Käufer aus ganz Europa holen ihre Autos persönlich in Werne und fahren Hunderte Kilometer

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Sie kommen aus Frankreich, der Ukraine, Spanien und Italien: Aus ganz Europa reisen Käufer an, um ihr Auto beim Werner Autohaus Schmidt zu kaufen. Sie nutzen die Preise in Deutschland.

Werne

, 23.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den Urlaub nach Deutschland zu kommen, kann man sich gut vorstellen: Natur, Schlösser und Veranstaltungen locken Touristen an. Doch extra für den Autokauf nach Deutschland reisen?

Klingt weit hergeholt, doch in Werne geben sich Autokäufer aus dem europäischen Ausland die Klinke in die Hand. Satte 10 Prozent machen sie an den Verkäufen beim Autohaus BMW Schmidt aus.

In anderen Ländern gibt es kaum Ängste vor Diesel-Verboten

„Vor ein paar Tagen ist ein Arzt aus Frankreich angereist, um sein Auto abzuholen, jetzt habe ich einen Wagen an einen Abnehmer aus der Ukraine verkauft“, sagt Verkäufer Marc Oßwald (42) im Gespräch mit dieser Redaktion.

Doch warum nehmen die Käufer die Reise von Hunderten Kilometern auf sich, um ein Auto in Werne zu kaufen und abzuholen, das es genauso gut in ihrer Heimat gibt?

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Der Preis ist das Hauptargument für die europäischen Autokäufer. Durch die Debatte rund um die Dieselfahrzeuge seien die Preise von beispielsweise Euro-5-Fahrzeugen in Deutschland stark gesunken, so Oßwald. „Fahrzeuge, von denen viele Kunden denken, die wären unverkäuflich.“

Doch selbst Euro-6-Autos, von denen Leute denken, dass sie damit auch zukünftig in die Innenstädte fahren können, seien günstig zu erwerben, so Oßwald.

In anderen Ländern gibt es noch keine Ängste vor Diesel-Verboten, also machen sich die Käufer die fallenden Preise zunutze - und das Werner Autohaus mit dem Hauptsitz in Lünen profitiert davon.

Das BMW-Autohaus Schmidt verkauft viele Gebrauchtwagen ins Ausland.

Das BMW-Autohaus Schmidt verkauft viele Gebrauchtwagen ins Ausland. © Mario Bartlewski

„Wir sind Premiumhändler und bekommen besonders viele Fahrzeuge von BMW und können diese deshalb zu einem guten Preis anbieten“, so Oßwald. Dafür nutze man Online-Fahrzeugmärkte wie mobile.de, Autoscout und ähnliche. „Wir drehen die Autos schnell“, sagt Oßwald und meint damit die Verkaufsphilosophie: Gebrauchte Autos einkaufen und schnell wieder verkaufen.

Deutschlandweit biete man laut eigenen Aussagen mit die besten Preise für BMW an - und damit aufgrund der Diesel-Debatte auch europaweit. Durch den transparenten Preisvergleich in den Online-Portalen werde das Werner Autohaus dann auch Interessenten aus dem Ausland angezeigt.

Online-Kauf ohne persönlichen Blick auf den Wagen

„Wir probieren nicht aus, ob wir die Preise höher setzen können. Wir setzen die Preise so an, dass sie für Käufer möglichst interessant sind“, sagt Oßwald. Und das funktioniert.

In vielen Fällen folgt die Abwicklung des Verkaufs komplett über das Internet. Der Käufer entscheidet sich für ein Fahrzeug und zahlt dieses, ohne es zuvor selbst gesehen zu haben.

„Ich selber würde es mir glaube ich zweimal überlegen, ein Auto zum Beispiel in Frankreich zu kaufen, das ich noch nie selbst gesehen habe und bei einem Händler, von dem ich noch nie etwas gehört habe“, sagt Oßwald. Doch die Interessenten seien so mobil wie niemals zuvor.

Re-Import-Autos liegen im Trend

Damit trotzt das Autohaus einem Trend: Denn viele Kunden in Deutschland sind auf der Suche nach EU-Re-Importen. Also Autos, die in Deutschland hergestellt wurden, in anderen EU-Ländern verkauft werden sollten, aber nun nach Deutschland re-importiert werden.

Dabei sparen Kunden bis zu 30 Prozent. Der Grund: „Die Hersteller gehen da nach der Kaufkraft der Bevölkerung“, sagt August Schürenstedt, Vorsitzender des Bundesverbandes freier Kfz-Importeure. Doch im Autohaus Schmidt setzen die Verantwortlichen auf das genaue Gegenteil.

Kunden werden am Flughafen abgeholt

Mit dem Flugzeug reisen viele der Kunden an. Sie landen beispielsweise in Dortmund und Mitarbeiter des Autohauses holen sie vom Flughafen ab und fahren sie nach Werne. Zurück fahren sie die Strecke dann mit dem neuen Fahrzeug.

Hauptabnehmer sind dabei selten ausländische Autohäuser, sondern häufig Direktkunden. Das habe sich erst im Laufe der Zeit verändert. Darauf hat sich das Autohaus eingestellt.

Früher seien ausländische Händler nämlich mit Sattelzügen in Deutschland umher gefahren. „Und wenn sie noch zwei Plätze für Autos frei hatten, haben sie noch was mitgenommen“, so Oßwald.

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