Pflege- und Altenheime dürfen keinen Besuch mehr empfangen: „Die Bewohner sind sehr bedrückt“

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Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden, sagte Ministerpräsident Armin Laschet. Werner Altenheime schließen die Türen.

Werne

, 14.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Nachricht traf uns wie ein Schlag“, schildert Rudolf Voß, Leiter des Altenheims St. Katharina, die Situation. „Wir mussten uns erst einmal zusammensetzen und planen, wie wir damit umgehen wollen. Der ganze Tag drehte sich nur um Corona.“

Nach dem Erlass der Landesregierung dürfen Pflege- und Altenheime von nun an aus Gründen des Infektionsschutzes keine Besucher mehr empfangen - und das auf unbestimmte Zeit. Nur in dringenden Fällen, beispielsweise bei Sterbenden, seien Ausnahmen möglich.

Verschärfte Zutrittsbedingungen schon vor dem Erlass

Im Altenheim St. Katharina am Becklohhof hatten sich die Zutrittsbedingungen in den vergangenen Tagen bereits verschärft. Lediglich der Haupteingang wurde für Gäste geöffnet. Besucher schrieben sich in eine Liste ein, damit im Falle einer Infektion Kontaktdaten vorhanden seien.

Außerdem mussten sich alle Besucher zwingend die Hände desinfizieren. Ähnlich liefe es laut Mitarbeiterin Doris Muck aktuell im Seniorenzentrum Antonius. Wie es dort weitergehen soll, war zum Zeitpunkt unserer Anfrage am Freitagnachmittag noch unklar.

Kein Besuch mehr und reingereichte Kleidung durch eine Schleuse

Zurück zu St. Katharina: Am Freitagmorgen, 13. März, gab es bereits weitere Einschränkungen: Nur eine feste Kontaktperson pro Bewohner sollte in das Gebäude gelassen werden. Mit dem Erlass des Ministerpräsidenten wurde dieses neue Konzept direkt zerrüttelt.

„Stand der Dinge ist nun, dass wir nun gar keinen Besuch mehr herein lassen“, so Voß. Angehörige dürfen den Bewohnern Gegenstände wie Kleidung durch eine Schleuse hereinreichen - ob und wie diese Gegenstände desinfiziert werden, sei noch unklar. Am Montag ginge laut Voß ein Brief an die Angehörigen heraus, um die Lage zu erklären. Darin sei auch eine Telefonnummer für alle Fragen vermerkt.

Stimmung unter den Bewohnern ist im Keller

„Ich bin vorhin durch das Haus gegangen und die Stimmung unter den Bewohnern war sehr gedrückt. Immer wieder kam von ihnen die Frage, bis wann sie denn keinen Besuch kriegen könnten. Und dann muss ich leider antworten, dass ich das nicht weiß“, berichtet Voß von der Situation in St. Katharina.

„Manche der Bewohner sind gut vernetzt, haben Telefone und Tablets. Andere sind aber eher der Technik fern“, fügt er hinzu.

Bewohner werden nun besonders beschäftigt

Deshalb erarbeite das Team nun neue Beschäftigungsmöglichkeiten und Aktivitäten für die Bewohner. „Zum Glück haben wir einen großen Garten, sodass wir mit unseren Bewohnern wenigstens an die frische Luft gehen können. Altenheime in der Dortmunder Innenstadt beispielsweise trifft es da noch viel härter“, so Voß.

„Das Robert-Koch-Institut meldet, dass bis zur Eindämmung des Virus ein Jahr vergehen kann - so lange können wir aber definitiv nicht geschlossen bleiben“, sagt der Leiter von St. Katharina. „Wie es sich weiter entwickelt, weiß niemand. Wir müssen das jetzt durchleben.“

Nur eingeschränkte Besuche im Christophorus-Krankenhaus

Am Werner Christophorus-Krankenhaus wäre ein völliges Besuchsverbot „schwer umsetzbar“, wie Standortleiter Ludger Risse erklärt. Besuche seien wichtig für die Patienten. Um sich vor möglichen Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen, habe man bereits seit Donnerstag, 5. März, die Patientenbesuche beschränkt auf jeweils einen Besucher pro Patient pro Tag. Außerdem ist die Cafeteria für auswärtige Gäste seit Freitag, 13. März, geschlossen. „Mit diesen Lösungen können wir zurzeit gut umgehen. Wir sehen, dass das gut läuft“, erklärt Risse.

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