Das Kinderheim St. Josef hätte es ohne das Erbe von Anna Maria Kreft wohl nicht gegeben. © Archiv
Zehn Menschen, die Werne geprägt haben

Berühmte Werner: Anna-Maria Kreft ließ das Krankenhaus wachsen

Sie wurde 1813 geboren und starb 1880 nach mehreren Schicksalsschlägen: Doch Anna Maria Kreft verbitterte nicht. Sie hinterließ ihr Vermögen Kirche, Stadt und Krankenhaus - und schuf etwas Besonderes.

Ihr Grabmal im Steintorpark ist imposant, ein Gemälde zeigt eine ausdrucksstarke Frau mit traurigen Augen, aber angedeutetem Lächeln. In den Händen hält sie ein Buch, die Haare sind streng gescheitelt und halb von einer Haube bedeckt: Zu Lebzeiten muss Anna Maria Kreft eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein.

Dabei verstarb Anna Maria Kreft mit 67 Jahren im Jahr 1880, also zu einer Zeit, als weibliches Selbstbewusstsein keine Tugend war. Doch bis heute wird in der Stadt ihr Andenken gewahrt. Denn ohne Anna Maria Kreft und ihren letzten Willen hätte die Geschichte eines bis heute wichtigen Hauses in Werner anders ausgehen können: die des Krankenhauses.

Anna Maria Kreft auf einem Portrait
Anna Maria Kreft auf einem Portrait © Kreisarchiv © Kreisarchiv

Und auch eine zweite Geschichte begann dank ihr: die des Kinderheims. Dem Nachlass Anna Maria Krefts ist es nämlich zu verdanken, dass das Krankenhaus an einem neuen Standort wachsen konnte und der bis dahin genutzte Bau einige Jahre später zum Kinderheim wurde.

Eine wohlhabende Frau

Über das Leben der Witwe ist nur wenig bekannt. Ihr Mann Johannes starb 1874 nach einem Unfall, ihre einzige Tochter verstarb kinderlos mit nur 23 Jahren. Die Witwe Kreft stammte aus Ehringhausen, Stammsitz war der Hof Krewet. Weiterhin ist bekannt, dass der Geburtsname der Wernerin Overmann lautete und sie gute, enge und persönliche Beziehungen zum Kapuzinerkloster in Werne hegte. Als sie starb, hinterließ sie ein Wohnhaus mit Nebengebäuden, Inventar, Grundstücke und Kapital. Anna Maria Kreft konnte durchaus als wohlhabend angesehen werden.

Sie hinterließ alles mit Ausnahme des Hofes in Ehringhausen der „hiesigen katholischen Krankenanstalt“ – mit der Auflage, ein neues Krankenhaus zu bauen und sofern möglich ein Waisenhaus zu gründen. Letzteres überließ sie laut Testament jedoch dem „weisen Ermessen“ ihrer Erbverwalter.

Das alte Kinderheim St. Josef mit Anbau
Das alte Kinderheim St. Josef mit Anbau © privat © privat

Krankenhaus war an einem Scheidepunkt

Das bis dahin vorhandene Krankenhaus war 1857 nach fast zehnjähriger Vorbereitungszeit eröffnet worden. Eine kleine Pflegestätte am Domhof, zwei Krankenschwestern aus der Genossenschaft des heiligen Franziskus von St. Mauritz kümmerten sich um die Pflege.

Mithilfe einer Stiftung wurde das Haus finanziert. Doch in den 1870er Jahren starben wichtige Geldgeber – und das Haus stieß um 1880 nicht nur an seine räumlichen Grenzen. In diese schwierige Zeit für das Krankenhaus fiel das Erbe der Anna Maria Kreft. Plötzlich waren Kapital und Grundstücke vorhanden – und die Stiftung ließ am Schüttenwall ein neues Krankenhaus bauen.

Waisenhaus kommt erst Jahre später

1885 konnte das neue, zweistöckige und mehrflügelige Krankenhaus nebst Kapelle am Schüttenwall bezogen werden. Der Bau erfüllte die Bedürfnisse für knapp 30 Jahre. Es folgte einer weiterer, mehr als doppelt so großer Neubau. Erst dann wurde aus dem alten Gebäude ein katholisches Waisenhaus – ganz im Sinne von Anna Maria Kreft. Doch dieser Wunsch erfüllte sich erst im Jahr 1912. Bis April 1982 blieb das Kinderheim St. Josef in den Räumen des ehemaligen Krankenhauses – und dann wurde das Haus abgerissen.

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