Beate Schmidts (54) ganz große Freiheit auf knapp 14 Quadratmetern

mlzWohnmobile in Werne

Die gepflasterte Stellfläche am Ende des Solebad-Parkplatzes sieht nicht unbedingt nach Paradies aus. Für Beate und ihren Mann Andreas (59) Schmidt bedeutet sie aber die ganz große Freiheit.

Werne

, 01.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist die Freiheit der Wohnmobilisten und Camper. Der Menschen, die mit ihren bewohnbaren Kisten immer auf Achse sind. „Heute hier, morgen dort. Diese Freiheit ist unbezahlbar“, sagt Beate Schmidt. Und fügt mit einem strahlenden Lächeln hinzu: „Der Weg ist das Ziel.“

Beate Schmidts (54) ganz große Freiheit auf knapp 14 Quadratmetern

„Der Weg ist das Ziel." Andreas (59) und Beate (54) Schmidt lieben die Ungebundenheit des Camping-Urlaubs. © Jörg Heckenkamp

Die Schmidts müssten nicht unbedingt auf dem Wohnmobilistenplatz Am Hagen stehen. Sie haben Familie in Werne und könnten auf deren Gelände parken. Beate Schmidt ist eine geborene Hubracht, von der Obst- und Gemüse-Familie an der Stockumer Straße. „Dort haben wir in den vergangenen Jahren bei Familienbesuchen auch immer gestanden“, sagt die 54-Jährige.

Beate Schmidt zieht’s mit dem Wohnmobil zum neuen Solebad

Doch nun hat das neue Solebad neue Fakten geschaffen. „Ich gehe gerne Schwimmen, daher haben wir dieses Jahr zum ersten Mal diesen Stellplatz genutzt.“ Drei Tage sind sie dort. Die sind angefüllt mit Familienbesuchen, Ausflügen, Spaziergängen, Schwimmen, Entspannen. „Wir haben unsere Fahrräder dabei und sind mobil.“ Ein Ausflug zur Marina Rünthe etwa „ist ja ein Klacks“.

Beate Schmidts (54) ganz große Freiheit auf knapp 14 Quadratmetern

Alles gut verstaut: Die Schmidts haben seit 20 Jahren Erfahrung mit Wohnmobilen. © Jörg Heckenkamp

7,20 mal 2,30 Meter. Das ist die Grundfläche ihres rollendes Heimes. Knapp 14 Quadratmeter zählt das Zuhause auf Zeit des Ehepaars. Für drei Wochen. Ist das nicht ein bisschen beengt? „Als unsere Töchter noch kleiner waren, haben wir unser Wohnmobil sogar zu viert genutzt“. Nach kurzer Pause ergänzt sie: „Man muss es lieben.“

Liebe zum Wohnmobil nicht auf den ersten Blick

Die Liebe kam nicht auf den ersten Blick. Gatte Andreas stammt zwar aus einer Camping-begeisterten Familie. Doch der Einstieg ins ungebundene Leben war vorsichtig. „Wir haben uns fünf Jahre lang Wohnmobile gemietet, um zu schauen, ob das was für uns ist.“ Es war was für sie. Und so schaffte sich die Familie vor 15 Jahren ihren eigenen Wagen an.

Beate Schmidts (54) ganz große Freiheit auf knapp 14 Quadratmetern

Glück auf 14 Quadratmetern: Beate Schmidt in ihrem Wohnmobil. © Jörg Heckenkamp

Wer so einen heute erstehen möchte, müsste je nach Ausstattung 80.000 bis 100.000 Euro auf den Tisch blättern. „Wir hoffen, dass er mindestens noch fünf bis zehn Jahre hält“, wünscht sich Beate Schmidt.

Zwar setzen sie und ihr Mann sich auch gerne mal in einen Flieger und düsen in wärmere Gefilde. „Aber wenn ich wählen müsste“, sagt Beate Schmidt mit leichtem Stirnrunzeln, „würde ich mich immer fürs Campen entscheiden“.

Drei Tage waren die Schmidts auf dem Stellplatz am Hagen

Drei Tage, wie gesagt, verbrachten sie auf dem Stellplatz am Hagen. Fünf Euro beträgt die Tagesmiete. Strom käme extra: „Brauchen wir aber nicht“, sagt Gatte Andreas, „wir haben Sonnenkollektoren“. Ein großer Frischwassertank sowie WC und Dusche an Bord machen das Paar autark. „Ich liebe diese Freiheit“, sagt Beate Schmidt noch einmal.

Beate Schmidts (54) ganz große Freiheit auf knapp 14 Quadratmetern

Drei Tage verbrachte das Ehepaar Schmidt auf dem Stellplatz Am Hagen, Nähe des Solebades. Beate Schmidt geht gerne schwimmen. © Jörg Heckenkamp

„Das ist wirklich unbezahlbar“, ergänzt ihr Mann. Sie: „Wir sind schon oft losgefahren und nicht dort angekommen, wo wir hinwollten.“ Er: „Weil wir unterwegs nette Leute kennengelernt haben und einfach noch geblieben sind.“ Sie: „Oder, weil es unterwegs so schön war.“ Er: „Wir müssen nie buchen, fahren von Stellplatz zu Stellplatz, wann wir wollen.“ Sie: „Man muss dafür geboren sein.“

Der gepflasterte Stellplatz am Hagen, auf den ersten Blick etwas trist, hat es dem Unternehmensberater und seiner vielfältig ehrenamtlich engagierten Frau dennoch angetan. „Hier hinter uns“, Andreas Schmidt zeigt über die Schulter, „sind direkt die Saline und der Stadtpark.“ „Und es ist so ruhig hier. Wir schlafen hier richtig gut“, sagt Beate Schmidt.

Blick ins Innere des Wohnmobils

Dann lässt sie den Reporter noch kurz einen Blick ins Innere werfen, und dann geht‘s auch schon los mit den Fahrrädern. Besuch bei der Familie an der Stockumer Straße ist angesagt. „Morgen fahren wir dann weiter nach Münster, zu Freunden“, sagt sie. „Danach geht‘s weiter nach Köln“, sagt er.

So ist der Plan. Aber vielleicht bleiben sie auch irgendwo hängen - die ganz große Freiheit auf knapp 14 Quadratmeter.

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