Wissenschaftler bringen das Präparat des letzten Wolfes in Westfalen vor drei Jahren zur einer zahnärztlichen Untersuchung. Mit überraschendem Ergebnis. © LWL/ Steinweg (A)
Geschichte des letzten Wolfes

Der letzte Wolf Westfalens hat keine eigenen Zähne mehr

Die erste Wolfs-Sichtung in Werne erinnerte die ehemalige Museums-Leiterin und Historikerin Heidelore Fertig-Möller an den letzten Wolf in Westfalen. Das Denkmal steht an der B54.

Am 13. März 2021 ist ein Wolf in eine private Fotofalle in Werne getappt. Sie war in der Nähe der Capeller Straße aufgebaut. Experten gehen davon aus, dass der Wolf nur durchgewandert ist. Die Berichterstattung über die erste Sichtung dieses Raubtieres nach vielen, vielen Jahren in unserer Region erinnerte auch die Werner Historikerin Heidelore Fertig-Möller an die Episode vom „letzten Wolf in Westfalen“ direkt an der Stadtgrenze zu Werne. Hier ihr Bericht:

Historikern Fertig-Möller über den letzten Wolf

Wie in den Ruhr-Nachrichten in den letzten Tagen zu lesen war, ist nun der erste Wolf nicht nur in Westfalen, sondern auch in Werne zwischen der Südkirchener Straße und Capelle gesichtet worden und das nach 186 Jahren, als urkundlich in Jahre 1835 der letzte Wolf in Westfalen in Herbern, ganz in der Nähe der Grenze zu Werne, erschossen wurde.

Schon seit einiger Zeit gibt es den Wolf wieder in Nordrhein-Westfalen – es sollen größere Wolfspopulationen mittlerweile an drei Stadtorten in NRW geben. Unsere heutige, immer noch existierende Furcht vor diesem Raubtier ist sicherlich begründet von den uralten, mündlich weitererzählten Märchen, aufgezeichnet von den Gebrüdern Grimm, wie „Rotkäppchen und der böse Wolf“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“, in denen immer der Wolf als menschenfressendes Ungeheuer dargestellt wird, was er aber nie war und ist.

Letzter Wolf hat keine echten Zähne mehr

Auch hat man vor kurzem vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe erfahren, dass dieser letzte Wolf, der sich schon seit dem 19. Jahrhundert präpariert im Museum für Naturkunde befindet, keine echten Wolfszähne mehr hat, sondern nachgemachte aus Elfenbein. So war es nicht möglich, eine DNA-Probe davon zu entnehmen.

Im Jahre 2017 wurde die Gedenktafel an der B54 zwischen Herbern und Werne restauriert. Sie erinnert an den dort im Jahre 1835 geschossenen letzten Wolf in Westfalen.
Im Jahre 2017 wurde die Gedenktafel an der B54 zwischen Herbern und Werne restauriert. Sie erinnert an den dort im Jahre 1835 geschossenen letzten Wolf in Westfalen. © Helga Felgenträger (A) © Helga Felgenträger (A)

Im 30-jährigen Krieg (1618-48 ), der auch im Oberstift Münster wütete und zahlreiche Ortschaften vernichtete, ist urkundlich bezeugt, dass sich Rotten von Wölfe in den menschenleeren Dörfern und Gehöften niedergelassen hatten und große Furcht bei den Menschen erzeugten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden dann nur noch selten vereinzelt Wölfe gesichtet, die allerdings unter dem Nutzvieh großen Schaden anrichteten.

Die preußische Regierung, zu der Werne seit 1815 gehörte, hatte schon seit langem Schussgeld für jeden geschossenen Wolf gezahlt. Im Herbst 1834 wurde in der Davert ein Wolf gesichtet und kurz darauf wurde der letzte Wolf in Westfalen vom Gastwirt Hennemann erlegt – im Inventarverzeichnis des Zoologischen Museums der Münsterischen Akademie heißt es dazu: „Nr.40 Canis Cupres, Männchen, erlegt im Winter 1834 /35 bei Herbern, unfern Werne an der Lippe, nachdem sich das Raubtier etwa sechs Wochen im Regierungsbezirk aufgehalten hatte.“

Die seit längerem geschlossene Gaststätte „Zum letzten Wolf“ an der B54 war Jahrzehnte ein beliebtes Ausflugsziel.
Die seit längerem geschlossene Gaststätte „Zum letzten Wolf“ an der B54 war Jahrzehnte ein beliebtes Ausflugsziel. © Spiller © Spiller

Nach einer Treibjagd in der Bauerschaft Horn trafen die Kugeln von mehreren Jägern das Tier, das ein Körpergewicht von 40 kg hatte, und anschließend wurde es auf der Freitreppe des Merveldtschen Hofes ausgestellt. Die preußische Behörde stellte schließlich fest, dass Joseph Hennemann das Tier erschossen hatte und ihm das Schussgeld von 10 Talern gehörte – er schenkte den Kadaver dann an das Zoologische Museum in Münster.

In Herbern steht ein Denkmal „Zum letzten Wolf
In Herbern steht ein Denkmal „Zum letzten Wolf”. © Kreis Coesfeld (A) © Kreis Coesfeld (A)

Heute erinnert noch immer ein Denkmal gegenüber der ehemaligen Gaststätte „Zum letzten Wolf“ an der B 54 an dieses denkwürdige Ereignis. Vor einiger Zeit ist dieser Gedenkstein restauriert und wieder auf den Sockel gesetzt worden – die Inschrift „Der letzte Wolf“ ist allerdings nun überholt, da nachweislich ein erster Wolf zwischen Werne, Capelle und Herbern gesichtet wurde.

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