Der Sauna-Brand im Keller eines Hauses sorgte jüngst für einen schwierigen Einsatz bei der Feuerwehr Werne. So erlebten drei Wehrleute die Löscharbeiten bei null Sicht und extremer Hitze:

Werne

, 25.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ins Grübeln kommen, Emotionen zulassen, Angst zeigen. Es sind Reaktionen, die bei einem Einsatz der Feuerwehr zum Hindernis werden können. Andrea Freundschuh schaltet deshalb direkt in den Einsatz-Modus.

Das macht die 30-Jährige auch, als sie die Meldung zum Kellerbrand an der Körnerstraße am Dienstagabend, 15. Oktober, bekommt. Ein Kellerbrand. Sofort weiß die erfahrene Brandmeisterin, die sich seit 2003 in der Freiwilligen Feuerwehr Werne engagiert, dass es kein typischer Einsatz werden wird. Doch dass der Brand sie und ihre anderen Kameraden derart fordern wird, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Fensterscheibe mit Axt eingeschlagen

Es wird für viele der bislang extremste Einsatz ihrer Feuerwehr-Laufbahn. Für Jonathan König (19) ist es sogar der erste Innenangriff, also Einsatz innerhalb eines Gebäudes. Dabei geht er gleich an seine körperlichen Grenzen.

Als er mit seinen Kameraden an dem Einfamilienhaus an der Körnerstraße ankommt, geht es für ihn erst gar nicht um den Brand. Gemeinsam mit der Truppführerin Andrea Freundschuh bekommt er den Auftrag, die beiden Hunde der Familie zu retten. Sie befinden sich im Erdgeschoss. Um sich Zugang zu verschaffen, schlägt Jonathan König eine Fensterscheibe mit einer Axt ein.

Bei Sauna-Brand gehen die Feuerwehrleute an ihre Grenzen: „Ich war so platt wie nie zuvor“

Mit dieser Axt hat Jonathan König die Fensterscheibe eingeschlagen, um in das Erdgeschoss des Hauses zu kommen. Dort retteten er und Andrea Freundschuh zwei Hunde. © Andrea Wellerdiek

Hund sitzt friedlich auf dem Bett

Im Erdgeschoss ist es bereits verqualmt, die Rauchmelder schalten sich nach und nach in den Räumen an, wie Jonathan König erzählt. Einen Hund finden die beiden Wehrleute im Schlafzimmer. „Er saß ganz friedlich auf dem Bett und hat gekläfft.“ Vorsichtig nähert der 19-Jährige sich dem Tier.

Dann schnappt er den Hund und übergibt ihn an einen anderen Kameraden durch ein Fenster. Der andere Hund läuft über die Terrasse aus dem Haus über die Straße zu den Besitzern. Die Familie konnte sich bereits in Sicherheit bringen.

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Überall ist nur noch Rauch

Für Jonathan König und Andrea Freundschuh ist der Einsatz da noch längst nicht beendet. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir noch da runter müssen“, sagt König. Doch sie bekommen den Auftrag, im Keller den ersten Trupp abzulösen. „Schon oben an der Treppe konnte man nichts mehr sehen“, erzählt der 19-Jährige.

Vorsichtig wagen sie sich in den völlig verrauchten Keller, in dem die Sauna lichterloh brennt. Sie lösen die Kameraden ab, rücken weiter zum Brandraum vor. Sie öffnen die Tür. Der in die Luft steigende Wasserdampf sorgt für noch mehr Hitze im Keller.

Bei Sauna-Brand gehen die Feuerwehrleute an ihre Grenzen: „Ich war so platt wie nie zuvor“

Jonathan König zeigt, wie die Wärmebildkamera arbeitet. © Andrea Wellerdiek

Sicherheit im Türrahmen

Auch in dem Raum, in dem das Feuer wütet, sehen sie nichts. Die beiden Kameraden bleiben eng nebeneinander im Türrahmen sitzen. „Da ist am sichersten. Wir wussten ja nicht, wie der Raum aufgebaut ist und ob nicht vielleicht sogar die Decke runter kommt“, sagt König.

