Bus und Bahn fahren für 1 Euro am Tag: Ist das in Werne möglich?

mlzVerkehr in Werne

Bus und Bahn fahren für 1 Euro am Tag: Das hat die SPD im Bund vorgeschlagen. In Wien gibt es das 365-Euro-Ticket bereits. Doch ist so etwas auch in Werne umsetzbar? So stehen die Chancen.

Werne

, 23.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Jahr lang Bus und Bahn fahren. So viel man will. Für bloß 1 Euro am Tag? Das klingt verlockend und ist ein Vorschlag der SPD im Bund. In ganz Deutschland soll das 365-Euro-Jahresticket nach Willen der SPD eingeführt werden. Doch ist so etwas überhaupt in Werne möglich?

„Der Hype kommt aus den großen Städten“, sagt Andreas Feld (63), Leiter der Abteilung Verkehrsmanagement bei der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU). Großer Vorreiter ist Wien und auch andere Städte wie Dortmund machen sich ihre Gedanken.

VKU diskutiert drei Ideen – so unterscheiden sie sich:

„Grundsätzlich ist da was möglich“, sagt Feld. Bei der VKU spricht man intern bereits über das 365-Euro-Ticket. Dabei stehen drei mögliche Varianten zur Auswahl, über die man diskutiert.

„Die Drehschrauben sind Preis, Gültigkeit und Bindung“, sagt Feld. Bedeutet: Wie weit gilt das Ticket? Gilt es rund um die Uhr? Und gilt das Ticket auch, wenn ein Bus ausgelastet ist?

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Fragen über Fragen, die es für die VKU zunächst zu klären gilt. Doch zwei Dinge gibt Feld schon im Vorfeld zu bedenken. Erstens sei das 365-Euro-Ticket in den Vorbildstädten keine isolierte Maßnahme, sondern Teil eines großen Pakets.

Zweitens sei aus seiner Sicht der Ticketpreis gar nicht so entscheidend, wie man denke. „Das kommt erst an dritter, vierter oder fünfter Stelle bei den Leuten.“ Entscheidend bei der Wahl des Verkehrsmittels seien oft sogar nicht messbare Zahlen.

Nicht alles spricht für die Einführung des 365-Euro-Tickets

„Die Entscheidung, ob man Bus, Bahn oder Auto nimmt, ist oft emotional und wird aus Gewohnheit getroffen“, so Feld. Wichtiger als der Preis, den die VKU nach eigenen Angaben immer wieder überprüft, sei es, dass Tickets möglichst leicht zu erwerben sind.

Doch es gibt auch Dinge, die die Einführung des Tickets erschweren. „Schon jetzt sind wir bei einigen Fahrten auf Anschlag“, so Feld. Typischerweise fahren viele Menschen zur selben Zeit Bus – weil sie zur Schule oder zur Arbeit müssen oder im Anschluss wieder nach Hause.

Mehr Nutzer zu Zeiten erwartet, zu denen es sowieso schon voll ist

„Zu bestimmten Zeiten haben wir noch ordentlich Platz, aber da, wo es jetzt schon voll ist, würden durch ein 365-Euro-Ticket wahrscheinlich die meisten Leute hinzukommen“, sagt Feld.

Die VKU müsste deshalb mehr Kapazitäten bereitstellen – und das bedeutet mehr Personal und höhere Ausgaben.

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Wie sich alles entwickelt, liege laut Feld aber nicht in VKU-Hand. Das entscheiden die Eigentümer, also zum Beispiel Städte mit ihrem Innenstadtkonzept. Wollen sie den Autoverkehr aus der Stadt bekommen? Wie soll die Innenstadtgestaltung aussehen?

Fragen, auf die es erst im Laufe der Zeit eine Antwort geben wird. Doch die VKU macht sich ihre Gedanken. Ganz ausgeschlossen ist das Busfahren für 1 Euro pro Tag also nicht.

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