Ausbildungsbeginn mitten in Corona-Krise - Werner ist Azubi am Amtsgericht

mlzAusbildung in Werne

Mitten in der Corona-Krise hat der Werner Maximilian Schneider eine Ausbildung zum Justizfachangestellten angefangen. Uns hat er einen Einblick in seinen besonderen Alltag gegeben.

von Jana Peuckert

Werne, Kamen

, 30.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist kurz nach 7 Uhr. Maximilian Schneider aus Werne steht im Amtsgericht Kamen vor einem Regal mit Akten. Er zieht eine heraus, liest konzentriert darin. Seit knapp zwei Monaten beginnen auf diese Weise sein Montag, Donnerstag und Freitag.

Der 20-Jährige ist Auszubildender zum Justizfachangestellten. Dienstags und mittwochs besucht er die Berufsschule. Nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr habe er zunächst nicht so recht gewusst, wohin die berufliche Reise für ihn gehen soll, so der 20-Jährige. Eine Bekannte habe ihn auf die Ausbildung des Justizfachangestellten aufmerksam gemacht. Nachdem er sich genauer über den Inhalt der Lehre informiert hatte, war sein Interesse geweckt.

Er bewarb sich im Internet und wurde zum Eignungstest ins Amtsgericht Kamen eingeladen. Etwa drei Stunden lang beantwortete er Fragen zum Allgemeinwissen, löste Mathematikaufgaben und schrieb ein Diktat. Schon kurze Zeit später folgte eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Dort hinterließ der Werner einen guten Eindruck und durfte schließlich seinen Ausbildungsvertrag unterzeichnen.

Junge Menschen konnten Ausbildungen in Corona-Krise nicht antreten

Seit dem 3. August sitzt er nun Muhammed Karadag aus Bergkamen am Schreibtisch gegenüber. Der 21-Jährige begann zunächst ein Informatik- und Philosophiestudium, das ihm aber keinen Spaß machte. Auf einer Ausbildungsmesse hatte er vom Beruf des Justizfachangestellten gehört. Genau wie Maximilian Schneider absolvierte auch er die Einstellungsphasen im Gericht mit Bravour.

Amtsgerichtsdirektor Martin Vervoort ist froh, dass er den beiden jungen Männern die Chance, beim Amtsgericht Kamen zu lernen, ermöglichen kann. Das sei aufgrund von Corona ja nicht selbstverständlich, sagt er. So habe er aus den Medien erfahren, dass junge Menschen in einigen Betrieben trotz Zusagen ihre Lehrstelle nicht antreten konnten.

Im Amtsgericht Kamen wird genau auf die Corona-Vorschriften geachtet. „Hier bei der Justiz muss es ja weitergehen“, sagt Vervoort. Es müssten Erbscheine ausgestellt, Unterbringungen entschieden und Betreuungen eingerichtet werden. Und gerade zu Zeiten von Corona spiele der Gewaltschutz eine große Rolle. „Da brauchen wir gute Leute“, sagt er.

Damit die Auszubildenden später gute Mitarbeiter werden, bringen die Ausbilderinnen Sabine Escher und Jessica Timme den Neuankömmlingen alles Wichtige bei. Die Auszubildenden durchlaufen während ihrer zweieinhalbjährigen Lehrzeit sämtliche Stationen im Gericht also Zivilsachen, Familiensachen, Strafrecht, und sie schnuppern zudem in die Arbeit der Staatsanwaltschaft hinein. „Wenn sie fertig sind mit der Ausbildung, sind sie in jedem Bereich einsetzbar“, hebt Martin Vervoort den Vorteil der Ausbildung hervor. Sabine Escher ergänzt, dass die einstigen Auszubildenden dann auch problemlos in anderen Gerichten und bei der Staatsanwaltschaft arbeiten könnten.

„Die Akten sind ja nur eine Seite, wir arbeiten hier mit Menschen“

Auch, wenn es sich um die Justiz handelt, erklärt Martin Vervoort, sollte niemand Angst haben, sich zu bewerben. Das Abitur sei keine Voraussetzung. Mittlere Reife genüge. Letztlich käme es nicht immer auf die Zensuren an, sondern darauf, wer gut ins Team passe und wer sich im Umgang mit anderen beweisen kann. Denn: „Die Akten sind ja nur eine Seite, wir arbeiten hier mit Menschen“, erklärt er.

Für Maximilian Schneider ist der Beruf des Justizfachangestellten offenbar die richtige Wahl. „Ich mag den Bezug auf die Gesetze. Da weiß man immer, was zu tun ist. Es macht mir wirklich Spaß.“

Die Bewerbungsfrist für das kommende Jahr läuft noch bis Anfang November. Bewerbungen sind ausschließlich online möglich. Das entsprechende Formular ist unter www.justiz-ausbildung.nrw zu finden.

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