Als die Schützen ihr Leben riskierten: Was heute Folklore ist, hat einen ernsten Hintergrund

mlzBSV feiert vom 5. bis 7. Juli

Das Schützenwesen in Werne hat Tradition. Das erste urkundlich erwähnte Schützenfest fand 1583 statt – 70 Jahre später belegt die Existenz einer Schützengesellschaft die Gründung des BSV.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 04.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da der Bürgerschützenverein (BSV) Werne am kommenden Wochenende (5. bis 7. Juli) sein diesjähriges Schützenfest abhält, sollte einmal auf die lange Tradition des Schützenwesens in Werne hingewiesen werden.

Die Ursprünge des Werner Schützenwesens sind untrennbar mit der Entstehung und Entwicklung der Befestigungsanlagen und der städtischen Wehrverfassung verbunden. Nach der ersten Befestigung rund um den Kirchhof im Jahr 1302 erhielt Werne 1383 von seinem Landesherrn, dem Bischof von Münster, die Erlaubnis, die ganze Stadt zu befestigen.

1475: Der erste Hinweis auf Schützen in Werne

Aber erst nach dem Überfall der Grafen von der Mark im Jahr 1400 wurde mit dem Bau einer steinernen Mauer mit doppeltem Wall- und Grabensystem, vier Toren und mehreren Türmen begonnen. Fast hundert Jahre sollte es dauern, bis diese Befestigungsanlagen 1502 rund um Werne vollendet waren.

1475 gibt es den ersten Hinweis auf Schützen in Werne, als im Krieg gegen Karl den Kühnen von Burgund Werner „Schutten (…) unsern gnedigen Heren van Munster“ zu Diensten waren. Auch in den folgenden Jahren wurden Schützen aus Werne für die Verteidigung herangezogen.

Von „jungen und olden Schutten“

Während in Friedenszeiten die Bewachung der Stadtmauer durch die Bewohner der einzelnen Schichten erfolgte, wurde in Kriegszeiten, so beschreibt es das hiesige Rottebuch, eine andere Einteilung vorgenommen.

18 Gruppen (Rotten) mit jeweils zehn Mann bewachten nun die Mauer, wovon ein Großteil aus Schützen bestand und zwar jeweils aus „jungen“ und „olden Schutten“. Diese Schützen bildeten also zu Ausgang des Mittelalters den Kern der städtischen Verteidigungstruppen.

Stadtrat verwahrt Vogel und Schützenfahne

Das erste urkundlich erwähnte Schützenfest fand in Werne im Jahr 1583 statt. Das Verzeichnis dieses „Vogelschiessens“ beweist, dass die Gesellschaft der Schützen schon länger existierte und ausgiebig als Jahreshöhepunkt ihr Schützenfest feierte.

Zwischen 1583 und 1648, also nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, gründete der Rat von Werne mehrmals, wenn es die jeweilige militärische Lage erforderte, die Schützengilde neu.

Während der meist kurzen Friedensperioden ließ er aus Sparsamkeitsgründen die Auflösung der Schützengesellschaft zu – der Vogel und die Schützenfahne wurden dann vom Stadtrat in Verwahrung genommen.

Ratsprotokolle berichten von sieben Tonnen Bier

„Eine auserlesene Mannschaft.“
Aus „Die Wehrverfassung der Stadt Werne“

Insgesamt waren die Werner Schützen „eine auserlesene Mannschaft, der Kern des Bürgeraufgebots bei der Verteidigung der Stadt und bestimmt und verpflichtet zu den Unternehmungen innerhalb und ausserhalb der Stadtmauer“, so schreibt Hermann Pohlschmidt in der Schrift „Die Wehrverfassung der Stadt Werne“.

Nach dem 30-jährigen Krieg schwand die militärische Bedeutung der Schützengesellschaften immer mehr, da die Kriege fast nur noch mit Berufssoldaten geführt wurden.

Am 30. Juli 1653, so wird in den Ratsprotokollen berichtet, erhalten die „alten und jungen Schutten“ sieben Tonnen Bier vom Rat geschenkt. Diese Eintragung im Ratsprotokoll belegt somit die Existenz einer Schützengesellschaft im Jahr 1653 und wird gleichzeitig vom heutigen Bürgerschützenverein mit dem Beginn seiner Existenz gleichgesetzt.

Als die Schützen ihr Leben riskierten: Was heute Folklore ist, hat einen ernsten Hintergrund

Schützenkette des Junggesellenschützenvereins aus dem Stadtmuseum. © Stadtmuseum

Ab 1693 sind alle Schützenkönige bekannt, die älteste Plakette mit dem Namen eines Schützenkönigs (E. Lepper) stammt aus dem Jahr 1696 und ist an der Schützenkette im Stadtmuseum Werne zu bewundern.

Fast jährlich ein Schützenfest

Im 18. Jahrhundert fand fast jährlich ein Schützenfest mit der Krönung eines Schützenkönigs statt. Im 19. und 20. Jahrhundert gab es dann in Werne zwei große Schützengesellschaften innerhalb der Stadt Werne: die seit Jahrhunderten existierenden Junggesellenschützen und der 1828 gegründete Bürgerschützenverein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg feierte im Jahr 1950 der Junggesellen-Schützenverein sein letztes Schützenfest – die langjährige Tradition der Junggesellenschützen wurde vom Bürgerschützenverein Werne übernommen, im Jahr 1976 mit dem Zusatz „von 1653“.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Autos in Spielstraßen

„Ich werde mich bessern“: Kita-Kinder kontrollieren mit der Polizei Raser in der Spielstraße