Äußerst seltener Anblick mitten im Schnee: Eine Feldlerche ist im Garten von Klaus Nowack in Werne zu sehen. Diese Vogelart ist vom Aussterben bedroht. © Klaus Nowack
Beobachtungen eines Vogelkundlers

Bedrohte und seltene Vögel in Werne gesichtet: „Das ist Naturschutz vom Feinsten“

Zu den ersten Frühlingstemperaturen haben sich viele Kraniche auf den Weg Richtung Norden gemacht. Während dies nicht ungewöhnlich ist, hat ein Experte sensationelle Beobachtungen im Schnee gemacht.

Bei frühlingshaften Temperaturen sind in der vergangenen Woche unzählige Kraniche in Richtung Norden geflogen. Schon zuvor – sogar im Schneefall – hatte Klaus Nowack die ersten Zugvögel über Werne beobachtet. Das Natur-Schauspiel hat den erfahrenen Ornithologen zwar erfreut, aber nicht überrascht. Denn der Zeitpunkt ist nicht ungewöhnlich. Eine andere Beobachtung während des Wintereinbruches allerdings hat den Vogelkundler hingegen erstaunt.

So hat er während der Kältephase Feldlerchen entdeckt – und zwar in seinem eigenen Garten. „Das hat es noch nie gegeben. Ich hatte acht Feldlerchen 14 Tage bei mir. Sie bleiben da, wo es etwas zu fressen gibt und wo es windgeschützt ist“, so der Ornithologe. Beste Voraussetzungen haben die Vögel also offensichtlich bei Nowack gefunden, der extra Körnerfutter für die Tiere ausgelegt hatte.

Vom Aussterben bedrohte Vogelart im eigenen Garten in Werne

Die Feldlerche wurde vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nach 1998 im Jahr 2019 erneut zum Vogel des Jahres gekürt. „Schon damals warnten wir davor, dass der begabte Himmelsvogel in vielen Gebieten Deutschlands selten oder gar aussterben wird. Seitdem ist mehr als jede vierte Feldlerche aus dem Brutbestand in Deutschland verschwunden“, erklärte der Nabu seinerzeit dazu. Umso erfreuter ist Klaus Nowack über den Besuch der seltenen Vogelart in seinem Garten. „Das ist schon ein Phänomen, das ungewöhnlich ist“, sagt der Vogelkundler.

Klaus Nowack hat Bluthänflinge am Ackerrand in Varnhövel mit der Kamera festgehalten.
Klaus Nowack hat Bluthänflinge am Ackerrand in Varnhövel mit der Kamera festgehalten. © Klaus Nowack © Klaus Nowack

Dasselbe gilt für Bluthänflinge, die zwar in Deutschland heimisch sind, aber deren Bestand etwa aufgrund von Bebauung oder dem landwirtschaftlichen Einsatz von Herbiziden stark zurückgeht. Immer mehr dieser Vögel hat Klaus Nowack nun in Werne beobachtet.

Seltene Vogelart während Wintereinbruch gesehen

Auf einem Randstreifen eines Ackers in Varnhövel zählte er zunächst 30 bis 40 Tiere im Oktober. Im Februar und damit auch mitten im Wintereinbruch waren es sogar mehr als 400, erzählt der Vogelkundler. Dass die Tiere bei diesen Temperaturen hier überleben können, ist auch für erfahrene Ornithologen wie Klaus Nowack keine selbstverständliche Beobachtung.

Der Grund ist aber denkbar einfach: Die Vögel finden auf dem Acker Nahrung – Insekten und Kleingetier – in den Mais-Halmen. Das ist möglich, weil der Landwirt den Acker nicht ganz abgetragen hat. Ein bisschen von dem Mais blieb liegen. Sehr zum Wohl einiger seltener Vogelarten. „Das ist Naturschutz vom Feinsten“, lobt Klaus Nowack.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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