„Die Leute stürmten unseren Stand“: So erlebte Matthias Kerk (23) das Chaos-Konzert in Essen

mlzMarteria- und Casper-Konzert

Beim Konzert von Marteria und Casper in Essen wurden am Samstag 28 Personen verletzt. Auch Matthias Kerk (23) war vor Ort. Warum ihm viele Besucher dankbar waren, erzählt der Werner.

Werne

, 03.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Augenzeugen berichten von chaotischen Zuständen und von Panik. Beim Konzert der beiden Rapper Marteria und Casper am Essener Baldeneysee stürzten am Samstagabend während eines schweren Unwetters Teile einer LED-Leinwand zu Boden. 28 Personen wurden verletzt.

Viele Besucher erfuhren erst später von dem Unglück, erzählt Matthias Kerk (23). Der Werner war als Aushilfe an einem Bierstand tätig - knapp 100 Meter von dem Unglücksort an der Bühne entfernt. Von Panik habe er nichts gespürt, wie er erzählt.

Erst Ärger, dann Verständnis

Die Besucher seien „ganz entspannt“ vom Gelände gegangen. Einige Zuschauer seien aber verärgert gewesen, weil das Konzert abgebrochen wurde. „Viele wussten zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, was passiert war. Als es sich rumsprach, hatten die Besucher Verständnis“, erzählt der 23-Jährige.

Der Werner hatte sich auf diesen Arbeitstag gefreut. „Klar, da steht man am Bierstand und kann sich gleichzeitig auch ein bisschen das Konzert angucken“, sagt er. Doch dann kam es ganz anders.

„Die Leute stürmten unseren Stand“: So erlebte Matthias Kerk (23) das Chaos-Konzert in Essen

Während eines schweren Unwetters stürzte eine LED-Leinwand um. 28 Menschen wurden dabei verletzt. © dpa

Schutz im Bierstand

Nach dem Beginn des Konzerts kam 30 Minuten später plötzlich ein Unwetter auf. Regen und Gewitter über dem Baldeneysee. „Die Stimmung war richtig gut. Es war trocken. Aber binnen Sekunden war es plötzlich richtig am schütten. Starke Windböen und Gewitter kamen dazu. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt“, sagt Kerk.

Die Musik ging gegen 21.30 Uhr aus. Das Konzert wurde unterbrochen. „Da hat der Veranstalter noch durchgesagt, dass es gleich weitergeht“, schildert Matthias Kerk. Vor dem Unwetter retteten sich viele Besucher, die bereits klitschnass und teilweise vom Sand verdreckt waren, unter den Bierstand, in dem Matthias Kerk arbeitete.

„Wir haben einfach weiter Bier gezapft. Da waren die meisten schon glücklich drüber.“
Matthias Kerk, Augenzeuge

„Die Leute stürmten unseren Stand. Manche sind auch über die Theke geklettert. Da war die Situation ziemlich unübersichtlich“, sagt der 23-Jährige. Etwa 40 Zuschauer suchten Schutz in dem Pavillon.

Während einige Zuschauer skeptisch waren, ob der Bierstand dem Unwetter überhaupt stand hält, freuten sich andere, dass sie zwar im Trockenen, aber nicht auf dem Trockenen standen. „Wir haben einfach weiter Bier gezapft. Da waren die meisten schon glücklich drüber“, erzählt Kerk.

„Die Leute stürmten unseren Stand“: So erlebte Matthias Kerk (23) das Chaos-Konzert in Essen

Das Konzert von Marteria und Casper musste nach rund 30 Minuten abgebrochen werden. © dpa

Technischer Defekt

Und für eine Frau, die total durchnässt war, gab es ein trockenes T-Shirt. „Die meisten waren dankbar, dass sie sich bei uns unterstellen konnten. Manche haben gesagt: Ihr habt uns den Abend gerettet“, erzählt der Werner.

Zu diesem Zeitpunkt dachten die Besucher noch, dass das Konzert nur kurzzeitig unterbrochen werden würde. Dann informierte der Veranstalter über den Abbruch - aufgrund eines technischen Defekts. „Das war vielleicht auch ganz gut so, dass der Veranstalter das so formuliert hat, damit keine Panik entsteht“, sagt Kerk.

„Da kam ein Krankenwagen nach dem anderen.“
MATTHIAS KERK, AUGENZEUGE

Vor der Bühne stellte sich die Situation ganz anders dar. Dort wurden 28 Personen verletzt. „Davon haben wir gar nichts mitbekommen. Es gab auch keinen Knall oder so“, sagt Kerk.

Erst als er und seine beiden Kollegen den Bierstand schlossen und sich gegen 22.45 Uhr selbst in Richtung Parkplatz aufmachten, erfuhren sie genau, was passiert war.

„Da kam ein Krankenwagen nach dem anderen“, sagt Kerk. Weil in der entgegengesetzten Richtung die Besucher mit ihren Autos das Gelände verlassen wollten, kam es zu langen Wartezeiten.

„Die Leute stürmten unseren Stand“: So erlebte Matthias Kerk (23) das Chaos-Konzert in Essen

Bei der Abreise mussten sich die Besucher in Geduld üben. Einige Rettungswagen eilten zu dem Gelände am Baldeneysee. © dpa

Situation im Griff

Geduld mussten die Besucher auch an der einzigen Fußgängerbrücke, die zum Parkplatz und zur Haltestelle des Öffentlichen Nahverkehrs führte, zeigen. „Die Security hatte das gut im Griff und hat den Zugang geregelt. Aber einige Besucher sind trotzdem durch das Gebüsch hochgelaufen“, erzählt Matthias Kerk.

Insgesamt hätten der Veranstalter und das Sicherheitspersonal die schwierige Situation gut geregelt. „Von Panik oder Leuten, die sich in Gefahr gefühlt haben, habe ich nichts mitbekommen“, sagt der Werner.

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