Dieser Batteriespeicher steht in Herdecke seit Anfang 2018 und kann bis zu 7 Megawattstunden an Strom speichern. Die Mega-Batterie in Werne und Lingen an der Ems zusammen können künftig 117 Megawattstunden speichern. © RWE
Gersteinwerk in Werne

Brandgefahr Lithium-Ionen-Batterien: Wie RWE die Mega-Batterie im Ernstfall löschen will

Bilder von E-Autos, die brennend unter Wasser getaucht werden, sind allgegenwärtig. Wie aber will RWE die mehr als 24 Übersee-Container große Mega-Batterie im Ernstfall löschen?

Die Bilder sind eindrücklich: Immer wieder müssen Feuerwehren ganze E-Autos unter Wasser tauchen, deren Lithium-Ionen-Batterien Feuer gefangen haben. Handys, die ohne Vorwarnung explodieren. Und nun baut RWE auf dem Gelände des Gersteinwerks bis Ende 2022 den Teil einer der größten Lithium-Ionen-Batteriespeicher Deutschlands – in mehr als 24 Übersee-Containern. In Märkisch-Oderland ist erst vor knapp 2 Wochen ein solcher Batteriespeicher abgebrannt, dabei war laut rbb hochgiftige Fluorwasserstoffsäure ausgetreten. Was also, wenn diese Container in Werne Feuer fangen?

„Das detaillierte Brandschutzkonzept ist ein elementarer Bestandteil der Antrags- und Genehmigungsunterlagen“, teilt Guido Steffen, Pressesprecher von RWE Generation SE auf Anfrage mit. Seit 14 Tagen seien bei den zuständigen Behörden alle Unterlagen zur Genehmigung eingereicht. „Das bauaufsichtliche Verfahren verlangt ein Brandschutzkonzept (BSK) zur Bewertung aller Risiken im Brandfall – eine Vorabankündigung mit Beschreibung der Planung wurde mit der Brandschutzdienststelle des Kreis Unna bereits besprochen.“

Ehemaliger Leiter der Werkfeuerwehr ist mit im Boot

Mit dem Thema betraut ist auch Guido Ernst, der frühere Leiter der Werkfeuerwehr des Gersteinwerks, der jetzt als Fachkraft für Arbeitssicherheit und Anlagentechnik für RWE arbeitet. Guido Ernst arbeite nicht nur mit großer Sachkunde, sondern auch mit Professionalität an dem Thema, so Steffen.

Die Möglichkeit eines Brandes bestehe von der Theorie her, werde aber als äußerst gering eingestuft, da man die Bedingungen konsequent einplane und umsetze: „Die Batterien ruhen im Regal, sind neuwertig und befinden sich ‚in einem Wohlfühlklima‘, das eine Brandgefährdung minimiert. Batterien, auf Abstand im ‚Ikea-Regal‘ aufgestellt, unterscheiden sich dann doch von den Lithium-Ionen-Akkus in Smartphones und Elektroautos, wo es um jeden Millimeter Platz und jedes Kilo Gewicht geht, dünne Trennmembranen einen Schaden haben können und der Kontakt dann einen Kurzschluss auslösen kann“, so Steffen weiter. In den RWE-Containern würden die Batterien mit ausreichend Abstand voneinander gelagert, da genügend Platz vorhanden sei.

Laut Steffen sind auch E-Autos nicht mit dem Batteriespeicher auf dem Gelände des Gersteinwerks vergleichbar: „Bekannte Schäden an Elektrofahrzeugen hatten etwa einen Unfallschaden als Brandauslösung oder der Akku war überhitzt (lange Vollgasfahrt als Beispiel). Hier kam es immer wieder zu zeitlich verzögerten Schadenfeuern, an deren Ende man das Fahrzeug einfach in ein Wasserbad (= gefüllter Container) packte. Auf der Straße hat die Feuerwehr oft keine Chance oder Möglichkeit für weitere Maßnahmen.“

Am Sonntagmorgen des 18. Juli um 0.45 Uhr entwickelte sich ein Feuer in einem Batteriespeicher in Neuhardenberg in Brandenburg.
Am Sonntagmorgen des 18. Juli um 0.45 Uhr entwickelte sich ein Feuer in einem Batteriespeicher in Neuhardenberg in Brandenburg. © Feuerwehr Seelow © Feuerwehr Seelow

Im Ernstfall aber über 24 Übersee-Container „einfach“ unter Wasser zu tauchen, dürfte nicht so leicht werden. Im Märkisch-Oderland waren die Löscharbeiten laut rbb schwierig, wie der dortige Kreisbrandmeister Sebastian Nestroy dem Sender erklärte: „Löschen kann man die Akkus nicht, weil sie bei der Zersetzung Sauerstoff produzieren, deswegen kann man sie eigentlich nur runterkühlen.“

Die Gefahr, dass die Batterien anfangen zu brennen, besteht

Im Gersteinwerk würden laut Steffen Vorabmaßnahmen getroffen, darunter die Temperaturüberwachung und die frühe Abschaltung der im Prozess stehenden Anlage, so Steffen. Die Gefahr, dass die Batterien in Brand geraten, besteht jedoch. „Sollte ein Container in Flammen stehen, ist die Löschwasserversorgung durch das Werk gesichert, es bestehen auch Planungen zur Anbindung an das Löschwasserrückhalte-System, um mögliche Umweltgefahren zu vermeiden.“ Im Falle eines Brandes, würde mit „viel Wasser“ gelöscht. Wie genau, ist bisher noch unklar.

Die Anlage werde mannlos betrieben – alle Meldungen liefen in der Zentralwarte auf, so Steffen. „Hier bewerten die anwesenden Produktionsmitarbeiter das Ereignis und können so unmittelbar eingreifen – die Feuerwehr wird automatisiert ohne Möglichkeit einer Blockung alarmiert.“ Menschen würden wegen des fehlenden Wohnbaus in der unmittelbaren Nachbarschaft des Werks nicht gefährdet.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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