Die Fleischerei Mecke an der Lippestraße in Werne hat geschlossen. © Helga Felgenträger
Meinung

„Berufsverbot“ für Mecke – eine längst überfällige Entscheidung

Er versprach einen Neustart nach den Tierquäler-Vorwürfen - Firmeninhaber Marko Mecke. Jetzt kommt alles ganz anders. Die Fleischereien sind dicht, die Schlachterei auch. Und noch mehr. Ein Kommentar.

In zwei Stellungnahmen hat Firmenchef Marko Mecke sein Unwissen von den und sein Entsetzen über die Tierquälereien in seiner Viehsammelstelle in Werne bekundet. Schuld seien zwei Mitarbeiter, die er fristlos entlassen habe. In seiner zweiten Stellungnahme sprach er von „absoluter Offenheit“ bei der Aufklärung und einem Neustart unter strengen Vorgaben. Alles Schnee von gestern. Die Schlachterei ist behördlich geschlossen, seine beiden Metzger-Geschäfte in Werne und Lünen hat er selbst geschlossen.

Ob damit eine mehr als 70-jährige Fleischerei-Tradition in Werne endgültig zu Ende geht, ist nicht sicher. Ich persönlich habe dem Firmenchef, trotz seiner schriftlichen Beteuerungen, das Waschen seiner Hände in Unschuld nie abgenommen. Ich glaube, seine so aufrichtig klingenden Erklärungen sollten die öffentliche Stimmung etwas zu seinen Gunsten drehen und ihm Zeit verschaffen. Wie über alles würde auch über den Tierquälerei-Skandal irgendwann Gras wachsen. Die Delle in seiner Sommer-Bilanz 2021 wird er schon aushalten können.

Neue Verdachtsmomente

Doch geht es offenbar nicht nur um die Tierquälerei-Vorwürfe in der Viehsammelstelle an der Lünener Straße. Die Ermittlungen gegen zwei Männer, die auf Video-Material auf kranke und abgemagerte Tiere einprügeln und sie völlig brutal behandeln, förderten wohl noch weitere Verdachts-Momente ans Tageslicht.

Möglicherweise geht es dabei um den Verdacht, dass für Tierfutter gedachtes Fleisch in Lebensmitteln für Menschen Verwendung fand. Die Verdachtsmomente wiegen offenbar so stark, das der Kreis als Aufsichtsbehörde die Mecke-Schlachterei an der Lippestraße stilllegte. Außerdem untersagte sie dem Firmeninhaber in einer weiteren Verfügung den Umgang mit Tieren. Quasi ein Berufsverbot für einen Metzger. Das war überfällig und ich empfinde es als vollkommen richtig.

Hat Mecke vorab etwas gewusst?

Was mich umtreibt ist die Frage, ob Mecke von der bevorstehenden Verfügung des Kreises gewusst hat. Denn eigentlich sollen die Betroffenen aus nachvollziehbaren Gründen davon im Vorfeld nichts erfahren. Mecke soll sich aber schon Anfang vergangener Woche mit dem Gedanken der Schließung seiner Geschäfte getragen haben. Ahnte, wusste er etwas?

Hatte er von der bevorstehenden Amtsverfügung etwas erfahren und ging lieber selbst in die Offensive? Aber wer könnte ihm das gesteckt haben? Hat er einen Informanten in der Behörde? Es gibt rund um den Fall Mecke noch einiges aufzuklären.

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Jörg Heckenkamp

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