Im Duell der drei Bürgermeister-Kandidaten diskutierten die Teilnehmer vor allem rege über die Themen Einzelhandel in der Innenstadt und Mobilität. Die Veranstaltung moderierten Jörg Heckenkamp (Ruhr Nachrichten) und Dirk Oehler (evangelischer Männerverein. © Andrea Wellerdiek
Kommunalwahl in Werne

Bürgermeister-Kandidaten streiten: Leerstände, mehr Radwege, Shuttle-Bus

Drei Kandidaten kämpfen um den Posten des Bürgermeisters in Werne. Nun duellierte sich das Trio in der Debatte. Die Themen Verkehrskonzept und Leerstände in der Stadt sorgten für Zündstoff.

Ein Trio geht am 13. September ins Rennen um den Posten des Bürgermeisters der Stadt Werne. Amtsinhaber Lothar Christ (parteilos), Herausforderer Dominik Bulinski (CDU) und Dauer-Aspirant Benedikt Striepens (Grüne) duellierten sich am Donnerstagabend (13. August) vorab im spannenden Rededuell im Lutherhaus in Werne. Für ordentlich Diskussionsstoff sorgten dabei vor allem die Themen Wohnungsbau, Mobilität und Einzelhandel in Werne.

In Werne sind derzeit 17 leere Geschäfte zu finden. Die Innenstadt muss gestärkt werden – darin waren sich die drei Kandidaten einig. Doch wie das gelingen soll, darüber ließ sich streiten.

Denn während Lothar Christ (51) erklärte, es gebe neben den Rahmenbedingungen, die man als Stadtverwaltung etwa mit Veranstaltungen oder Gutscheinen schaffen kann, kein Patentrezept für dieses „gesamtdeutsche Problem“, hielt Herausforderer Dominik Bulinski (41) dagegen.

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Bürgermeister-Kandidaten aus Werne im Duell

Er wolle ein kommunales Förderprogramm auflegen. Damit möchte er eine Anschubfinanzierung für die Ansiedlung neuer Einzelhändler schaffen. Zudem sollten kleinere Geschäfte zu einer größeren Verkaufsfläche zusammengeführt werden. „Wenn wir das schaffen und Kauf-Magneten in die Innenstadt bekommen, dann haben wir die Möglichkeit, eine höhere Frequenz zu schaffen“, erklärte der 41-Jährige.

Sein Gegenüber, Benedikt Striepens (56), verdeutlichte, dass die Ideen von Bulinski keineswegs neu und gleichzeitig keine Garantie dafür seien, dass sich neue Einzelhändler ansiedeln würden. Stattdessen müsse man die Innenstadt an sich attraktiver machen, etwa mit besserem Stadtmobiliar und besseren Parkmöglichkeiten.

Bessere Radwege fordern zwei der drei Kandidaten

Geteilter Meinung waren die drei Kandidaten auch beim Thema Mobilität. Dominik Bulinski möchte sich etwa für einen besseren Öffentlichen Nahverkehr einsetzen und einen Shuttlebus installieren, der eine Schleife fährt.

„Wenn Herr Bulinski Bürgermeister wird, dann möchte ich schon, dass er 10 bis 20 Millionen Euro mitbringt. Ich sehe da ein paar Sachen, da weiß ich gar nicht, wie wir die hier finanzieren sollen. Das hat auch mit der Einschätzung der Situation vor Ort zu tun. Der ÖPNV ist von uns ganz schwierig zu beeinflussen“, entgegnete Benedikt Striepens, der sich stattdessen für bessere Radwege und ein allgemeines Mobilitätskonzept stark machen will.

Die drei Kandidaten für den Bürgermeister-Posten Dominik Bulinski (CDU, l.), Lothar Christ (parteilos, M.) und Benedikt Striepens (Grüne) stellten sich der Fragen der Moderatoren und Leser.
Die drei Kandidaten für den Bürgermeister-Posten Dominik Bulinski (CDU, l.), Lothar Christ (parteilos, M.) und Benedikt Striepens (Grüne) stellten sich der Fragen der Moderatoren und Leser. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Dem stimmte Lothar Christ zu: „Wir müssen schauen, was die Stadt braucht, um mehr Menschen zu bewegen, das Fahrrad zu nehmen. Wir müssen den Fahrradfahrern mehr Raum geben.“ Christ sieht einen extremen Wandel aufgrund der Elektromobilität, den man berücksichtigen muss.

Dem widersprach Dominik Bulinski. An der Verteilung der Verkehrsmittelwahl werde auch die Elektromobilität nicht rütteln. „Da wird sich im ländlichen Raum nichts ändern, Herr Christ! Deswegen müssen wir auch alle Verkehrsteilnehmer gleich behandeln.“

Bulinski putzt Klinken, Christ schämt sich, Striepens will verbieten

Am Ende der Veranstaltung, die von Kolping, KAB, evangelischem Männerverein organisiert und von dieser Redaktion per Live-Stream übertragen wurde, gab es noch die Möglichkeit, Leser-Fragen zu stellen.

Dazu erklärte etwa Dominik Bulinski zum sozialen und finanzierbaren Wohnraum in Werne: „Ich werde alles dafür tun, um neue Wohnbauflächen zu schaffen. Ich werde dafür Klinken putzen. Und wenn mich die Ministerien oder der Regionalverband durch die Tür rausschmeißen, dann klettere ich durchs Fenster wieder rein. Jeder hat das Anrecht, in unserer Stadt ein kleines Häuschen zu bauen.“

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Streitgespräch der Bürgermeister-Kandidaten Wern

Lothar Christ zeigte sich auf eine Anfrage nach den verfallenen, historischen Gebäuden an der Südmauer 13 und Kirchplatz 3 betroffen: „Wir wollen unsere Denkmäler besser herrichten. Aber es geht nur gemeinsam mit den Eigentümern. Wir haben da kaum Zugriffsrechte. Das Gebäude am Kirchplatz 3 ist schon ein Schandfleck. Da muss ich mich als Bürgermeister für schämen. Deshalb rufe ich die Eigentümer auf, mit uns und mit den Denkmalpflegern in den Dialog zu kommen.“

Zum Thema Klimaschutz verdeutlichte Benedikt Striepens: „Ich trete damit an, dass ich für dieses Thema stehe und sehr wichtig nehme. Es geht nur über Verbote, Gebote und klare Richtlinien. Wir haben als Stadt die Möglichkeiten, Entsiegelung zu verlangen und, dass ich bei Baumaßnahmen diese Aspekte nach vorne schiebe. Als Stadt sollte man dabei bei Neubauten als Vorbild voran gehen.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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