Dann arbeiten sie Hand in Hand. Jonathan König spritzt Wasser in den Raum, Andrea Freundschuh hält ihm die Wärmebildkamera. Nur so können die beiden überhaupt erkennen, wo sich die heißeste Stelle und damit der Brandherd befindet.

„Ich war einfach nur platt. So habe ich das noch nie zuvor erlebt.“
Andrea Freundschuh, Brandmeisterin

Dabei leisten sie Schwerstarbeit. Im Keller herrschen Temperaturen bis 1000 Grad. Es ist so heiß, dass sich der Putz von den Wänden löst. Nach etwa 20 Minuten müssen sich die beiden zurückziehen. Ihr Atemschutzgerät zeigt an, dass die Luft nicht mehr lange reicht. Und sie müssen noch den Rückweg einplanen. Die Treppe, die sie dann wieder hochgehen, ist mittlerweile rauchfrei.

Draußen angekommen, spüren sie, wie intensiv dieser Einsatz im Keller war. „Ich hätte keine fünf Minuten länger da unten bleiben können. Ich war körperlich am Ende“, sagt Jonathan König.

Seine Kameradin muss sich erst einmal 15 Minuten lang hinsetzen am Einsatzfahrzeug. „Ich war einfach nur platt. So habe ich das noch nie zuvor erlebt“, sagt die 30-Jährige, die sich seit 2003 bei der Feuerwehr in Werne engagiert.

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Das Adrenalin steigt immer höher

Während sich die beiden draußen von dem Einsatz erholen, sind die nächsten Trupps im Gebäude, um das Feuer in den Griff zu bekommen. Nach und nach wechseln sich die Wehrkräfte ab, bis sie das Feuer eindämmen können.

„Man hat seinen Auftrag und dann muss man funktionieren.“
Jonathan König

Ganz anders sieht das noch aus, als Matthias Urbanzyk ins Gebäude geht. Er ist der erste, der den Keller erkundet. „Umso weiter man runter gegangen ist, umso wärmer wurde es und umso höher stieg das Adrenalin“, erzählt der 25-Jährige. Vor allem die extreme Hitze habe ihn überrascht. Und der Rauch. Für Urbanzyk, der seit 2014 bei der Freiwilligen Feuerwehr Werne tätig ist, war es der erste Einsatz, bei dem er sich so schwer orientieren konnte. Rund 20 Minuten löscht er im Keller. Dann löst ihn der zweite Trupp mit Jonathan König und Andrea Freundschuh ab.

Bei Sauna-Brand gehen die Feuerwehrleute an ihre Grenzen: „Ich war so platt wie nie zuvor“

Andrea Freundschuh und Matthias Urbanzyk arbeiteten wie alle anderen Kameraden mit dem Atemschutzgerät, um das Feuer zu löschen. © Andrea Wellerdiek

Platz für Emotionen oder Zweifel gibt es während des Einsatzes für die ehrenamtlichen Wehrleute nicht. „Ich habe nicht viel nachgedacht. Man hat seinen Auftrag und dann muss man funktionieren. Man geht vor, wie man es zuvor gelernt hat“, sagt Jonathan König, der erst im Mai einen Lehrgang mit dem Atemschutzgerät absolviert hat. Auch Andrea Freundschuh schaltet gleich um auf den „Einsatz-Modus“, wie sie sagt.

Das Erlebte verarbeiten

Gut eine Woche nach dem verheerenden Sauna-Brand blicken die drei Kameraden professionell auf den speziellen Einsatz an der Körnerstraße zurück. „Im Nachhinein kann ich das Ganze gut verarbeiten“, sagt Matthias Urbanzyk. „Wir werden gut auf solche Einsätze vorbereitet.“ Besonders in Erinnerung bleiben wird dieser Sauna-Brand aber in jedem Fall.

Bei Sauna-Brand gehen die Feuerwehrleute an ihre Grenzen: „Ich war so platt wie nie zuvor“

Im Sauna-Keller eines Einfamilienhauses war das Feuer ausgebrochen. © Freiwillige Feuerwehr Werne

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