Darum drückt Kriegsflüchtling Darwish Zeytar (40) die Schulbank und lernt seinen Beruf neu

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Darwish Zeytar (40) war in Syrien als Mechaniker in einer Textilfirma tätig. Er flüchtete vor dem Krieg mit seiner Familie nach Deutschland. Jetzt lernt er seinen Beruf noch mal neu.

Werne

, 09.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seitdem vor gut acht Jahren die Firma Beckmann-Fleige Hydraulik ihren Sitz von der Varnhöveler Straße an den jetzigen Standort im Nordlippepark verlegt hat, sind Expansions-Probleme kein Thema mehr; was die im vergangenen Jahr neben dem Hauptgebäude entstandene Fertigungshalle eindrucksvoll beweist.

Syrischer Flüchtling gehört zu den sieben Azubis

Auch der Mitarbeiterstamm ist von ehemals acht auf inzwischen 30 angestiegen, darunter insgesamt sieben Auszubildende. Zwei junge Frauen werden hier zur Industriekauffrau ausgebildet, fünf junge Männer zu Mechatronikern, Schwerpunkt Hydraulik.

Darum drückt Kriegsflüchtling Darwish Zeytar (40) die Schulbank und lernt seinen Beruf neu

V. l.: Firmenchef Friedhelm Beckmann-Fleige, Ausbilder Michael Dyczka, Azubis Yannick Hirsch (17), Darwish Zeytar(40), Lena Michallik (18), Ausbilder Hendrik Schürmann und Marlies Fränzer. © Claudia Hurek

Darwish Zeytar ist 40 Jahre alt und eigentlich nicht mehr im üblichen Alter für eine Ausbildung. Der Syrer kam 2015 als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Die erste Zeit verbrachte er in einer Unterkunft in Mönchengladbach, bevor er sein jetziges zu Hause in Kamen beziehen konnte. Dort lebt er mit seiner Ehefrau und sechs Kindern inzwischen in einer kleinen, aber gemütlichen Wohnung.

„Die Flucht war sehr schwierig“, erinnert sich Darwish ungern zurück. Der gelernte Mechaniker, der in seiner Heimat in einer Textilfirma gearbeitet hat, musste sich bei Ausbruch des Bürgerkrieges durch die Zerstörung seiner Arbeitsstätte einen neuen Wirkungskreis suchen.

Ausweg war die Flucht nach Deutschland

„Wie sollte ich denn ohne Arbeit meine Familie und meine Kinder ernähren?“ Für die kommenden drei Jahre ging er in den Libanon und anschließend für ein Jahr in die Türkei. Alle zwei Monate besuchte er seine Ehefrau und die Kinder. „Das war keine schöne Zeit.“ Der einzige Ausweg für die syrische Familie bestand irgendwann nur noch in der Option, die Flucht nach Deutschland zu wagen.

Darum drückt Kriegsflüchtling Darwish Zeytar (40) die Schulbank und lernt seinen Beruf neu

Der syrische Flüchtling Azubi Darwish Zeytar hofft auf ein gutes Leben in Deutschland für sich und seine Familie. © Claudia Hurek

Die ersten Wochen und Monate bestanden für die Familie ausschließlich aus dem Besuch von Deutschkursen. Dank eines gut funktionierenden sozialen Netzwerkes sowie engagierten Helfern, Nachbarn und seiner Deutschlehrerin, ergab sich schließlich die Möglichkeit eines vierwöchigen Praktikums bei der Firma Beckmann-Fleige in Werne.

„Das war so ein großes Glück für mich“, so Darwish. „Eine Umschulung kam für mich nicht infrage. Ich wollte das, was ich als junger Mann schon gelernt habe, hier in Deutschland machen. Mit der Ausbildung hier habe ich das dann auch verbrieft.“

Schwerpunkt liegt bei Hydraulik-Aggregaten

Der Schwerpunkt der Firma Beckmann-Fleige liegt in der Projektierung und Fertigung von Hydraulik-Aggregaten und-Steuerungen sowie der Erstellung kompletter elektrohydraulischer Systemlösungen für die Industrie, Kraft- und Stahlwerke oder auch für die Schifffahrt.

Das Einsatzgebiet beschränkt sich fast ausschließlich auf Deutschland und angrenzende Nachbarländer. „Wir hatten auch mal Anfragen aus Disneyland, USA. Aber die Zollbestimmungen lassen das kaum zu“, so Firmenchef Friedhelm Beckmann-Fleige.

Zwei Ausbilder begleiten die Azubis

Michael Dyczka und Hendrik Schürmann, langjährige Mitarbeiter, begleiten als Ausbilder die Azubis. „Ein klarer Vorteil während der Ausbildung ist der Blockunterricht in der Berufsschule“, so Schürmann. „So können die Auszubildenden oftmals Projekte von Anfang bis Ende mitbegleiten; was bei wöchentlich stattfindendem Unterricht so nicht möglich wäre.“

Praktische Arbeit ist für den Flüchtling ein Kinderspiel

Für Darwish Zeytar ist das praktische Arbeiten ein Kinderspiel. „Er ist wirklich hoch motiviert, sodass wir ihn schon manchmal bremsen müssen“, weiß Marlies Fränzer, die für die Ausbildung im Büro verantwortlich ist. „Er macht das richtig gut.“

„Es macht mir auch viel Freude hier zu arbeiten“, sagt Darwish. „Wenn ich Probleme habe, kann ich immer meine Kollegen fragen oder um Hilfe bitten.“ Für die Zukunft wünscht er sich: „Ein gutes Leben in Deutschland und, dass meine Familie und ich alle Ziele und Pläne erreichen.“

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