Kiloweise Hefe und Mehl und Paletten voller Klopapier: Supermarkt-Statistik in der Corona-Krise

mlzCoronavirus

Hefe und Mehl gehen wie warme Semmeln und die schwierige Suche nach Toilettenpapier: Die Corona-Krise stellt auch Supermärkte in Werne vor große Herausforderungen.

Werne

, 24.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Georg Schlomberg schmunzelt. „Ja, wir haben wieder Hefe da“, sagt der Marktleiter des Rewe Symalla im Werner Horne-Center und legt auf. Mal wieder fragen Kunden vorab nach, was es noch im Rewe zu holen gibt. Nach Toilettenpapier fragt hier eigentlich keiner mehr, vielleicht nur um ein müdes Lächeln von dem Mitarbeiter zurückzubekommen.

Die Corona-Krise stellt die lokalen Supermärkte vor große Herausforderungen. Überall gibt es Hamsterkäufe, die Suche nach Toilettenpapier gestaltet sich schwierig. Und wo es Klopapier gibt, muss der Kunde schnell sein, wie etwa Georg Schlomberg erzählt.

Bizarre Toilettenpapier-Rechnung

Man könne beobachten, wie der Stapel mit den Packungen im Minuten-Takt immer kleiner wird. Wie bizarr die Situation aktuell ist, zeigt seine Rechnung für Toilettenpapier: „In der vergangenen Woche sind 15 Paletten durchgegangen. Auf einer Palette sind 330 Packungen.“ Konkret heißt das: 4950 Verpackungen. Sind durchschnittlich zehn Rollen in der Packung, kommen 49.500 Toilettenrollen zusammen.

Hamsterkäufe - vor allem bei Toilettenpapier - sind in diesen Zeiten typisch. Allerdings habe sich das Kaufverhalten mittlerweile geändert, wie Georg Schlomberg, Marktleiter im Rewe Symalla, berichtet.

Hamsterkäufe - vor allem bei Toilettenpapier - sind in diesen Zeiten typisch. Allerdings habe sich das Kaufverhalten mittlerweile geändert, wie Georg Schlomberg, Marktleiter im Rewe Symalla, berichtet. © picture alliance/dpa

Zum Vergleich: In der Vorweihnachtszeit waren es in der Woche mal vier Paletten. Also 1320 Packungen oder 13.200 einzelne Toilettenrollen. „Und das war da schon viel“, erzählt Schlomberg. In der Corona-Krise sind vier Paletten am Tag leer. „Eigentlich hat jeder noch eine Packung Klopapier im Wagen liegen, wenn es welches gibt. Egal, ob derjenige schon vorher Klopapier gekauft hat“, erzählt Schlomberg.

Rationierte Artikel im Rewe

Schon seit zwei Wochen haben die Verantwortlichen von Rewe die Menge an Toilettenpapier, Mehl, Nudeln und Hefe rationiert. Mit maximal einer Packung Toilettenpapier darf jeder Kunde den Rewe nunmehr verlassen. Einige Kunden seien natürlich erfinderisch geworden, erzählt Schlomberg.

Jetzt lesen

„Plötzlich wollen die Kunden dann ihre Eltern mit Klopapier mitversorgen und für mehrere Kinder Packungen kaufen.“ Mittlerweile seien die Hamsterkäufe aber zurückgegangen, berichtet der Marktleiter. „Die Bürger begreifen, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden. Sie kaufen nun viel bedachter ein.“

Großer Einkauf wird beliebter

Immer größere Einkäufe verbuchen die Kassiererinnen. Der kleine Einkauf werde seltener, so Schlomberg. Und er merkt auch, dass viele Kunden für andere Mitbürger mit einkaufen gehen. Wer im Rewe einkaufen geht, hält sich weitestgehend an die Vorsichtsmaßnahmen.

„Bitte halten Sie zwei Meter Abstand zu den anderen Kunden“: Mit diesem Hinweisschild, das Mitarbeiterin Heike Glas zeigt, sollen sich die Bürger beim Einkauf im Rewe gegenseitig schützen.

„Bitte halten Sie zwei Meter Abstand zu den anderen Kunden“: Mit diesem Hinweisschild, das Mitarbeiterin Heike Glas zeigt, sollen sich die Bürger beim Einkauf im Rewe gegenseitig schützen. © Andrea Wellerdiek

Am Eingang und in den Gängen hängen Hinweisschilder: „Bitte halten Sie zwei Meter Abstand zu den anderen Kunden“, ist darauf zu sehen. Das gilt auch im Wartebereich an der Kasse. Bei der Kassiererin angekommen, schützt eine Plexiglasscheibe Kunde und Mitarbeiterin.

„Das gibt mir ein sicheres Gefühl“, sagt auch Kassiererin Heike Glas (55). Sie trägt Handschuhe, die sie regelmäßig wechselt. Auch Desinfektionsmittel kommt zum Einsatz. „Allerdings geht das auch für uns langsam zur Neige“, erzählt sie.

Hefe wieder zu haben

Im Supermarkt ist Desinfektionsmittel für Kunden längst nicht mehr zu haben. Hefe - zuletzt auch vergriffen - gibt es hingegen wieder. Maximal zwei Packungen sind nun hier pro Kunde erlaubt. Auch Mehl wird pro Kunde auf eine Packung rationiert.

In der Vergangenheit habe es auch bei diesen Artikeln Hamsterkäufe gegeben. „15 Packungen Hefe und Mehl“ habe sie genauso gesehen wie Kunden, die gleich mit zwei Einkaufswagen an der Kasse vorgefahren sind, erzählt Heike Glas. Darin natürlich auch Toilettenpapier. Das soll es übrigens in dieser Woche wieder im Rewe geben. Wann genau, das verrät Georg Schlomberg lieber nicht.

Rewe-Filialleiter Georg Schlomberg rechnet vor, wie viel Toilettenpapier in der vergangenen Woche über die Ladentheke in Werne gegangen ist.

Rewe-Filialleiter Georg Schlomberg rechnet vor, wie viel Toilettenpapier in der vergangenen Woche über die Ladentheke in Werne gegangen ist. © Mario Bartlewski (A)

Jetzt lesen
Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt