„Jetzt red ich“: Ausstellung zeigt Wertevorstellung Werner Jugendlicher

mlzAusstellung

Gut ein halbes Jahr haben die Vorbereitungen gedauert. Seit dem 1. Februar bis zum 1. März können sich Besucher im Stadthaus die Ergebnisse des Wertevermittlungs-Projektes anschauen.

Werne

, 07.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Groß und bunt springt das Plakat im Foyer des Stadthauses jedem Besucher ins Auge: „Jetzt red ich“ verkündet eine weiße Sprechblase auf lila-blau-gelbem Hintergrund. Wer worüber spricht zeigt die Ausstellung, die das städtische Jugendamt in Kooperation mit der Jugendhilfe Werne im vergangenen halben Jahr vorbereitet hat.

Es geht um Wertevorstellungen. Wie stehen deutsche und zugewanderte Jugendliche zu Themen wie Familie und Freundschaft? Was würden sie tun, wenn sie König von Deutschland wären? Oder was bedeutet Heimat für sie? Insgesamt zehn Themen kamen in den Interviews für die Ausstellung zur Sprache.

Anonymisierte Aussagen regen zum Nachdenken an

Der Start des Rundganges durch die Ausstellung zeigt Impressionen der Gespräche, die der Werner Schauspieler Ludger Burmann im Herbst mit den Jugendlichen geführt hat. Was sie gesagt haben, kann man bei einem Gang durch die Ausstellung herausfinden. Wer es gesagt hat, jedoch nicht. Die Aussagen sind anonymisiert.

Auf weißen Leinwänden stehen unter großen Überschriften die Antworten, die die Jugendlichen auf die verschiedenen Themen gegeben haben. Was ist deine größte Angst, heißt es dort. „Dass auf einmal meine Familie und meine Freunde weg sind und ich alleine bin“, hat einer geschrieben. „Vor meinem Vater und meinem Bruder“, steht an anderer Stelle.

Die Aussagen sind kurz und prägnant. Teils ausführlich, teils kindlich einfach. Sich die Person vorzustellen, die die Antworten im Interview gegeben hat, scheint schlicht unmöglich. Nachdenklich stimmen sie, auch ohne oder gerade weil man nicht weiß, wer was gesagt hat.

Die Antworten überzeugen durch Ehrlichkeit

„Wir waren in Syrien und in der Türkei. Ich habe viele tote Menschen gesehen.“ Dass dies die Antwort eines Kindes oder Jugendlichen auf die Frage nach dem schlimmsten erlebten Ereignis ist, möchte man sich auch gar nicht vorstellen. Aber man sollte es. Denn was alle Aussagen gemeinsam haben, ist die unverfälschte Ehrlichkeit, die sie dem Betrachter bieten.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Rundgang durch die Ausstellung "Jetzt red ich"

06.02.2019
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Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann
Die Ausstellung "Jetzt red ich" im Stadthaus zeigt Wertevorstellungen Werner Jugendliche und junger Flüchtlinge.© Julian Reimann

Die Jugendlichen haben nichts beschönigt, egal wie schwierig oder abstrakt die Themen waren. Auch dann nicht, wenn es um Themen wie das Geschlecht geht und um einen hypothetischen Geschlechtertausch. Manche Aussagen sind ernst und tiefsinnig, andere bringen einen zum Schmunzeln. Beispielsweise dann, wenn die Befragten überlegen, wie sie wohl zur Toilette gehen würden.

In manchen Punkten sind sich die Jugendlichen einig, in manchen gehen die Vorstellungen weit auseinander. Das liegt sicher auch an der Herkunft. Bei den Zukunftsvorstellungen hat einer sich gewünscht, ein großer Ingenieur zu werden und viel Geld zu verdienen. Ein anderer wünscht sich, dass die Kriege zu Hause aufhören, damit er oder sie „Omi und Opi wiedersehen könnte“. Manche wollen Fußballer werden, einer will zur Bundeswehr.

Kulturelle und soziale Grenzen sollen überwunden werden

Die Ausstellung zeigt keine richtigen oder falschen Wertevorstellungen. Sie zeigt nur Unterschiede und Gemeinsamkeiten, ohne dabei mit dem Finger zu zeigen oder zu kritisieren. Auch Besucher können ihren Teil dazu beitragen: An jedem Wandstück gibt es Stifte, um die eigenen Vorstellungen hinzuzufügen.

Komplettiert wird die Ausstellung durch die Bilder der befragten Kinder und Jugendlichen. Der Berliner Fotograf William Veder hat alle fotografiert. Im Gegensatz zu den Aussagen stehen hier Name und Alter neben den Bildern. Man steht davor und fragt sich bei jedem einzelnen: Was genau waren deine Vorstellungen, deine Antworten auf die verschiedenen Fragen?

Eine Antwort auf die Frage gibt die Ausstellung nicht. Soll und will sie auch nicht. Sie möchte vielmehr anregen. Zum Nachdenken und zum Diskutieren. Zum Schmunzeln und zum Mitmachen. Oder wie es die Veranstalter selbst sagen: „Kulturelle und soziale Grenzen sollen überwunden werden.“ Ein ambitioniertes Ziel, zu dem die Ausstellung sicher ihren Teil beisteuern kann.

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