Job und Familie unter einen Hut zu bekommen: Dafür können auch Arbeitgeber eine ganze Menge leisten. Wie es um die Werner Arbeitgeber in Sachen Familienfreundlichkeit steht, haben wir erfragt. © Montage Klose
Familienfreundliche Unternehmen

Arbeit und Familie: So familienfreundlich sind die Unternehmen in Werne

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern in Sachen Familienfreundlichkeit entgegenkommen können. Wir haben uns umgehört, wie Unternehmen in Werne mit dem Thema umgehen.

Arbeiten neben dem Familienleben, Fortbildungen in der Elternzeit oder sogar eine Beförderung: Eine Studie des Bundesfamilienministeriums ist 2019 zu dem Ergebnis gekommen, dass immer mehr Unternehmen in Deutschland sich bemühen, ihren Mitarbeitern mit familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen entgegenzukommen.

Im Vergleich zur vorangegangenen Studie aus dem Jahr 2015 gaben 45,9 Prozent und damit 4,7 Prozent mehr Unternehmen an, ihren Betrieb als familienfreundlich einzustufen. Das Ergebnis auf Arbeitnehmerseite fiel etwas niedriger aus: mit 36,1 Prozent in 2015 und 39,4 Prozent in 2019. Luft nach oben besteht also trotz aller Bemühungen.

Wir wollten von den Werner Unternehmen wissen, wie sie ihren Arbeitnehmern in Sachen Familienfreundlichkeit entgegenkommen: Für diesen Vergleich haben wir das St.-Christophorus-Krankenhaus, die Firmen Klingele, Uniferm, Böcker, RCS Entsorgung, Rollex, die Stadt Werne, Amazon, die Hörmann KG und Thermo Sensor als einige der größten Arbeitgeber in der Stadt mit identischen Fragen angeschrieben und ihnen mehrere Tage zum Antworten gegeben. Zurück gemeldet haben sich Thermo Sensor, die Hörmann KG und Amazon. Die Firma Uniferm erklärte auf Nachfrage, die Fragen aus Kapazitätsgründen derzeit nicht beantworten zu können.

Die Firma Thermo Sensor:

Das Unternehmen Thermo Sensor aus Werne mit 220 Mitarbeitern setzt sich nach eigenen Angaben seit der Firmengründung 1994 für eine familienfreundliche Arbeitskultur ein. „Unsere Mitarbeiter sollen gerne zur Arbeit kommen“, sagt Prokuristin Birthe Dobslaff.

Auf die Frage, inwiefern es den Mitarbeitern ermöglicht wird, Familie und Job in Einklang zu bringen, erklärt die Prokuristin: „Wir haben ein äußerst flexibles Arbeitszeitsystem, der Großteil unserer Mitarbeitenden kann sich seine/ihre Arbeitszeiten komplett frei wählen und der familiären Situation anpassen (gilt z.B. für alle Produktionsmitarbeiter/innen). Bei Bedarf und Möglichkeit wird Home Office angeboten.“

Durch die flexiblen Arbeitszeiten habe der Arbeitnehmer jederzeit die Möglichkeit, ein Meeting abzusagen ohne sich rechtfertigen zu müssen und einen anderen Termin vorzuschlagen. Eine Kinderbetreuung im Betrieb gibt es derzeit nicht: „Würden wir aber gerne, die Planungen sind allerdings noch sehr vage.“ Eltern-Kind-Büros gibt es im Unternehmen nicht.

Darüber hinaus bietet Thermosensor folgende Angebote: Kinderbetreuungszuschuss, Weiterbildungsmöglichkeiten während der Elternzeit, Lohnfortzahlung bei Krankheit eines Kindes, Sonderurlaub für Väter zur Geburt (nicht zur Einschulung). Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen, die Vermittlung von Tagesmüttern oder Kita-Plätzen oder eine Ferienbetreuung bietet das Unternehmen nicht an. Auch wenn es bei letzterem Punkt den Wunsch gebe, „mittel- und langfristig gesehen, ein Angebot zu schaffen“, so Dobslaff.

Zum Thema Elternzeit-Regelungen für Mütter sagt Dobslaff, dies werde individuell festgelegt. „Da ist von 6 Monaten bis 6 Jahren (bei mehreren Kindern) alles dabei.“ Zu den Elternzeit-Regelungen für Väter heißt es: „Hierfür gibt es keine fixe Regelung, dies wird individuell besprochen. Häufig nehmen unsere Väter einen Monat zur Geburt und ggfs. einen weiteren Monat, um den ersten Geburtstag herum.“

Darüber hinaus haben die Mitarbeitenden die Möglichkeit, für ihre Angehörigen Mittagessen mitzunehmen. „Dies wird auch rege genutzt und entlastet viele unserer angestellten Mütter oder Frauen unserer Mitarbeiter“, so Dobslaff. „Darüber hinaus haben wir eine betriebliche Altersvorsorge für unsere Mitarbeiter, die wir, abhängig von der Betriebszugehörigkeit, bezuschussen.“

Die Hörmann KG:

Am Hörmann-Standort in Werne arbeiten derzeit 212 gewerblich-technische und 46 kaufmännische Mitarbeiter/innen. „Als Familienunternehmen ist uns eine familienfreundliche Arbeitskultur besonders wichtig“, heißt es von der Unternehmenssprecherin Sophie Eiling. Mitarbeiter mit Kindern unter 8 Jahren bekommen hier 8 Tage im Jahr zusätzlich frei. „Weiterhin zeigen wir uns auch in der Arbeitszeitgestaltung besonders flexibel. Zudem erhalten Mitarbeiter/innen, die aufgrund der Erkrankung des Partners mit der Kinderbetreuung für einen kurzen Zeitraum auf sich allein gestellt sind, zwei Tage bezahlten Pflegeurlaub.“

