogromnacht die Thora-Rollen aus der brennenden Synagoge. Nachdem er seine Tochter Julie (damals 16) bereits 1939 in die USA schicken konnte, reiste er 1940 mit dem Rest seiner Familie - Ehefrau Rosa, Töchter Hannelore (damals 14) und Ruth (12) und Sohn Herbert (10) - nach und nahm die Schriftrollen mit. Er schenkte sie der Hebrew Tabernacle Synagoge in New York, wo auch Hannelore ihren Howard heiratete. Dort befinden sich die Schriftrollen heute noch.

Grab von Großvater Hermann auf dem jüdischen Friedhof

Doch nicht nur in New York, auch in Werne ist jüdische Geschichte dank der Heimanns noch erfahrbar. Hannelores Tochter Ruth (geboren 1959) beschreibt in ihrer Bachelor-Arbeit die Verhältnisse, in denen ihre Mutter und ihre Tanten aufwachsen mussten. Das Grab von Großvater Hermann Heimann ist heute noch auf dem jüdischen Friedhof zu besichtigen.

Außerdem erinnern sechs Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus der Heimanns an das Schicksal dieser Familie.

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