Blinden-Leitlinien in Werne oft unabsichtlich blockiert

Hilfsspur kaum bekannt

Leitstreifen am Boden helfen Sehbehinderten, sich sicher in der Stadt zu bewegen. Schlecht, wenn die Rillenplatten direkt in den Roseneimer führen. In Werne sind die Linien oft blockiert – auf dem Marktplatz sorgte das am Freitag für Gesprächsstoff.

Werne

, 17.11.2017, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
An Markttagen endet die Hilfsspur für Blinde und Sehbehinderte im Blumenstand.

An Markttagen endet die Hilfsspur für Blinde und Sehbehinderte im Blumenstand. © Jörg Heckenkamp

Zweimal in der Woche ist Markt. Zweimal in der Woche würden Angelika Börste und Heinz Heidemann direkt in den Blumenstand von Dirk Zapler laufen, wenn sie sich auf das Blindenleitsystem verließen. Doch das können sie nicht, und das wissen die beiden Rentner genau.

„Da viele Leute gar keine Ahnung haben, wofür die Linien da sind, blockieren sie sie unabsichtlich immer wieder“, sagt Frank Vehlow vom Blinden- und Sehbehindertenverein Kreis Unna. „Gerade eben stand hier noch ein Fahrrad auf dem Streifen“, berichtet er beim Treffen mit den beiden Mitgliedern der Werner Selbsthilfegruppe. Sie haben sich getroffen, um ein bisschen „aufzuräumen“ – und zu informieren.

Funktion der grauen Streifen ist vielen nicht bewusst

„Nein, das wusste ich gar nicht“, sagt Dirk Zapler auf die Frage, warum das Metallgestell, auf dem er in Blumeneimern bunte Rosen präsentiert, auf dem dunkelgrauen, geriffelten Streifen steht. „Das hat mir nie einer gesagt“, so Zapler, der seinen Stand schon jahrelang vor dem Modehaus Kroes hat und sich nun fragt: „Aber wo soll ich auch hin? Weiter vor oder zurück ist auch schlecht.“

Auch Jürgen Menke vom Ordnungsamt ist zum Ortstermin gekommen und verspricht, sich zu kümmern. „Die Leitlinien werden schnell übersehen, ich gebe das an die Marktzuständigen weiter. Ich glaube, das war den Kollegen nicht bewusst“, sagt er. Wie aufs Stichwort mischt sich ein Passant ins Gespräch: „Was das für Streifen sind, habe ich auch erst kürzlich erfahren, als ich am Düsseldorfer Bahnhof Blinde mit ihrem Stock beobachtet habe. Da ging mir ein Licht auf.“

Abstand von mindestens 60 Zentimetern

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Leitstreifen, die in der Regel 30 Zentimeter breit sind, links und rechts einen Abstand von mindestens 60 Zentimetern zu Hindernissen haben müssen. An dieser Stelle kommt der Werbeaufsteller von Café Telgmann ins Spiel. Ein Blick auf die weiße Tafel und Frank Vehlow ist in der Konditorei verschwunden.

Herausgeeilt kommt Sabine Siegert. „Ich weiß schon, wofür die Linien da sind, aber das mit dem Abstand ist mir neu. Ich schiebe den Aufsteller jetzt mehr beiseite und gebe auch dem Chef Bescheid“, so die Mitarbeiterin. Auch um die großen Blumenkübel werde sich gekümmert, verspricht sie; sowie auch der DHL-Mann, der den Paketwagen am Anfang der Bonenstraße geparkt hat, auf eine kurze, freundliche Belehrung hin Besserung gelobt.

Appell: „Auf die Leitlinien achten“

Es ist nicht so, dass wir böse auf die Leute sind“, stellt Angelika Börste klar, „wir wollen die Menschen nur aufklären und sie bitten, auf die Leitlinien zu achten. Für blinde Menschen, die unsicher sind oder sich hier nicht auskennen, sind sie sehr wichtig.“

An Markttagen steht der Stand von Blumen Zapler auf der Blinden-Leitspur. Und auch der Werbeaufsteller von Café Telgmann behindert Angelika Börste und Heinz Heidemann (l.), wenn sie mit dem Blindenstock zum Marktplatz laufen. Gemeinsam mit Frank Vehlow vom Blinden- und Sehbehindertenverein Kreis Unna fordern sie mehr Aufmerksamkeit.

An Markttagen steht der Stand von Blumen Zapler auf der Blinden-Leitspur. Und auch der Werbeaufsteller von Café Telgmann behindert Angelika Börste und Heinz Heidemann (l.), wenn sie mit dem Blindenstock zum Marktplatz laufen. Gemeinsam mit Frank Vehlow vom Blinden- und Sehbehindertenverein Kreis Unna fordern sie mehr Aufmerksamkeit. © Christin Mols

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