Zu der Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf heißt es: „Die Einsatzplanung wird dabei unter Berücksichtigung der betrieblichen Erfordernisse, aber auch immer auf die des Mitarbeiters abgestimmt. Zudem können Mitarbeiter ihre Schichten tauschen, sodass wir eine größtmögliche Flexibilität für die privaten Erfordernisse erfüllen können. Für unsere kaufmännischen Angestellten ist es möglich – soweit es der Aufgabenbereich erlaubt – aus dem Home Office zu arbeiten. Im Bürobereich gelte grundsätzlich Gleitzeit. Die Kernarbeitszeit könne nach Absprache in Ausnahmefällen angepasst werden. In der Produktion seien die Mitarbeiter an die Fertigungsabläufe gebunden. „Trotzdem haben auch hier die Mitarbeiter die Möglichkeit, zwischen Früh- und Spätschicht zu wechseln.“

Und weiter: „Für die Mitarbeiter/innen ist es jederzeit möglich, einen Antrag auf Teilzeit zu stellen. Bislang haben wir jeden Antrag bewilligt. Eine Rückkehr in die Vollzeit oder eine teilweise Erhöhung der Stunden, zum Beispiel nach der Elternzeit, ist nach Absprache selbstverständlich möglich.“

Eine Erfordernis für Eltern-Kind-Büros sehe das Unternehmen derzeit nicht. Alternativen Lösungen zum Home Office gegenüber sei man aber aufgeschlossen. „Meetings werden gemeinsam abgesprochen und mehrheitlich in die Vormittagsstunden gelegt. Dienstreisen werden ebenfalls im Vorfeld abgesprochen und entsprechend der Bedürfnisse der Beschäftigten terminiert“, so Eiling weiter.

Die Hörmann KG unterstützt Mitarbeiter in folgenden Bereichen: Pflege von Angehörigen, Kinderbetreuungszuschuss, Weiterbildung während der Elternzeit, Lohnfortzahlung bei Krankheit eines Kindes begrenzt auf zwei Tage, sofern der Partner krankheitsbedingt ausfällt. Nicht angeboten werden die Vermittlung von Tagesmüttern, Kita-Plätzen oder Ferienbetreuung.

Väter bekommen zur Geburt zwei Tage bezahlten Sonderurlaub. „Väter können jederzeit Elternzeit beantragen. In der Regel werden von unseren Beschäftigten zwei Monate Vaterschaftsurlaub in Anspruch genommen.“ Auch Mütter könnten jederzeit Elternzeit beantragen. „Dabei existieren keine festen Regelungen hinsichtlich der Elternzeit. In diesen Fällen kommen wir den Wünschen der Mitarbeiterinnen nach.“

In dem Unternehmen gebe es unterschiedlichste Arbeitszeitmodelle und arbeitsvertragliche Vereinbarungen, die speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmt seien, so Eiling.

Amazon:

Amazon beschäftigt in Werne 1700 Mitarbeitende. „Wir versuchen seit Jahren, Mitarbeitern*innen ein Angebot zu machen, so dass sie Familie und Arbeit vereinbaren können“, sagt Pressesprecher Thorsten Schwindhammer. „Grundsätzlich können Mitarbeiter*innen mit uns über eine Änderung der Schichtpläne sprechen, um eine Kinderbetreuung zu vereinfachen (z.B. eine dauerhafte Spätschicht). Wir versuchen gemeinsam mit dem Betriebsrat, unsere Mitarbeiter*innen bestmöglich zu unterstützen.“

Im operativen Bereich biete Amazon ein Drei-Schicht-Modell an (Früh-,Spät-, Nachtschicht). „Weiterhin haben wir eine Teilzeit-Betriebsvereinbarung, in der verschiedene Teilzeitmodelle angeboten werden. Der Tausch von Schichten ist nach Absprache möglich. Home Office ist für Teile der Supportfunktionen (z.B. Finanzabteilung, Einkauf oder Regionalpositionen) möglich.“ In der Teilzeit-Betriebsvereinbarung gebe es ein gesondertes Betreuungsschichtmodell. Der Wechsel zwischen Teil -und Vollzeit sei möglich, sofern keine betriebliche Belange dem entgegenstehen.

Im Supportbereich sei es für die Mitarbeitenden möglich, selbst Einfluss auf die Planung ihrer Termine zu nehmen, um so Familie und Beruf aufeinander abzustimmen. „Während der Pandemie setzen wir vor allem auf Calls bzw. Videocalls.“ Eine Kinderbetreuung bietet Amazon vor Ort nicht an, ebenso wenig Eltern-Kind-Büros, Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen, der Vermittlung von Tagesmüttern und Kita-Plätzen oder Ferienbetreuung. „Amazon bietet seit 2016 einen Familienbonus bei der Geburt und für Eltern in Elternzeit.“

Jenseits der neuen gesetzlichen Regelung (Kinderkrankengeld) biete Amazon im Krankheitsfall des Kindes pro Jahr fünf bezahlte Kind-Krank-Tage für seine Arbeitnehmer an. Unabhängig von der Elternzeit biete Amazon seien Mitarbeitenden ein Weiterbildungsprogramm an, in dem bis zu 95 Prozent von bis zu maximal 8000 Euro an Kosten übernommen wird.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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